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TGIF XXV: Rolands Echse

12. Juli 2019

Habt ihr wirklich gedacht, nur weil ich endlich „Godzilla 2: King of the Monsters“ gesehen habe, wäre das Abenteuer Kaiju hier schon vorbei? Pustekuchen… immerhin habe ich noch vier Filme übrig. Es wartet ja nach wie vor die animierte Netflix-Trilogie auf mich… und tja, heute widmen wir uns einem Schandfleck in Godzillas Filmografie, der selbst einige der schlechteren Filme der Reihe noch gut aussehen lässt. Wie die Überschrift schon vermuten lässt, geht es mir heute um „Godzilla“ von Roland Emmerich.

Durch die Atombombentests der Franzosen im Pazifischen Ozean mutiert eine Echse zu einem riesigen Monster. Dieses Monster stampft nun fröhlich Richtung New York, um hier eine Menge Eier zu legen. Nick Tatopoulos (Matthew Broderick) studierte in Tschernobyl mutierte Regenwürmer und wird deswegen vom Militär als Experte hinzugezogen. Doch auch der französische Geheimagent Philippe (Jean Reno) versucht, Godzilla unschädlich zu machen.

Mit „Godzilla vs. Destoroyah“ endete 1995 die Heisei-Periode. Diese Pause nutzte Hollywood aus, um Toho (wie auch immer) davon zu überzeugen, es wäre eine gute Idee, eine US-Version von Godzilla auf die Leinwand zu bringen. Roland Emmerich sollte das drehen, weil er zu dem Zeitpunkt ja eigentlich der Großmeister in Sachen „Städtezerstörung“ war. Sein „Independence Day“ hatte das eindeutig klargemacht. Leider ist Rolands Echse eine absolute Katastrophe… das geht dann soweit, dass Toho nur ein Jahr später mit „Godzilla 2000“ das Monster wieder aufleben ließ – zwar nicht besonders gut, aber mit mehr Herz als Emmerich. In „Godzilla: Final Wars“ rächen sich die Japaner dann ja endgültig und lassen den originalen Godzilla gegen Zilla antreten. Der putzt das Viech dann in fünf Minuten von der Erdoberfläche. Der Name Zilla für Emmerichs Echse stammt daher, weil Toho so enttäuscht war und meinte, Emmerich hätte das „God“ aus „Godzilla“ genommen.

Was leider nur zu wahr ist… Godzilla ist in diesem Film wirklich nicht mehr als ein mutiertes Monster. Es hat in diesem Sinne keine Seele und ist einfach nur eine Fressmaschine, die nichts anderes vorhat, als sich fortzupflanzen. Godzilla steht in diesem Film für nichts… und interessanterweise ist Godzilla in Emmerichs Version nicht einmal ansatzweise so zerstörerische wie sonst. Das Tier nimmt brav die Straßen von New York statt sich einfach durch die Gebäude zu boxen. Da ist das Militär dümmer und macht sehr viel mehr kaputt.

Das neue Design sieht einfach nur scheiße aus und ist wirklich nicht schön anzusehen. CGI halt. Computer-Effekte können einen schwitzenden Mann in einem 100kg Anzug eben nicht ersetzen. Dazu kommen dann irgendwann noch die Baby-Godzillas… und seit „Son of Godzilla“ wissen wir nun wirklich, dass Jungtiere noch nie gut für dieses Franchise waren.

Große Zerstörungen können wir hier also nicht erwarten… und dazu versteckt Emmerich die meiste Zeit seines 2-Stunden-Films sein Monster in der Kanalisation (!!!) von New York. Sprich, wir werden dazu gezwungen, uns mit den langweiligen Charakteren auseinander zu setzen… und die wissen alle nicht, ob sie in einem seriösen Film sind oder doch eher in einer Komödie. Matthew Broderick passt einfach mal überhaupt nicht in den Film und wird auch irgendwie nie gefordert, zu schauspielern. Der rennt einfach nur durch die Gegend und liefert seine Sätze ziemlich müde und ausdruckslos ab. Wie alle anderen auch… aber am schlimmsten trifft es Jean Reno. Was bitte ist passiert, dass er DIESE Rolle angenommen hat? Unglaublich öde, was der Franzose da von sich gibt… aber gut, was ich noch viel weniger als das glauben kann, ist die Tatsache, dass Led Zeppelin ausgerechnet für diesen Film zugestimmt haben, ihren großartigen Song „Kashmir“ durch Puff Daddy verhunzen zu lassen.

Emmerichs „Godzilla“ ist leider Gottes 2 Stunden Langeweile pur. Er verhunzt das Monster selbst, er verhunzt den Spaß an Kaiju-Zerstörungen und quält uns mit billigen und schlechten Witzen und Schauspielern, die sichtlich keine Lust haben. Gut, dass die geplante Trilogie (!) schnell wieder verbannt wurde und sich Toho danach erst einmal wieder selbst um Japans Riesenechse kümmerte.

Wertung: 2 von 10 Punkten (Emmerich tötet Godzilla… und alle Fans weinen)

P.S.: Als der Film damals in die Kinos kam, war ich 15 – und war schwer begeistert. Schon erstaunlich, wie sich der Geschmack in 21 Jahren ändern kann 😀

17 Kommentare leave one →
  1. 12. Juli 2019 08:01

    Ich mochte den Film damals im Kino auch ganz gerne. Müsste ich mal wieder schauen, um zu testen, wie sich mein Geschmack verändert hat.

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2019 10:00

      Ich hatte ihn auch ziemlich gut in Erinnerung. Aber die Realität sieht dann doch ganz anders aus 🤣

    • 15. Juli 2019 11:37

      Ging mir auch so 🙂

  2. 12. Juli 2019 17:59

    Ich finde den Film super, das ist das, was Amis eben 1998 mit einem Franchise wie Godzilla machen würden. Seh den Film immer sehr gerne, weil er viel Spaß bereitet.

    Zumal ich nicht sagen würde, dass Godzilla für nichts steht, nur weil du es nicht siehst. Der Film wird ja mit Nukleartests eingeleitet, die dann den Iguana mutieren lassen. Insofern ist Godzilla quasi für die USA „die Geister, die ich rief“, da es ja sie waren, welche Nuklearwaffen als erste kriegerisch einsetzten und nun drohen, die Zeche dafür zu zahlen (so wie Godzilla im Original eine Repräsentation der Zerstörung für die Japaner war, die durch die Nuklearbombe stattgefunden hat).

    Jean Reno wird die Rolle vermutlich angenommen haben, weil es die 2. männliche Hauptrolle in einem Hollywood-Blockbuster war, vom Regisseur von Independence Day, seiner Zeit der erfolgreichste Film aller Zeiten. Zuvor spielte Reno in franz. Filmen und hatte eine Nebenrolle in Mission: Impossible. Er war jetzt weder ein A-Star noch der Schauspielkönig aus dem Arthouse-Kino. Hinterher sagt sich natürlich leicht „warum hat er sich dafür hergegeben“ – wäre Independence Day gefloppt könnte man das auch zu Jeff Goldblum sagen. Ich finde nicht, dass Reno hier groß aus der Rolle seiner anderen US-Filme fällt, mit seinem etwas müden Augen.

    Godzilla ist im Original übrigens auch nicht nonstop durchs Bild gelaufen, Filme wie Shin Godzilla fokussieren sich auch eher die die menschlichen Figuren. Gerade bei Emmerichs Godzilla habe ich seit jeher das Gefühl, dass haters gonna hate, aber für die gibt es ja den MCU-Quatsch, wo dauernd etwas explodiert, damit keine Langeweile aufkommt 🙂

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2019 20:24

      Ich habe jetzt 24 Filme gesehen. Mir ist also durchaus bewusst, dass Godzilla nicht immer durchs Bild gelaufen ist. Und ich habe mich durch viele Filme geschaut. Als hater würde ich mich also nun wirklich nicht bezeichnen. Aber Emmerichs Version war mir einfach nichts…

      Das war einfach etwas lieblos.

  3. 12. Juli 2019 19:47

    Nee, da bin ich ganz deiner Meinung. Das war nichts. Nach all dem Hype, der da im Vorwege lief (Story, Aussehen des Monsters, kommt auch der klassische Godzilla Schrei? etc.) war meine Enttäuschung auch riesengroß. Da hätte man mehr draus machen können. Allerdings was das Thema bei Emmerich wohl nicht in den richtigen Händen.

    • donpozuelo permalink*
      12. Juli 2019 20:28

      Selbst die Macher des Films haben sich ja am Ende doch sehr vom Film distanziert… und ich meine gelesen zu haben, dass Emmerich sich selbst nicht als den größten Fan von Godzilla bezeichnet hat. Naja… es gibt ja zum Glück noch andere gute Godzilla Filme.

  4. 13. Juli 2019 16:29

    Den müsste ich wahrscheinlich auch nochmal sehen – war damals auch ziemlich angetan und reichlich verwirrt, dass er bei allen als Vollkatastrophe wahrgenommen wird ^^‘ Ist aber auch schon ewig her, 15 Jahre Minimum. Da hatte ich auch noch echt Schiss.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2019 18:21

      Ging mir genau so. Damals mit 15 fand ich den super. Aber jetzt wirkt der doch nicht mehr so… 🤣

  5. 15. Juli 2019 11:41

    Dieser ist Film ist nach wie vor einer von vier (!) Filmen, in denen ich doppelt im Kino war. Allerdings eher unfreiwillig. Erst war ich mit meiner Mutter drin. Dann war ich wenige Tage später auf einem Geburtstag einer Freundin, die in eben diesen Film eingeladen hat. Ich hatte trotzdem nicht gelangweilt. 😉 Kann aber gut sein, dass ich das heute auch anders sehen würde.

    • donpozuelo permalink*
      15. Juli 2019 13:03

      Ja… Schau ihn dir nochmal an. Würde mich echt interessieren, ob du ihn jetzt noch einmal doppelt sehen würdest.

  6. 24. Juli 2019 07:31

    Bei diesem Film ist der Soundtrack noch bei weitem das beste. Selbst die Puff Daddy Version. 😉

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2019 12:15

      Ich finde es nach wie vor krass, dass Led Zeppelin das mit sich hat machen lassen. Die sind doch sonst immer so vorsichtig, was die Vergabe ihrer Songs angeht…

      • 11. August 2019 17:17

        Naja, ich fand die Version damals eigentlich ziemlich gelungen. Und Puff Daddy war ja der Garant für Verkäufe und hat so sicher auch neue Hörer für die alten Led Zeppelin erschlossen.

Trackbacks

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