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Tänzer im Rausch

9. September 2019

Gaspar Noe… ein Name, der schon deutlich macht, dass man bloß nichts Normales erwarten sollte. Und spätestens seit meiner Erfahrung mit „Irreversible“ bin ich bei Noe auch immer sehr, sehr vorsichtig. Er ist ja ein guter Filmemacher, aber eben auch sehr speziell. Gut, das klingt jetzt, als wenn ich sein komplettes Werk kenne – was ich nicht tue. Ich kenne genau zwei Filme von ihm: Den schon erwähnten „Irreversible“ und „Enter the Void“. Gaspar Noe gilt als Mann, der sein Publikum spaltet… die einen schreien Skandalfilm, die anderen nicht. Heftig sind seine Filme (also die zwei, die ich gesehen habe) aber schon immer. Deswegen war ich letztes Jahr so erstaunt, dass (zumindest auf Kritikerseite) sein Film „Climax“ so gelobt wurde. Seit der nun auf Netflix rumschwirrt, wollte ich mal tapfer sein und mir den auch anschauen. Aber meine Fresse… ich wünschte, ich hätte es gelassen. Ich wünschte, ich wäre in der Lage gewesen, einfach auszumachen, aber ich hatte da die Hoffnung, es kommt noch irgendwas… was leider ganz und gar nicht der Fall war.

Eine Gruppe Tänzer, versammelt durch die Choreografin Selva (Sofia Boutella), feiern nach anstrengenden Tagen der Probe eine kleine Party. Natürlich gibt es viel Musik, es wird getrunken und getanzt. Doch dann müssen sie feststellen, dass ihnen jemand etwas in den Alkohol gemischt hat. Schnell wird aus der Party eine Orgie der Paranoia, der Lust und der Gewalt.

Ja… wie gesagt, Gaspar Noe spaltet und das scheint ja auch immer eines seiner Ziele zu sein. Was man allerdings an „Climax“ gut finden kann, werde ich leider nicht verstehen können. Für mich waren das die anstrengendsten und langweiligsten 90 Minuten, die ich seit langem erlebt habe. Es beginnt erst einmal damit, dass die ersten 45 Minuten eigentlich nur die Einleitung sind. Das Titel-Intro und die Namen der Darsteller fungieren dann als kleine Intermission, bevor dann der Film „beginnt“. Vorher sehen wir uns 10 Minuten Audition-Tapes an, sehen dann eine zugegebenermaßen coole Choreografie, bevor wir zur Party kommen, auf der eben das gemacht wird, was auf einer Party so passiert. Noe versucht das Ganze zwar durch verschiedene „Geschichten“ zwischen den Leuten interessant zu machen, hat bei mir aber nicht funktioniert. Dafür waren mir die Darsteller allesamt zu blass und ihre Charaktere nicht so weit ausgearbeitet, dass ich mir auch nur ihre Namen hätte merken können. Nur die Dame mit dem Kind – und überhaupt die Story mit dem Kind – die ist mir als besonders arg im Gedächtnis geblieben.

Als dann der irre Drogenrausch losging, verlor mich der Film nur noch mehr. Es mag ja vielleicht alles sehr authentisch wirken, aber ich brauche nun wirklich keinen Film, in dem Menschen einfach 45 Minuten lang langsam durchdrehen, sich ficken, sich verprügeln, sich aus Versehen in Brand stecken und und und… hier wurde „Climax“ für mich eine Ansammlung aus Drogenerfahrungen. Mehr passiert nicht. Es ist einfach nur ein Drogentrip auf Film gebannt… und ganz ehrlich, dann nehme ich doch lieber so etwas wie „Fear and Loathing in Las Vegas“. Das ist wenigstens schräg, hat aber noch was zu bieten. „Climax“ hatte mir wirklich gar nichts zu bieten.

Das Einzige, was an diesem Film interessant ist, ist die Kamera-Arbeit von Benoit Debie (gut, die Tänzer waren auch schon gut, aber Charaktere waren sie dadurch noch lange nicht für mich). Die Kamera ist wirklich der Hammer. Debie und Noe zeigen uns ewig lange One-Takes, die Kamera schwebt wie ein düsterer Geist hinter den Darstellern her, verdreht sich, lieferten die chaotischsten Perspektiven und Winkel. Inszenatorisch ist „Climax“ da an vielen Stellen schon wirklich sehr aufregend und passend zur Musik und zum Chaos… doch tolle Kamerafahrten und verrückte Perspektiven allein reichen da leider nicht.

Dieser Film ist einfach nichts für mich. Punkt!

Wertung: 2 von 10 Punkten (ich hätte gerne diese 90 Minuten wieder)

4 Kommentare leave one →
  1. 9. September 2019 07:57

    Oh tatsächlich? Ich habe ihn auf dem Fantasy Filmfest gesehen und fand ihn fantastisch und mitreißend. Wie der Rausch der Tänzer auch bildlich umgesetzt wurde und das ganze nach und nach außer Kontrolle gerät… fantastisch. Sowas hatte ich vorher noch nie gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      9. September 2019 15:55

      Wie das bildlich umgesetzt wurde, fand ich auch super. Die Kameraarbeit hier ist einfach nur toll. Aber der Rest hat mich einfach nicht eingefangen. Das war mir irgendwann zu langweilig und zu anstrengend.

  2. 9. September 2019 12:24

    Also ich stehe ja überhaupt nich auf Drogenfilme, aber der hier ist die große Ausnahme. Ich liebe den Streifen, kann aber verstehen, wenn man ihn nicht mag.

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