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Der schmuggelnde Gringo

20. Mai 2019

Pablo Escobar hat echt einen Lauf. Einst war er Kolumbiens größter Drogenbaron, jetzt ist er Kolumbiens größter Star. „Narcos“ hat damit angefangen, den rundlichen Kriminellen zu einer Berühmtheit zu machen, der man sogar etwas Gutes abgewinnen kann. Immerhin hat sich Pablo sehr für seine Gemeinde eingesetzt… so ein bisschen wie ein moderner Robin Hood, der dem organisierten Verbrechen angehörte und Menschen umbrachte. Yeah, Pablo!!! Hollywood findet ja immer wieder Gefallen an solch ambivalenten Schurken und so taucht Pablo seit dem Erfolg von „Narcos“ in zahlreichen Serien und Filmen wieder auf. Auch Tom Cruise wollte sich das nicht entgehen lassen, hat aber zumindest eingesehen, dass er vielleicht nicht unbedingt Escobar selbst spielen sollte. Deswegen spielt er in Doug Limans Film lieber den amerikanischen Piloten, der für Pablo Escobar Drogen in die USA schmuggelte: „Barry Seal“

Ende der 70er Jahre: Barry Seal (Cruise) ist Pilot, als er vom CIA-Agenten Monty Schafer (Domnhall Gleeson) gefragt wird, für ihn Erkundungsflüge in Mittelamerika zu fliegen. Seal willigt ein und wird Bestandteil der amerikanischen Politik, die versucht, sich in die Machenschaften in Mittelamerika einzumischen. Dabei gerät Barry irgendwann auch an das Medellin-Drogenkartell und trifft so auch Pablo Escobar (Mauricio Mejia). Für den fliegt Barry dann Drogen nach Amerika und verdient einen Haufen Kohle, während er nebenbei weiterhin vorgibt, für den amerikanischen Geheimdienst zu arbeiten. Doch irgendwann lässt sich beides nicht mehr wirklich mit einander verbinden und Barry gerät in arge Schwierigkeiten.

Am Anfang von „Barry Seal“ stehen wieder diese magischen Worte: „Based on a true story“. Und wenn sich der ein oder andere „Narcos“-Fan erinnert, wird Barry Seal dort mal einmal kurz erwähnt. Eine Internet-Recherche offenbart dann ziemlich schnell, dass Seal „the real deal“ war, der sich wirklich durch Schmuggel ein goldenes Näschen verdiente und nebenbei angab, für die USA zu arbeiten. Seine Geschichte ist schon verdammt spannend und auch  unglaublich… leider kommt das in dem Film nie so wirklich rüber.

Doug Liman fehlt für diese Story der Pfiff. Er hakt einfach fröhlich jedes Detail aus Barrys Leben ab, ohne dabei wirklich in die Tiefe zu gehen. Warum ausgerechnet Barry Seal vom CIA angeheuert wird, keine Ahnung. Warum es dieser Gringo wirklich geschafft hat, sich bei den Drogenbossen so einschleimen zu können, keinen Schimmer. Der Film suggeriert uns, dass es wohl an dem unglaublichen Charme von Tom Cruise liegen muss, der hier locker lässig durch den Film streift, aber nie richtig gefordert wird.

„Barry Seal“ weiß nie so wirklich, ob er nun Action-Film, Biopic oder Charakter-Drama sein möchte. Man hat das Gefühl, dass sich Doug Liman ein bisschen „GoodFellas“, ein bisschen „Casino“ und ein bisschen „Donnie Brasco“ angeguckt hat und daraus dann diesen Film geschustert hat. Cruises Voice-Over passt nie so wirklich in den Kontext, das einfache Abklappern von Seals einzelnen Stationen bleibt ohne große Überraschungen oder Ereignisse. Irgendwie bekommt man nie auch mal nur ein bisschen Angst um Seal, es fehlt einem einfach die Identifikation mit diesem Typen. Denn statt sich mit dem Charakter Seal zu beschäftigen, läuft man hier einfach nur seine „coolen“ Aktionen ab.

Es kommt leider erschwerend dazu, dass sich Liman nicht an die Tom-Cruise-Film-Regeln hält… und damit ist der Film dann auch zwangsläufig zum Scheitern verurteilt: 1) Tom Cruise MUSS in seinen Filmen rennen. Das ist Gesetz! 2) Tom Cruise MUSS in seinen Filmen ein Motorrad fahren. Auch das ist ein Gesetz! Beide Punkte untersagt Liman seinem Hauptdarsteller, der somit gar nicht richtig zeigen kann, was er alles drauf hat. Aber mal im Ernst: Cruise kommt nicht wirklich zur Geltung in diesem Film, der nett ist, aber so viel mehr hätte sein können… wenn man sich mal irgendwie mehr auf Barry konzentriert hätte.

So ist das Ganze zwar schön in Szene gesetzt, aber den Charakter Barry Seal hat Liman damit nicht wirklich gut erforscht. Was schade ist, hat er doch eine unglaubliche Geschichte vorzuweisen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (kein Rennen, kein Motorrad, kein richtiger Cruise-Film!!!)

2 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2019 22:01

    Och, den mochte ich richtig gerne.

    • donpozuelo permalink*
      21. Mai 2019 09:16

      Ich fand ihn okay. Man hätte einfach ein bisschen mehr draus machen können.

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