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Random Sunday #16: Hellblade – Senua’s Sacrifice

14. Juli 2019

Ich bin ein „Leicht“-Spieler! Ich gebe es hier und jetzt offen zu. Ich spiele auch wegen der Story. Ich will nicht die Frustration haben, ständig draufzugehen (einer von vielen Gründen, warum ich wohl nie „Dark Souls“ spielen werde). Versteht mich nicht falsch, ich fange immer auf „Normal“ an, aber wenn ich merke, ich bin mit dem Schwierigkeitsgrad überfordert, flitze ich ganz schnell in die Optionen und ändere die. Warum ich das jetzt erzähle? Weil ich endlich, endlich, endlich mal dazu gekommen bin, „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ zu spielen… und da breitet sich auf dem Körper von Senua eine schwarze Krankheit aus – jedes Mal, wenn man von Gegnern besiegt wird. Erreicht das Ganze den Kopf ist Ende Gelände. Da ich das nicht wollte, sondern auch was vom Spiel haben wollte, ging ich auf „Leicht“. Was ausreichend war, denn „Hellblade“ ist auch ohne den Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung…

Die junge Kriegerin Senua reist nach Helheim, um dort die Göttin des Todes Hela dazu zu bringen, ihren Geliebten Dillion wieder zum Leben zu erwecken. Der wurde beim Angriff von Nordmännern auf Senuas Stamm getötet. Senua selbst ist aber keine gewöhnliche Kriegerin. Sie galt in ihrem Dorf als „verflucht“. Schon ihre Mutter hörte Stimmen und auch ihre Tochter wird von denen heimgesucht. Mit ihrer Reise durch Helheim versucht Senua nicht nur Dillion zu retten, sondern muss sich auch ihren eigenen Dämonen stellen…

„Hellblade“ empfiehlt zu Beginn des Spiels, man solle das Ganze doch bitte mit Kopfhörern spielen, um den Surround Sound voll auszunutzen. Habe ich gemacht… und es hat mich beinah selbst verrückt gemacht. Vier Psychologen haben den Spielemachern von Ninja Theory nämlich dabei geholfen, Senuas Fluch spielerisch einzufangen. Und meine Güte, das gelingt ihnen so gut, dass dieses Spiel eine der nervenaufreibendsten Spieleerfahrungen gewesen ist, die ich je hatte.

Es fängt schon damit an, dass man die Stimmen in Senuas Kopf ständig hört. Die schreien wild durcheinander, sind konstant am Plappern und lassen einem kaum Zeit, mal in Ruhe selbst nachdenken zu können. Hin und wieder sind sie im Kampf zwar hilfreich, weil sie einem Anweisungen geben… aber ansonsten sind sie eine Katastrophe. Jeden Zweifel, den Senua hat, sprechen die Furien in ihrem Kopf laut aus. So wird man ständig runtergemacht, man würde dies oder das nicht schaffen; man solle doch lieber gleich aufgeben. Diese konstante Beschallung allein ist schon anstrengend, aber was Ninja Theory dann noch liefert, sind einige der gruseligsten Erlebnisse, die ich je in einem Spiel hatte. Man spürt zu jeder Zeit Senuas Angst und sie wird zur eigenen Angst, wenn man sich wundert und fragt, was wohl als nächstes kommen wird.

Wie gesagt, „Hellblade“ ist auch ein sehr metaphorisches Spiel. Prüfungen, die Senua beispielsweise durchlaufen muss, um ein Schwert von Odin zu bekommen, sind am Ende Bewältigungsversuche ihrer eigenen Vergangenheit. Über die Zeit entschlüsselt man, wie mit Senua umgegangen wurde. Ihr Fluch machte sie zur Außenseiterin, zum Sündenbock, zu einem ungeliebten Wesen, das weggesperrt gehörte. In dieser Dunkelheit und Einsamkeit entfaltete sich ihr „Fluch“… und wir als Spieler müssen das noch einmal mit ihr durchleben.

Es gibt ein Level, in dem man sich nur nach dem Klang orientieren muss, weil man sonst kaum was sehen kann… doch in dieser Dunkelheit lauern merkwürdige Monster. In einem anderen Level wird man von einem Monster in der Dunkelheit verfolgt und muss sich mühsam von einem kleinen Lichtfleck zum nächsten bewegen. Wir müssen uns immer wieder auch auf die Suche nach merkwürdigen Runen machen, die Senua Tore öffnen lassen. In einem anderen Level springen wir von einer kaputten in eine heile Welt und jagen dabei immer wieder Dillions Geist. So zerrüttet wie Senua durch ihren vermeintlichen Fluch ist, so zerrüttet und anstrengend sind auch die Level. Dabei trifft man hier und da auch immer wieder auf Gegner, die im Schwertkampf besiegt werden müssen… aber am Ende war das nie so wirklich das Anstrengendste (zumal ich ja auch auf „Leicht“ gespielt habe). Vielmehr ist es alles andere… die Level-Designs sind fordernd, Senuas Wahnvorstellungen gruseln einen manchmal echt halb zu Tode und das Sounddesign ist einfach mal unheimlich-großartig.

„Hellblade: Senua’s Sacrifice“ ist ein kleines, aber feines Spiel. Man hat es sehr schnell durch, was aber auch daran liegt, dass man den Controller einfach nicht weglegen kann. Ja, das Spiel war körperlich und geistig schon echt anstrengend, aber man will auch einfach wissen, wie es weitergeht. Man ist irgendwann so involviert in Senua, das man ihr einfach helfen will… sie ein Stück weiterbringen will, um Dillion doch noch zu retten.

Dieses Spiel fordert seinen Spieler extrem, gibt aber auch so unglaublich viel zurück. Zumal ich hier auch mehr über nordische Sagen gelernt habe als zum Beispiel zuletzt bei „God of War“. Unbedingte Spieleempfehlung (und unbedingt mit Kopfhörern, damit ihr die Stimmen im Kopf auch perfekt spüren könnt).

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