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Stimme Licht

7. August 2019

Ich habe mit Freunden ein etwas merkwürdiges Ritual. Wenn wir ins Kino gehen, gehen wir meistens zu Nachtschlafenden Zeiten ins Kino… und dann noch zu Filmen, von denen keiner von uns so richtig weiß, was uns erwartet. In einigen Fällen (husthustMortalEngineshusthust) führt sowas gerne mal dazu, dass man (sprich: ich) ein kleines Nickerchen einlegt, nur um später festzustellen, dass das gar nicht so schlimm war. Ich bin ja eh ein Fan davon, in Filme zu gehen, von denen ich nicht so viel weiß (was nicht immer einfach ist). Meine eigene kleine Art der Sneak Peek Vorführung, mit dem Unterschied, dass ich den Titel vorher schon kenne. Jetzt haben wir es mal wieder mit etwas versucht, das mich überrascht, aber auch etwas verwirrt zurückgelassen hat: „Vox Lux“ mit Natalie Portman in der Hauptrolle.

Celeste (Raffey Cassidy) überlebt als junges Mädchen einen Amoklauf an ihrer Schule. Ihr Erlebnis verpackt sie in einem Song, woraufhin ein Musik-Manager (Jude Law) auf sie aufmerksam wird. Er macht Celeste zum Star. Jahre später, Celeste (Natalie Portman) ist mittlerweile eine Pop-Ikone, kommt es zu einem weiteren Amoklauf, in dem die Täter Masken tragen, die an Celestes Bühnenmasken erinnern. Dennoch will Celeste den Tour-Auftakt ihres neuen Albums nicht absagen.

 

„Vox Lux“ ist für mich schwer zu greifen, da muss ich jetzt mal ganz ehrlich sein. So richtig habe ich nicht verstanden, was Regisseur Brady Corbet mir mit diesem Film sagen wollte. Auf jeden Fall ist „Vox Lux“ nicht unbedingt das erwartete Musiker-Drama. Den Anfang macht immerhin ein ziemlich blutiges Schulmassaker und Celestes Aufstieg zu Ruhm ist damit vom Blut ihrer Mitschüler befleckt. Sie ist das Mädchen, das dem Tod entgegenblickte und später darüber singen konnte. Das ist ein ziemlich starker Einstieg, der wirklich unerwartet kommt. Wenn man dazu noch Willem Dafoe als nicht ganz greifbaren und stark an Wes Anderson erinnernden Erzähler mitzählt, weiß man nicht so wirklich, in welche Richtung „Vox Lux“ noch gehen wird.

Nach dem starken Anfang wird der Film mit Natalie Portman in der Hauptrolle dann zu einem Blick hinter die Maske einer berühmten Musikerin, die viel zu früh berühmt wurde und nun mit ihrem Image zu kämpfen hat und selbst nicht so ganz weiß, wer sie ist. Das kommt auch stark in der Beziehung zu ihrer Tochter rüber… die übrigens von Raffey Cassidy gespielt, was auch ein wenig verwirrend ist. Die „alte“ Celeste kämpft mit sich selbst… ein schöner Kommentar darüber, wie schwer es doch die Jungstars in jeder Branche haben. Das kennen wir ja von Britney Spears oder Haley Joel Osment oder Drew Barrymore oder oder oder… hier darf Portman auf jeden Fall zeigen, was sie draufhat und sich schauspielerisch ordentlich austoben.

Der letzte Teil ist dann einfach nur Celestes Konzert, in dem Natalie Portman ihre Stimme unter Beweis stellen darf, in dem sie die von Sia geschriebenen Songtexte zum Besten gibt. Da wird „Vox Lux“ dann zum reinen Musikfilm… und dann ist es vorbei.

Irgendwo ist „Vox Lux“ schon ein klassisches Musiker-Drama, das vom Aufstieg eines Künstlers erzählt, doch so konventionell ist der Film dann doch nicht. Viele Dinge überspringt Regisseur Corbet einfach, weil sie für ihn nicht sonderlich wichtig sind (Celestes erste Erfahrung mit Ruhm, Alkohol, Drogen, Sex, etc. wird in einer wilden Montage abgewickelt). Er zeichnet eine Musikerin, die mit sich selbst nicht klar kommt und dann von außen auch noch von Dingen bedrängt wird, die nicht direkt mit ihr etwas zu tun haben. „Vox Lux“ ist interessant, aber manchmal auch etwas anstrengend… eben weil Corbets Erzählweise manchmal sehr krass, sehr überraschend oder auch einfach sehr langatmig wirkt. Er inszeniert sein „Vox Lux“ wie ein Theaterstück, in dem es teilweise recht statisch zugeht. Er schert sich erst gar nicht wirklich um die Musik, sondern um die Frau hinter der Musik… nur um uns dann zwanzig Minuten mit ihrer Pop-Musik zu beschallen. „Vox Lux“ hat irgendwie alles, aber hinterlässt doch einen komischen Nachgeschmack. Sorry… genauer kann ich es leider auch nicht fassen. Es ist ein Film, der die Schattenseiten eines Kinderstars greift und sie mit noch mehr Schatten bestückt. Es ist ein düsterer Film, in dem alle ihre Probleme mit sich tragen, ohne jemals wirklich Hoffnung auf Erlösung zu finden. Es ist ein Film, der anders ist… und auf jeden Fall einen Blick wert.

Wertung: 7 von 10 Punkten (etwas wirres, aber nicht weniger packendes Musik-Drama)

11 Kommentare leave one →
  1. 10. August 2019 17:39

    Und irgendwie ist es ein Film, der hier bei mir gar nicht läuft oder ich ihn bereits verpasst habe… Hmmmmm…

    • donpozuelo permalink*
      10. August 2019 18:03

      Der lief selbst hier in Berlin nur sehr, sehr kurz und zu unmöglichen Zeiten. 😅

      • 11. August 2019 17:36

        Und dabei spielt doch die Natalie mit. Das muss doch als Name reichen…

        • donpozuelo permalink*
          11. August 2019 18:35

          Ich glaube, der reicht schon lange nicht mehr. Was schade ist…

        • 11. August 2019 19:51

          Stimmt schon irgendwie. Sie hat sich in den letzten Jahren rar gemacht in Filmen. Aber die, die raus kamen, waren eigentlich durchweg gut, wenn auch kein Blogbusterkino (Jane Foster zählt nicht).

        • donpozuelo permalink*
          11. August 2019 22:16

          Jane Foster zählt nicht… aber naja… bald kommt sie ja als Female Thor wieder. Dann werden wir sie wohl häufiger sehen.

        • 12. August 2019 21:16

          Sie kommt als Female Thor wieder? Film oder Serie? oO

        • donpozuelo permalink*
          12. August 2019 22:17

          Wenn ich das richtig verstanden habe, soll sie in den Filmen wiederkommen.

        • 12. August 2019 23:19

          Da muss ich mich doch mal schlau machen…

  2. 9. September 2019 19:47

    Hach wie ärgere ich mich, dass der Film bei uns im Kino ausgefallen ist. Keine Ahnung warum, aber alle Spielzeiten verschwanden im Indie-Kino in meiner Stadt einfach aus dem Plan. Dabei bin ich jetzt erst so richtig neugierig. Dass Sia ihre Songs geschrieben hat, macht mich umso neugieriger, weil ich ihre Songs sehr mag. Naja … ich warte ungeduldig auf die DVD.
    Aber ich finde es ganz geschickt, dass du versuchst ins Kino zu gehen ohne zuviel über den Film zu wissen. Denn letzten Endes versauen es einem doch meistens die eigenen Erwartungen.

    • donpozuelo permalink*
      10. September 2019 15:53

      Ja, die Songs sind schon echt verdammt gut. Und wie gesagt, zum Ende kriegst du die am Stück als Konzert-Mitschnitt.

      Das mit den Erwartungen stimmt wirklich. Ich versuche das mittlerweile bei einigen Filmen immer mehr. Klappt zwar nicht immer, aber es ist auf jeden Fall ne gute Sache 🙂

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