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Filmreise Etappe #3: Der freundliche Hausgeist

20. September 2019

Etappe Nummer 3 der Filmreise-Challenge führt mich in eine Region, der ich ja ohnehin nicht abgeneigt bin. Ich liebe das Kino Chinas, Japans und Koreas. Da war es schwer, sich für etwas zu entscheiden, zumal ich tatsächlich zig Filme allein in meinem Regal gefunden habe, die ich tatsächlich noch nicht gesehen habe. Allerdings dachte ich mir: „Okay, die ersten beiden Filme waren jetzt noch recht ‚normal‘. Probieren wir doch mal etwas anderes aus!“ So fiel dann meine Entscheidung auf Kim Ki-duk und seinen Film „Bin-Jip“… eine höchst interessante Wahl!

Der junge Tae-suk (Jae Hee) treibt einfach so durchs Leben. Er klebt Essensflyer an Haustüren… und dort, wo die Flyer nicht weggenommen wurden, bricht er dann ein. Doch Tae-suk ist kein richtiger Einbrecher. Er ist ein liebevoller Hausbesetzer und freundlicher Geist in diesen Wohnungen: Er wäscht die Wäsche, repariert kaputte Dinge, bedient sich dafür ein bisschen am Essen der nicht anwesenden Bewohner und verbringt eine Nacht dort, bevor er wieder verschwindet. Eines Tages muss er jedoch feststellen, dass er nicht allein ist. Das Model Sun-hwa (Lee Seung-yeon), die von ihrem Mann geschlagen wird, „erwischt“ Tae-suk… und flieht mit ihm. Nun treiben sie zu zweit durch die Stadt, doch Sun-hwas Vergangenheit holt die Beiden bald ein.

Kim Ki-duk ist ja ein Meister der wenigen Worte. Ich erinnere mich noch daran, seinen Film „Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling“ im Kino gesehen zu haben. Da war ich schon schwer davon begeistert, dass Kim seinen Charakteren wenige bis gar keine Worte in den Mund legt und einen die Geschichte dennoch so in ihren Bann zieht. Bei „Bin-Jip“ ist das nicht anders. Tae-suk sagt im ganzen Film kein einziges Wort, Sun-hwa genau zwei kurze Sätze. Ansonsten sprechen die Taten… diese beiden Liebenden scheinen auf einer ganz anderen Ebene zu existieren. Sie verstehen sich ohne Worte… und es ist sehr rührend zu sehen, wie vor allem Sun-hwa Halt bei ihrem stummen Tae-suk findet.

Hier spielt Kim Ki-duk dann auch schon bald sehr mit einer etwas fantastischeren Ebene, was mich ein kleines bisschen an die märchenhaften Realitäten eines Haruki Murakami. Der Film ist fest verwurzelt in der Realität, aber hat dennoch etwas Übersinnliches. Besonders stark wird das am Ende des Films deutlich. Man stellt sich dann schon die Frage, ob Tae-suk real ist, ob er vielleicht ein Engel oder eben doch ein freundlicher Hausgeist ist. Und all das erzählt Kim Ki-duk scheinbar spielerisch einfach nur durch die Handlungen seiner Darsteller. „Bin-Jip“ ist dahingehend schon fast ein Stummfilm…

… am Ende sind es nur die Rohen, die Brutalen, die diese wunderbare Stille der beiden Liebenden mit ihren Worten durchbrechen, die ihr Leben verkomplizieren, aber ihnen auch die Kraft geben, einander noch mehr zu lieben.

„Bin-jip“ ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack und vielleicht wird der ein oder andere ihn auch sehr prätentiös finden, aber mir hat dieses kleine Märchen doch sehr gefallen. Es ist ein ruhiger, seichter Film, der genauso vor sich hin plätschert wie Tae-suk selbst. Es ist mal was anderes und artet schon fast ein bisschen wie filmische Meditation an, wenn man sich denn drauf einlassen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Liebe braucht keine Worte… Kim Ki-duk auch nicht)

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