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Filmreise Etappe #2: Gottlose Stadt Gottes

13. September 2019

Ich habe für die Filmreise Challenge lange nach den passenden Filmen gesucht und mir dann eine Liste erstellt, damit ich direkt fleißig losgucken kann. Für Etappe 2 in der Kategorie Weltreise musste ich nicht einmal groß überlegen. Für einen Film aus einem südamerikanischen Land habe ich den einen Film genommen, der mir – seit ich ihn das erste Mal im Kino gesehen habe – im Gedächtnis geblieben ist. Und somit begeben wir uns heute nach Brasilien mit Regisseur Fernando Meirelles, der uns in die „City of God“ führt.

„Stadt Gottes“ ist ein Armenviertel im Westen von Rio de Janeiro. Hier wächst unser Erzähler Buscape (Alexander Rodrigues) auf – inmitten von Drogenkriegen. Der schlimmste Drogenbaron ist Locke (Leandro Firmino da Hora), der erbarmungslos seine Macht in der Stadt Gottes ausbaut. An seiner Seite ist das Ying zu seinem Yang, der coolste Gangster von Rio: Bene (Phellipe Haagensen). Doch als der aussteigen will, eskaliert die Situation.

Ich weiß noch, dass ich damals, als der Film in die Kinos kam, erstaunt war, dass er überhaupt bei uns in die Kinos kam. Für gewöhnlich wäre das die Art von Film gewesen, die man sich später auf DVD geholt und sich geärgert hätte, den Film nicht im Kino gesehen zu haben. Doch zum Glück wurde „City of God“ weltweit sehr gefeiert, was dann auch diesem „kleinen“ brasilianischen Film die Chance gab, von mehr Menschen gesehen zu werden.

Oberflächlich betrachtet ist „City of God“ ein Gangsterfilm aus der Sicht eines Jungen, der mit all dem eigentlich nichts zu tun haben will. Es hat ein bisschen was von Martin Scorsese, wenn es darum geht, wie Locke langsam zum Oberboss aufsteigt. Ich könnte mich mal aus dem Fenster lehnen und sagen, es ist das dreckigere „GoodFellas“. Es ist halt die gleiche Story, nur statt schicken Villen und Anzügen, gibt es Slums, enge Gänge und T-Shirts mit Streifen.

Es hat auch ein bisschen was von Guy Ritchie… besonders in der Inszenierung. „City of God“. Die wackelige Handkamera ist es da vielleicht noch nicht einmal so sehr. Die sorgt eher dafür, dass man sich ein wenig vorkommt, als würde man eine Dokumentation gucken. Doch es ist vor allem das Tempo, das Meirelles an den Tag legt, das mich dann doch immer wieder an den Briten Ritchie erinnert: Splitscreens und schnelle Schnitte, die perfekt getimt sind, sorgen dafür, dass die Story zügig voranschreitet und uns mehr und mehr in den Krieg in der „City of God“ katapultiert.

„City of God“ ist ein dreckiger Film, der extrem authentisch daherkommt. Fast alle Darsteller im Film sind nämlich Laiendarsteller, von denen Hauptdarsteller Rodrigues sogar wirklich in der „Stadt Gottes“ aufgewachsen ist. Aber dass sie Laien sind, merkt man dem Film nicht wirklich an. Darstellerisch ist der Film unglaublich stark und liefert glaubwürdige Performances ab. Auch das Setting verfehlt seine Wirkung nicht – zwar wurde nicht wirklich in der echten Stadt Gottes gedreht, aber die engen Gassen, die klapprigen Hütten, die die Menschen ihr Zuhause nennen, die alten Gebäude und der Dreck – alles das macht „City of God“ sehenswert… und beängstigt auch ganz schön.

Es ist wie diese Bilder von Kindersoldaten, wenn hier die kleinen Kinder bis unter die Zähne bewaffnet durch die Straßen der Stadt rennen und sich darüber unterhalten, wen man wie am besten umbringt. „City of God“ ist meilenweit von den schönen Touri-Hochglanz-Bildern entfernt, die man von Rio de Janeiro kennt… und gerade deswegen ein Film, der wichtig ist.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Drogenkrieg der Kinder ist heftiger Tobak)

6 Kommentare leave one →
  1. 15. September 2019 15:32

    Pfff… da machst du es dir ja einfach.Filme nehmen, die du schon kennst 😉
    City of God steht schon seit Jahren auf meiner Liste. Muss ich dringend mal anschauen.

    • donpozuelo permalink*
      15. September 2019 15:40

      Ich muss auch leider gestehen, es ist, glaube ich, der einzige südamerikanische Film, der sich bei mir im Regal finden ließ. Von daher wurde mir da die Wahl dann auch ein wenig erleichtert 😉

      Aber ja, den musst du dir unbedingt mal anschauen. Der ist wirklich verdammt gut.

      • 15. September 2019 17:30

        Kleiner Tipp. Auf der Seite der Challenge haben die Teilnehmer immer ihre Beiträge zu den Filmen, die sie für die jeweiligen Aufgaben gesehen haben, verlinkt. Vielleicht kannst du dir ja dort ein paar Ideen holen und gleichzeitig in Erfahrung bringen wo diese zu sehen sind. Du selbst darfst deine Beiträge dort natürlich auch gerne in den Kommentaren verlinken.

        • donpozuelo permalink*
          15. September 2019 17:59

          Danke dir. Guter Tipp. Werde ich mal machen.

  2. 21. September 2019 10:52

    Großer Film. Dreckig, schmutzig und ohne diese Hochglanzoptik, die sich gern in ähnliche Genrevertreter aus der amerikanischen Filmlandschaft schleicht.

    • donpozuelo permalink*
      21. September 2019 20:22

      Oh ja… Hochglanzoptik ist hier nicht und das ist auch gut so. Der Film ist wirklich super.

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