Zum Inhalt springen

TGIF XXIII: Godzilla vs. Politiker

28. Juni 2019

Verschwörungstheoretiker dürfen jetzt einmal kurz aufschreien. Meine 23. Godzilla-Review gehört dem letzten Film der Toho-Reihe „Shin Godzilla“. Ja, ich habe Godzilla nun endlich zu Fall gebracht. Was natürlich nicht stimmt, aber man könnte es so interpretieren, wenn man Langeweile hätte und / oder die Hitze einem das Gehirn ein wenig zu stark durchgebraten hat. Tatsächlich ist aber „Shin Godzilla“ der vorerst letzte Real-Film zu „Godzilla“ von den Toho-Studios, da die einen Deal mit Hollywood haben und erst nach „Godzilla vs. Kong“ wieder einen „echten“ Godzilla-Film machen dürfen. Hoffen wir mal, dass da auch noch was kommt. „Shin Godzilla“ ist aber erst einmal wirklich der eigentlich letzte richtige Film… und gleichzeitig mal wieder der Versuch, der Riesenechse einen Neuanfang zu schenken.

In der Bucht von Tokyo kommt es scheinbar zu einem Vulkanausbrauch – zumindest hätte die japanische Regierung das gerne. Leider stellt sich heraus, dass kein Vulkan verantwortlich für das Chaos gewesen ist, sondern ein riesiges Tier. Ein Tier, das sich erst nur im Wasser bewegt, dann auf einmal auch an Land laufen kann und sich dort sogar noch umwandelt. Verzweifelt versucht die Regierung einen Weg zu finden, wie man mit dem Wesen umgehen soll: studieren, verjagen oder töten! Doch dann durchläuft das Wesen eine weitere Metamorphose und brennt einen kompletten Stadtteil ab. Nun ist klar, dass dieses Ungeheuer vernichtet werden muss.

Zwölf Jahre nach „Godzilla: Final Wars“ taucht die Riesenechse unter der Regie von „Neon Genesis Evangelion“-Regisseur Hideaki Anno wieder auf. Alles ist neu, alles ist anders. Diese Veränderungen sind zum Teil sehr, sehr gut, zum Teil aber leider auch sehr, sehr öde. Fangen wir mal mit dem Schlechten an:

Hideaki Anno ballert uns förmlich zu mit Charakteren. Wir lernen jeden kleinen Minister und Berater der Regierung kennen und verlieren uns schon bald in einem Meer aus Namen und Gesichtern, die man sich aufschreiben müsste, um sie alle im Kopf zu behalten. Anfangs ist das sogar noch recht witzig, wirkt das Ganze doch wie eine Politsatire. Jeder will einen Vorschlag machen, jeder hat eine Idee, aber auf einen Punkt kommen diese Menschen nicht. Hier wird stundenlang geredet, während auf den Straßen ein Ungeheuer wütet. Niemand will wirklich eine Entscheidung treffen, niemand kann wirklich eine Entscheidung treffen und so versinkt die Regierung im Chaos von tausend Meinungen.

Es ist ein realistischer Blick auf Krisensitzungen, die uns Hideaki Anno in „Shin Godzilla“ hier liefert… nur leider füllt das die meiste Zeit des Films. Der ist genau zwei Stunden lang und etwa anderthalb Stunden davon sind mit unendlichen Diskussionen von Politikern und Experten gefüllt. Da füllt sich „Shin Godzilla“ dann leider so gar nicht wie ein Kaiju-Film an, sondern eher wie ein Politdrama… was ja eine nette Idee sein mag, nur sind die Dialoge einfach echt öde und die Darsteller längst nicht stark genug, um das viele Gerede auch nur ansatzweise interessant zu machen.

So wartet man dann bei „Shin Godzilla“ teils schon recht verzweifelt auf die wenigen verstreuten Momente mit Godzilla. Die entschädigen dann aber umso mehr. Version Nr. 1 von Godzilla in diesem Film sieht ziemlich fies und eklig aus. Das Ding kann noch nicht aufrecht stehen und kriecht dabei mit diesen riesigen Augen und diesem Monster-Grinsen, das an die Titanen aus „Attack on Titan“ erinnert, durch die Gegend. Das allein ist schon großartig. Wenn Godzilla dann aber wirklich zu Godzilla wird, ist das Vieh nicht weniger unheimlich. Allein das Maul mit den Zähnen ist schon ein wenig widerlich. Dazu kommt aber noch eine Macht, die kein bisheriger Godzilla hatte. Hier wird Feuer gebrüllt, hier werden Disco-Kugel-artig Energie-Strahlen selbst aus dem Stachelrücken geschossen und wenn Godzilla seinen berühmten Atom-Strahl abfeuert, öffnet sich sein Maul wie beim Demigorgon aus „Stranger Things“. Hideaki Anno liefert eine grandiose Neuinterpretation des Monsters, das in seiner Zerstörungswut wahrhaft furchteinflößend wirkt. Damit kennt sich Anno ja aus… einige der Großaufnahmen erinnern wirklich an die Engel aus „NGE“. Wenn das Ganze dann noch mit der Musik aus dem Original-Film versehen wird, sorgt „Shin Godzilla“ in all seiner Monstergewalt für Gänsehaut pur.

„Shin Godzilla“ ist ein guter Film, der sich nur leider zu sehr in seinen politischen Debatten verliert. Aber für die Kämpfe Mensch vs. Godzilla und die Neuinterpretation des Monsters lohnt sich der Film allemal… zumal er uns auch mit einem fiesen Cliffhanger zurücklässt, der vielleicht irgendwann mal wieder aufgenommen wird.

Wertung: 6 von 10 Punkten (großartiger Godzilla, der gute Action liefert, aber bei all den Diskussionen um ihn etwas untergeht)

5 Kommentare leave one →
  1. 28. Juni 2019 09:30

    Ich war auch sehr enttäuscht, und das als alter Gojira Fan. Das schlimme ist, ich weiß genau, was der Film bezwecken sollte, die Darstellung des trägen, handlungsunfähigen japanischen Staats- und Beamtenapparates. Aber die Story so dröge wie das Beamtentum zu machen, war halt keine so gute Idee.

    Godzilla ist ja quasi ab Geburt politisch. Der allererste Film war eine Parabel über das atomare Trauma des zweiten Weltkriegs. Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (was für ein Titel 🙄) behandelte die drohende ökologische Krise durch Wohlstandsmüll und Luftverschmutzung, und war trotzdem enorm spannend und unterhaltsam. Gott, ich hab den damals im Kino gesehen, ich bin alt, alt, alt!

    • donpozuelo permalink*
      28. Juni 2019 12:59

      Ja. Dass der Film die Trägheit des Systems in einer Krisensituation zeigen wollte, kommt schon deutlich rüber… es ist nur halt filmisch und erzählerisch eine Katastrophe. Das haben sie damals 1954 so sehr viel besser hinbekommen, Godzilla auch politisch sein zu lassen.

Trackbacks

  1. TGIF XXIV: Heiliger Gott-Zilla | Going To The Movies
  2. TGIF XXVI: Weltenzerstörer | Going To The Movies
  3. TGIF XXVII: Mechagodzilla-City | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: