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Random Sunday #17: Jane Eyre

11. August 2019

Ich werde mit dem Alter mehr und mehr zu einem Fan alter Klassiker. Und mittlerweile traue ich mich – in meinen Augen – auch ein bisschen mehr. Womit wir dann beim Thema „Jane Eyre“ sind. Ich muss gestehen, dass ich lange mit mir gehadert habe, ob ich Charlotte Brontes Klassiker wirklich lesen soll. Ich hatte Angst, das wäre einfach so eine viktorianische Liebesgeschichte, die mich nach 50 Seiten tierisch langweilen würde und die ich dann frustriert bei Seite zu legen. Doch ich dachte mir: „Hey, wenn du schon Tolstois ‚Anna Karenina‘ schon eine Chance gegeben hast, trau dich doch auch mal was.“ Ich weiß, ich weiß, irgendwie ziemlich albern und dumm, aber so war es wirklich. Mittlerweile, muss ich sagen, bin ich heilfroh, dass ich mich „überwunden“ habe. Meine Güte… „Jane Eyre“ ist ja mal wirklich ein absolut großartiger Roman, der mich so sehr gefesselt hat wie schon lange kein Klassiker mehr.

Die junge Jane wächst bei ihrer bösartigen Tante Mrs. Reed auf, wo sie von der Familie ignoriert und vom fiesen John Reed regelrecht gemobbt wird. Weil Jane als „trouble maker“ angesehen wird, schickt man sie schließlich nach Lowood, einem Internat für arme Mädchen. Auch die Schuljahre des jungen Mädchens sind von viel Leid gezeichnet… erst als sie als junge Frau Gouvernante in Thornfield Hall wird, scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Doch Jane hat ein weiteres Problem: Sie verliebt sich in den grummeligen Herrn von Thornfield Hall, Mr. Rochester. Doch diese Beziehung kann nicht sein, ist er doch weit über ihr… und hat zudem noch einige Geheimnisse, die er verzweifelt in seinem Haus zu verbergen versucht.

Ich habe „Jane Eyre“ direkt auf Englisch gelesen… und das hat den Einstieg dann ein klein wenig erschwert. Doch meinem Kindle sei Dank ist das Nachgucken von Begriffen da ja sehr viel leichter als mit einem „normalen“ Buch… weswegen auch der Genuss der Original-Sprache gesichert war.

Sprache… komischerweise ist das irgendwie was, worüber ich beim Lesen nie so genau nachdenke, aber gerade bei „Jane Eyre“ hat mich das doch sehr umgehauen. Gerade die Art und Weise, wie Bronte hier Dinge und Menschen beschreibt, zieht einen unglaublich in den Bann. Sie hat so ein Auge fürs Detail, ist dabei aber nie erschöpfend oder in einer langweiligen Form aufzählend, sondern malt wirklich Bilder, die sich einbrennen.

Abgesehen von der großartigen Nutzung der Sprache liefert „Jane Eyre“ gefühlt ja auch mehrere Romane in einem. Wir haben Jane als eine Art Aschenputtel-Charakter bei Mrs. Reed, die sich lieber in ihren Büchern verstecken würde als sich mit der Realität zu beschäftigen. Anschließend haben wir den Schulroman, in dem die rauen Sitten im Lowood Institut auseinander genommen werden… hier sehen wir dann, wie miserabel es den Armen geht. Thornfield Hall wird dann zum einen eine interessante Klassen-Studie, aber auch ein Grusel-Stück, wenn es um merkwürdige Bewohner des Dachbodens geht und natürlich auch eine Liebesgeschichte.

Charlotte Bronte spielt gekonnt mit verschiedenen Genres, ohne ihre Leser dabei zu überlasten. Eher das Gegenteil ist der Fall… wie schon mit der Sprache gelingt es ihr auch durch die Handlung so einen Sog zu erzeugen, dass man einfach nicht aufhören kann, dieses Buch weiterzulesen. Und mit Jane im Mittelpunkt haben wir immer einen festen Ankerpunkt – da kann es rund herum so viele Veränderungen geben, sie ist immer da. Und für ihre Zeit ist sie ein bemerkenswerter Charakter… Jane geht ihren eigenen Weg und vor allem bleibt sie ihren Prinzipien treu, ohne den Gepflogenheiten der Gesellschaft nachzugeben. Eine kleine Rebellin also, die man einfach feiern muss.

„Jane Eyre“ ist wirklich ein meisterlicher Roman, der wirklich so unglaublich viel zu bieten hat! So viel, dass es sicherlich nicht das letzte Mal gewesen ist, dass ich ihn gelesen habe.

P.S.: Kann jemand eine der zahlreichen Verfilmungen des Romans empfehlen?

9 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2019 13:06

    Ich mag die BBC-Verfilmung mit Ruth Wilson und Toby Stephens am liebsten
    https://www.imdb.com/title/tt0780362/?ref_=nm_flmg_act_25
    Danach kommt dann die mit Samantha Morton und Ciaran Hinds, allerdings habe ich die schon länger nicht gesehen und weiß nicht, wie gut sie gealtert ist
    https://www.imdb.com/title/tt0119404/?ref_=nm_flmg_act_83

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2019 15:33

      Danke für die Tipps. Werde ich mir mal merken.

  2. 11. August 2019 21:47

    Ich mochte die Verfilmung von Cary Joji Fukunaga mit der Wasikowska.
    Natürlich muss ich bei Jane Eyre auch immer an Jasper Ffordes „The Eyre Affair“ denken, Thursday Next erster Fall. Kann ich nur empfehlen, ist aber auch zum Lesen :))

    • donpozuelo permalink*
      11. August 2019 22:17

      Der True Detective Mann hat das verfilmt? Klingt interessant.

      Und auf diese Thursday-Next-Sache bin ich auch gestoßen. Ist das wirklich gut?

      • 11. August 2019 22:54

        Ich liebe Jasper Fforde und bin ein großer Fan der Thursday Next Romane und wer (klassische) Literatur und verrückte Fantasy liebt, wird auch diese Geschichten mögen.

        • donpozuelo permalink*
          11. August 2019 23:04

          Cool. Danke. Dann werde ich mir das mal vornehmen. 😁👍

  3. 9. September 2019 20:11

    Wow, das macht mir direkt Mut den Klassiker auch mal anzugehen. Ich habe mich davor immer etwas gedrückt, weil ich dachte, dass das bestimmt ein ziemlicher Brecher und vielleicht nicht einfach zu lesen wird.
    Daher habe ich auch zuerst zum Film gegriffen. Normalerweise habe ich lieber das Buch zuerst gelesen. Aber die Verfilmung mit Mia Wasikowska mochte ich sehr gern.

    • donpozuelo permalink*
      10. September 2019 15:54

      Den Film mit Mia Wasikowksa habe ich mir schon vorgemerkt.

      Aber das Buch kann ich wirklich nur empfehlen. Sprachlich ist es unglaublich bildhaft… und dann werden viele verschiedene Genres gekonnt vermengt. Das Buch ist wirklich toll!

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