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Die Ludovico-Methode

4. September 2019

Nachdem ich erst vor kurzem „A Clockwork Orange“ von Anthony Burgess gelesen habe, musste ich natürlich auch den passenden Film dazu von Stanley Kubrick gucken. Immerhin kannte ich den vorher, bevor ich überhaupt wusste, dass der Film auf einem Roman basiert. Interessanterweise ist das dieses Mal (fast) nicht so schlimm… denn abgesehen von einigen kleinen Änderungen (auf die wir noch zu sprechen kommen), ist „A Clockwork Orange“ eine sehr genaue Verfilmung des Romans. Dennoch kann man auch hier wieder stark rummeckern, wenn man denn möchte – und zwar an einem Punkt, der das Buch ja dann doch so besonders macht. Aber dazu später mehr…

Wie gesagt, der Film orientiert sich ziemlich genau am Buch: Der junge Alex (Malcolm McDowell) erzählt uns aus dem Off seine Geschichte. Wie er als Jugendlicher mit seiner Gang von Droogs Terror verbreitete, Menschen wahllos verprügelte, vergewaltigte und sich keine Sorgen machte, wohin ihn das führen könnte. Durch den Verrat seiner Freunde und den Tod einer älteren Dame landet Alex jedoch im Gefängnis. Hier interessiert er sich für die Ludovico-Methode, die ihm das Schändliche, das Böse austreiben soll. Freiwillig lässt sich Alex auf das Experiment ein.

Verglichen mit dem Buch ist Kubricks Film noch relativ harmlos. Erst einmal haben wir es nicht wirklich mit einem 15-Jährigen zu tun. Da wirkt Malcolm McDowell dann doch ein wenig zu alt für. Er kommt zwar immer noch jugendlich genug rüber, um seine Taten brutal wirken zu lassen, aber er ist eben keine 15. Was aber irgendwie zu Kubrick gepasst hätte, wenn er wirklich ein Kind als Darsteller genommen hätte. Nur wäre das dann auch ein Film gewesen, der es wahrscheinlich niemals ins Kino geschafft hätte. Auch Alex‘ Gewalttaten sind im Film nicht ganz so extrem wie im Buch. Ich hatte da ja schon drüber geschrieben… nichtsdestotrotz gelingt es auch Kubrick eindrücklich zu zeigen, mit welcher Brutalität Alex und seine Freunde vorgehen.

Was für mich persönlich mittlerweile ein wenig verloren geht, ist das Nadsat, diese Jugendsprache aus dem Buch. Sie ist zwar auch präsent im Film, hat aber nicht die gleiche Kraft wie im Buch. Ich kann zwar – gerade nachdem ich das Buch entziffert habe – verstehen, warum Kubrick es damit nicht zu sehr übertrieben hat, dennoch fehlte es mir jetzt. Da war mir Alex‘ Sprache fast schon zu normal.

Womit ich tatsächlich schon vorher immer ein leichtes Problem hatte, war das Ende des Films. Es kommt irgendwie recht abrupt. Kubrick deutet an, dass Alex wieder normal zu sein scheint und lässt ihn dann in einer Sexfantasie sein glorreiches Ende finden. Da hat sich Burgess beim Ende dann doch ein wenig mehr gedacht… was dann aber vielleicht auch für einen Kubrick zu sehr wie ein Happy End gewirkt hätte und deswegen verschmäht wurde.

Dennoch… und das muss ich hier jetzt mal sagen… ist „A Clockwork Orange“ ein toller Film. Er wird dem Buch schon gerecht (Kubrick erlaubt sich weniger Freiheiten als zum Beispiel bei „The Shining“), da kann man sich als Leser nicht allzu viel beschweren. Als Zuschauer bekommt man einen interessanten Charakter, den Malcolm McDowell wirklich verdammt gut verkörpert… er gibt ihm Ecken und Kanten, aber er spielt ihn immer irgendwie auch so, dass er einem nie zu unsympathisch wird. Und da liegt vielleicht die Gefahr, dass man meinen könnte, Kubrick verherrlicht hier zu sehr Gewalt und geht gar nicht so sehr auf das Thema des Buches ein, indem es ja auch darum geht, ob es nun besser ist, keinen freien Willen zu haben oder nicht. Das mag vielleicht an einigen Stellen stimmen… gerade der Gefängnispfarrer im Film ist längst nicht so lautstark wie im Buch, aber Kubrick fasst die Kernpunkte des Romans dennoch auch gekonnt in seinen Film.

Kubricks „A Clockwork Orange“ ist ein starker Film, in dem – ganz der Perfektionist, der Kubrick nun mal war – alles wunderbar auf einander aufbaut: Kostüme, Settings, Musik, Darsteller… Kubrick verfilmt einen großartigen Roman, der einem fast die Mühe erspart, ihn zu lesen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (lest trotzdem unbedingt auch mal das Buch!!!)

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