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Cello-Rivalinnen

3. Juni 2019

Ich wünsche mir mittlerweile, dass ich früher ein Instrument gelernt hätte. Aber über die Blockflöte im Schulunterricht bin ich nie gekommen… und die habe ich gehasst. Genau wie Notenlesen und was nicht alles. Mittlerweile steht zwar bei mir auch eine Gitarre, aber begonnen habe ich damit noch nicht. Dennoch will ich sie irgendwann soweit meistern, dass ich zumindest ein paar Klänge darauf zupfen kann. Um Perfektion beim Spielen eines Instruments geht es auch im neuesten Netflix-Horror-Film (der aber kein Netflix-Original ist, nur um das zu sagen… denn wir wissen ja alle, dass Netflix-Original-Filme in den seltensten Fällen was taugen).

In „The Perfection“ lernen wir Charlotte (Allison Williams) kennen. Sie war einst ein Cello-Wunderkind, das an der renommierten Musik-Schule von Anton Bachoff (Steven Weber) lernte. Doch als sie 14 Jahre alt ist, wird ihre Mutter schwer krank und Charlotte kümmert sich von nun an um sie. Jahre später trifft Charlotte in Shanghai, nach dem Tod ihrer Mutter, auf ihren alten Lehrer und sein neuestes Wunderkind, die Cellistin Elizabeth (Logan Browning). Die beiden freunden sich an, werden sogar Liebhaber… doch dann geht alles auf einmal den Bach runter.

Ich halte mich da jetzt mal etwas bedeckt über die Story zu „The Perfection“, denn zu viel würde wirklich den Film kaputt machen. Sagen wir es mal vielleicht so, dieser Film wirkt wie eine kranke Mischung aus „Black Swan“ und „Whiplash“. Das deckt aber letztendlich nur die Rivalität zwischen zwei Musikerinnen ab und einen Lehrer, der seine Schüler zur Perfektion bringt – koste es, was es wolle. Selbst das kratzt noch arg an der Oberfläche, schlägt „The Perfection“ doch Haken wie ein gejagter Hase. Immer wieder führt uns der Film an der Nase herum, erzählt eine Geschichte, nur um uns dann an einen bestimmten Punkt zurückzuführen, wodurch das zuvor Erzählte in einem ganz anderen Licht steht. Man darf in diesem Film nichts für bare Münze nehmen, sondern alles hinterfragen. Denn was uns der Film zeigt, ist nie die Wahrheit. Die bekommen wir erst nachgeliefert.

Die Erzählstruktur, die Regisseur Richard Shepard wählt, sorgt dafür, dass sich ein Spannungssog aufbaut, dem man nicht entkommen kann. Man will wissen, was hier los ist. Will wissen, was das alles zu bedeuten hat… und gleichzeitig kommt aber auch ein Punkt in „The Perfection“, wo man nicht wirklich weiß, ob man das überhaupt sehen will. Dabei ist „The Perfection“ jetzt kein explizit brutaler Film – auch wenn es hier und da ordentlich zur Sache geht. Es sind am Ende viel mehr die kurzen Andeutungen, die dem Ganzen einen ziemlich bitteren Nachgeschmack verleihen. Und wenn aus den Andeutungen Wahrheiten werden, schaudert es einen schon. „The Perfection“ ist heftig und schwer verdaulich, das muss man einfach sagen. Sicherlich kein Film für jeden… aber doch irgendwie sehenswert.

Allison Williams, die die meisten aus „Get Out“ kennen dürften, und Logan Browning liefern tolle Performances ab und überzeugen in ihren Rollen. Steven Weber ist als Musik-Fanatiker und Lehrer eine Präsenz, die Eindruck macht, die man aber gleichzeitig nie so ganz einordnen kann (bis halt dieser eine Punkt im Film kommt, wo man es dann sehr, sehr eindeutig kann).

„The Perfection“ ist, das muss ich noch einmal sagen, nicht für jeden. Der Film ist heftig… und das auf ziemlich vielen Ebenen. Es geht ordentlich brutal zur Sache, es geht auch an sich ganz schön an die Materie, wenn sich alle Fragen am Ende beantworten. Natürlich gibt es hier und da Dinge, wo man sich denkt: „Okay, das hätte man auch weniger optisch gestalten können!“. Aber am Ende gehe ich einfach mal davon aus, dass Regisseur Shepard genau das wollte: Einen Film drehen, der stylish aussieht und einen gleichzeitig nervlich ganz schön mitnimmt. Wenn das das Ziel war… Glückwunsch, Mission accomplished!

Wertung: 8 von 10 Punkten (kranker, kranker Scheiß, aber doch auch sehenswert)

4 Kommentare leave one →
  1. 3. Juni 2019 16:18

    Oh, den hatte ich erst in der engeren Auswahl, aber ich konnte mir nix drunter vorstellen und habs gelassen 🙂
    Na dann werde ich ihm mal ne Chance geben!

    • donpozuelo permalink*
      3. Juni 2019 17:45

      Ja, doch. Den kann man sich mal geben. Bin gespannt, ob er dir gefällt.

  2. 8. Juni 2019 19:15

    Das mit der Mischung aus Black Swan und Whiplash trifft es echt gut! Ich fand den Film selbst aber leider nur mittelmäßig, eben auch, weil er gleich zweimal dieses Mittel des Zurückspulens nutzt und mir damit sagt „He he, ich hab dich an der Nase herumgeführt“. Das wirkt dann doch reichlich erzwungen. Habe ihn trotzdem mit Freunde und Schauer zu Ende geschaut 🙂

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2019 21:46

      Ja. Das mit dem Zurückspulen war vielleicht wirklich nicht so clever eingesetzt. Aber gut… es hat mich jetzt auch nicht so sehr gestört.

      War auf jeden Fall mal wieder ein kleiner, heftiger Film.

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