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Russische Sex-Agentin

12. August 2019

Ich muss gestehen, ich kann mir die Faszination, die Menschen mit Jennifer Lawrence haben, nach wie vor nicht so ganz erklären. Was vielleicht auch daran liegt, dass mir ihre Filme nie so besonders zu sagen. Ich kann auch nach wie vor nicht verstehen, warum sie damals für „Silver Linings Playbook“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Sie hat einfach nur „verrückt“ gespielt, aber nicht gut „verrückt“. Da war Bradley Cooper tausendmal besser. Aber gut, Madame Lawrence hat für mich auch irgendwie immer den Gesichtsausdruck von jemandem, dem man gerade den letzten Bagel geklaut hat. Neuestes Beispiel für die herausragende Mimik der Lawrence ist „Red Sparrow“.

Die russische Primaballerina Dominika (Jennifer Lawrence) bekommt die Tonya-Harding-Behandlung einer Mittänzerin und kann daraufhin nicht mehr tanzen. Ihr Onkel Ivan (Matthias Schoenaerts) entschließt daraufhin, dass sie die perfekte Kandidatin für das „Red Sparrows“-Programm ist: Eine Gruppe von jungen Agenten, die darin ausgebildet werden, ihr Ziel zu verführen und zu manipulieren. Ihr erster Auftrag als roter Spatz ist dann der CIA-Agent Nate (Joel Edgerton). Durch ihn soll Dominika einen Maulwurf im Inneren des russischen Geheimdienstes entlarven.

Regisseur Francis Lawrence, der ja trotz des Nachnamens nicht mit Jennifer Lawrence verwandt ist, hat sich einen reichlich merkwürdigen Film ausgesucht, um seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Star fortzuführen. Die beiden arbeiten seit dem zweiten Teil der „Panem“-Reihe zusammen, jetzt sollte es mal was erwachseneres sein. Herausgekommen ist ein äußerst fragwürdiger Film, der irgendwie ein paar Jahre zu spät kommt.

„Red Sparrow“ lässt noch einmal die alten Ängste des Kalten Krieges aufleben. Die Amerikaner haben nach wie vor Angst vor den bösen Russen, und die bösen Russen wollen es dem fiesen kapitalistischen Amerika noch einmal zeigen. Irgendwie eine verkehrte Welt – zumal der Film ja in der Gegenwart spielt, was sich anfangs echt schwer eingrenzen lässt, da alles aussieht, wie zur Zeit des Kalten Kriegs. Lawrence zeichnet ein sehr zurückgebliebenes, dekadentes Bild Russlands. Entweder sind die Setting im übelsten Ostblock-Look oder eben total dekadent. Und wie gesagt, es hätte alles gepasst, wenn der Film einfach gesagt hätte, er würde in den 80er Jahren spielen. Dann hätte ich ihm auch die üblichen Spionage-Klischees alle abgekauft.

So ganz habe ich diesen Film nicht verstanden – sowohl, warum man ihn gemacht hat, als auch von der Story her. Die Story ist bewusst etwas komplizierter verschachtelt erzählt. Was legitim ist, aber „Red Sparrow“ übertreibt es ein wenig mit dem Spion-verrät-Spion-um-Spion-zu-verraten-Schema. Das Ende will uns dann weismachen, dass Dominika die eiskalte, berechnende Super-Spionin ist, die alles von Anfang irgendwie geplant hat, aber das kauft man ihr leider nicht ab. Der Film lebt mit seinen Agenten-Klischees, Überwachungskameras, Folter, Bestechung, blablabla… es passiert nichts, was man nicht schon cooler in jedem anderen Bond-Film gesehen hat. Aber weil eben alles so kompliziert verschachtelt erzählt wird, meint der Film, er wäre intelligent.

Doch eigentlich ist dieser Film nur ein merkwürdiger Jennifer-Lawrence-Rape-and-Revenge-Film, in dem die gepriesene Oscar-Preisträgerin genau einen einzigen Gesichtsausdruck für zweieinhalb Stunden hat (was auch schon eine Leistung ist) und mehr als einmal ihre Brüste zeigen darf. Wow… was für eine schauspielerische Leistung. Sie spielt die russische Agentin so, wie man sich das irgendwann früher mal vorgestellt haben mag, aber sie wirkt mehr wie eine Parodie, die besser zu „Austin Powers“ gepasst hätte. Sie hat keine Höhen und Tiefen und deswegen versucht Francis Lawrence in einer Mischung aus Brutalität und Sex irgendeine Regung hervorzurufen. Was leider nicht funktioniert.

„Red Sparrow“ ist ein überlanges, langweiliges Monster von einem Film, das sich in den ältesten Russland-Klischees suhlt und zu keiner Minute wirklich spannend wird (und ich finde es nach wie vor ein bisschen unheimlich, dass Lawrence Lawrence so oft unbedingt nackt oder halbnackt zeigen muss).

Wertung: 2 von 10 Punkten (lang, länger, langweilig – aber eine Meisterleistung von Lawrence, zweieinhalb Stunden ein und denselben Gesichtsausdruck zu halten)

13 Kommentare leave one →
  1. 12. August 2019 07:59

    Ein absolut verzichtbarer Film…

    • donpozuelo permalink*
      12. August 2019 10:48

      Sehr schön zusammengefasst. Absolut richtig.

  2. 12. August 2019 12:16

    Konnte ich mich nie zu aufraffen, genau, weil er so nach altem Ostblock-Kalter-Kriegs-Nikita Mashup aussah und überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Dazu gekommen ist die schlechte Maske. JL hat ständig diese schlechten Perücken auf. Solche Details nerven mich unendlich :))
    Anna hingegen werde ich irgendwann mal ansehen, da steckt wenigstens Luc Besson drin.

    • donpozuelo permalink*
      12. August 2019 12:39

      Der ist auch wirklich nicht gut…. und das Gleiche gilt leider auch für Anna. Da ist nicht wirklich viel Luc Besson drin. Es gibt genau zwei gute Action Sequenzen, von denen eine schon im Trailer war und der Rest ist langweilig und manchmal echt unfreiwillig komisch.

  3. 14. August 2019 17:23

    Schau bitte „mother!“. Einfach um zu sehen, dass Ms. Lawrence eben doch schauspielern kann.

    • donpozuelo permalink*
      14. August 2019 18:04

      „mother!“ hab ich gesehen, da fand ich sie auch gut. Bin nur allgemein kein großer Fan von dem Film selbst.

  4. 14. August 2019 22:33

    „Sie hat einfach nur „verrückt“ gespielt, aber nicht gut „verrückt“. Da war Bradley Cooper tausendmal besser.“ Word!

    Ich merke zunehmend, dass wir einen sehr ähnlichen Geschmack haben 😉 Ganz so hart habe ich Red Sparrow zwar nicht bewertet, aber die Kritikpunkte sind bei mir nahezu die gleichen. Vor allem die Handlung ist wirklich eine Zumutung. Ich hatte irgendwann echt keine Ahnung mehr, wer was wann und warum gemacht haben will. Ich glaube, das sollte nur die fehlende Substanz kaschieren…

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2019 10:47

      Word! Wir sind Geschmäcker kompatibel 😅 Das merke ich auch immer wieder. Ist ja doch eher selten, dass wir mal nicht einer Meinung sind.

      Und ja, ich glaube auch, dass sie die Story wirklich unnötig kompliziert gemacht haben, um zu vertuschen, dass es eigentlich keine Story gibt 😅

  5. 10. September 2019 20:28

    Jennifer Lawrence … ja, das ist so ein Thema. Ich finde ihre Art sehr erfrischend, wenn sie Interviews gibt und wie sie sich in der Öffentlichkeit verhält. Wobei es manchmal auch ein touch too much ist. Aber was ihr Schauspiel betrifft, bin ich bei dir. Es gibt bisher keinen Film in dem sie mir mit ihrer Leistung besonders aufgefallen wäre. Auch bei mother! und etlichen anderen gab es soviel an den Filmen, das sie überstrahlt hat.
    Red Sparrow habe ich nicht gesehen und plane eigentlich auch nicht das so bald zutun. Aber als ich das erste Mal den Trailer sah, kam mir genau der Gedanke, den du da oben aufgeschrieben hast. Dass der Film irgendwie überflüssig bzw zu spät dran ist. V.A. aber bin ich baff, dass er in der Gegenwart spielt. Denn das ist dann schon fast übertrieben klischeehaft …

    • donpozuelo permalink*
      11. September 2019 07:33

      Danke. Endlich mal jemand, der meine J-Law-Meinung teilt 😅 es ist auf jeden Fall erfrischend, wie sie sich so in der Öffentlichkeit gibt, aber da habe ich mich auch immer gefragt, wie viel davon wirklich echt ist.

      Red Sparrow ist wirklich ein Film, den ich nicht unbedingt weiterempfehlen kann. Da ist einfach zu viel falsch…

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