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Superhelden sind Arschlöcher!

19. August 2019

Seth Rogen war für mich nie ein Garant für irgendwas. Bis zu dem Zeitpunkt, als er anfing, Serien zu entwickeln und zu produzieren. Wer diesen Blog verfolgt, dass ich ein großer Fan von seinem „Preacher“ bin und letztens habe ich es endlich mal geschafft, mir auch „Future Man“ anzuschauen – eine Serie, von der ich ebenfalls ziemlich positiv überrascht war. Rogen nimmt in seinen Serien kein Blatt vor den Mund, ist dabei aber doch immer ziemlich clever. Deswegen musste ich auch nicht allzu lange zögern, um mir seine neueste Serie anzuschauen: „The Boys“, die ebenfalls auf einer Comic-Reihe von Garth Ennis basiert, der  uns ja schon die „Preacher“-Reihe beschert hat.

In der Welt von „The Boys“ sind Superhelden auch Superstars. Und Superstars müssen gemanagt werden. Dafür ist Vought Industries steckt, die die Superhelden vermarkten, verkaufen und sich um ihr Image kümmern. Ganz oben stehen „Die Sieben“ – sieben A-Lister der Superhelden-Riege, angeführt vom mächtigen Homelander (Anthony Starr). Doch hinter der Kulisse der Menschen liebenden Helden, die christliche Werte vertreten, stinkt es gewaltig. Der „Aquaman“-Verschnitt The Deep (Chace Crawford) belästigt die junge Starlight (Erin Moriarty) sexuell, kaum ist sie als neues Mitglied der Sieben angekommen. Superhelden sind in dieser Welt Arschlöcher, die einen Dreck darauf geben, was die Normalos machen. Das bekommt auch Hughie (Jack Quaid) zu spüren, als der Speedster A-Train (Jessie T. Usher) „aus Versehen“ seine Freundin tötet… und sich nicht wirklich darum schert. In seiner Trauer wird Hughie von dem mysteriösen Butcher (Karl Urban) angesprochen… Butcher will gegen die Superhelden und Vought vorgehen – zusammen mit Hughie und dem Rest der Boys: Frenchie (Tomer Capon), Mother’s Milk (Laz Alonso) und the Female (Karen Fukuhara).

Wer nach „Endgame“ und über zehn Jahren Marvel Cinematic Universe (so langsam) die Schnauze voll hat von strahlenden Superhelden, der sollte sich definitiv „The Boys“ anschauen. Hier sind Superhelden Arschlöcher, die mal eben Flugzeuge abstürzen lassen, weil es gerade nicht in ihren Plan passt, die Menschen alle zu retten. Seth Rogen reißt mit seinem „The Boys“ die schöne Fassade der Superhelden nieder und offenbart eklige, widerwärtige Supermenschen, die schlimmere Heuchler nicht sein könnten. Es ist widerlich und aufregend zugleich. „The Boys“ lädt förmlich zum Gaffen ein, weil man doch gerade von den Superhelden so ein Verhalten nicht erwartet. Ich meine, Homelander ist eine Mischung aus Superman und Captain America – und selbst der spielt den Leuten nur was vor. Superhelden sind Arschlöcher und „The Boys“ fängt das perfekt ein.

Ähnlich wie schon bei „Preacher“ hält sich die Serie in ihrer ersten Staffel nicht direkt an die Comic-Vorlage. Aber ähnlich wie bei „Preacher“ hat mich das nicht weiter gestört. „The Boys“ wird hier langsam erst aufgebaut. Die Serie kümmert sich (ziemlich gekonnt) erst einmal darum, das ganze Vought Imperium vorzustellen und was es mit den Superhelden anstellt. Wir bekommen also ziemlich schnell ein Gefühl dafür, warum eine Gruppe wie „The Boys“ wichtig ist. Dazu baut die Serie das Rätsel um das geheimnisvolle Compound V gut mit ein… so ist es am Ende nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von den ekligen Sachen, die diese vermeintlichen Superhelden machen, sondern es entwickelt sich eine spannende Verschwörungsstory, bei der es bald auch schon sehr persönlich wird.

Witziger Fun Fact: Hughies Vater wird in der Serie von Simon Pegg gespielt… eine schöne Verneigung vor den Comics, in denen Hughie selbst an Simon Pegg angelehnt ist.

Die Story von „The Boys“ ist wirklich spannend, witzig (auch wenn dieser Humor bitter böse und pechschwarz ist – da wird selbst vor armen Delfinen nicht Halt gemacht) und dramatisch. Die Darsteller sind durch die Bank großartig, aber wer mich wirklich beeindruckt hat, war tatsächlich Homelander-Darsteller Anthony Starr. Wie gekonnt er zwischen diesem arroganten Arschloch, der sich für etwas Besseres hält, und dem verletzlichen kleinen Jungen wechselt, der in Elizabeth Shues Armen Trost sucht, ist unglaublich gut. Aber auch Karl Urban spielt den grobschlächtigen Butcher mit einer feinen Note… und der Sprößling von Meg Ryan und Dennis Quaid, Jack, tappst gekonnt verwirrt durch die ersten paar Folgen, bevor er mit seinen Aufgaben und seinen Erkenntnissen wächst.

„The Boys“ etabliert in Staffel 1 eine packende Verschwörung, großartige Charaktere und lässt uns mit einem Cliffhanger zurück, der noch mehr Lust auf Staffel 2 macht!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Rogen liefert eine neue Super-Serie mit Superhelden, die sogar nicht super sind)

8 Kommentare leave one →
  1. 19. August 2019 08:04

    Freut mich, dass dir die Serie auch so gut gefallen hat. Und ja, das mit Simon Pegg ist wirklich witzig..😁

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2019 13:26

      Die ist schon wirklich super. Und wie gesagt, ich bin auch echt ganz froh, dass sie sich doch von der Vorlage etwas entfernt haben. Zu Beginn fand ich es komisch, aber später hat sich dann alles schön zusammengefügt.

      • 19. August 2019 15:26

        Ich kenne die Vorlage ja nicht, aber ja, hat sich rund angefühlt.

        • donpozuelo permalink*
          19. August 2019 15:46

          Ich muss sogar gestehen, dass ich es in diesem Fall etwas besser finde als die Vorlage.

  2. 29. August 2019 10:46

    Fand die Serie ebenfalls überraschend gut (vor allem sehr hochwertig produziert), aber ganz so begeistert war ich nicht. Für mich war erstaunlicherweise gerade Homelander eine der größeren Schwächen – der war mir in seinem Wechsel aus Arroganz und furchtbarem Mutterkomplex viel zu überzeichnet.

    • donpozuelo permalink*
      29. August 2019 20:18

      Ach, schade… ich fand gerade ihn echt „super“. Aber auch die anderen Helden waren sehr interessant – dieser Aquaman-Verschnitt war der Hammer. Diese Delfin-Szene werde ich nie wieder vergessen…

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