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Liebeskummer auf Hawaii

15. Mai 2019

Ich muss mal wieder zu einem leidigen Thema kommen, dass mich doch nie wirklich loslässt. Warum versauen sich deutscher Verleiher ihre eigenen Filme mit furchtbaren Titeln für den deutsch-sprachigen Raum? Seit ich zuhause liege und Schmerzen leide (ja, ich reite das Thema aus, um euer Mitleid zu erhaschen 😉), bin ich eher auf dem Trip, mir RomComs anzuschauen. „Notting Hill“ hat den Anfang gemacht… und dann habe ich mich auf „Forgetting Sarah Marshall“ gestürzt. Dieser Film leidet unter dem Furchtbaren-Deutschen-Filmtitel-Syndrom… und muss sich bei uns mit „Nie wieder Sex mit der Ex“ herumschlagen. Ganz ehrlich, der Titel klingt scheiße. Dieser Titel suggeriert so „American Pie“-Niveau, wo es am Ende nur um Sex geht. „Forgetting Sarah Marshall“ hat einen etwas schöneren Klang… und das zurecht, denn hinter diesem Titel steckt tatsächlich auch ein verdammt guter Film.

Komponist Peter (Jason Segel) ist seit fünf Jahren mit der erfolgreichen Serien-Darstellerin Sarah Marshall (Kristen Bell) zusammen. Doch dann, eines Tages, macht sie Schluss mit ihm und stürzt Peter in ein tiefes Loch der Verzweiflung. Nach ein paar Monaten auf der Suche nach sich selbst – vorwiegend zwischen den Beinen anderer Frauen (ja, es geht trotzdem auch  noch um Sex, aber eben nicht so „American Pie“-mäßig) – entscheidet Peter sich dafür, dass er Abstand braucht und macht Urlaub auf Hawaii. Blöd nur, dass er in seinem Hotel auf Sarah stößt… und ihren neuen Freund, den extravaganten Sänger Aldous Snow (keine Verwandtschaft zu Jon Snow: Russell Brand). Gut aber, dass die Empfangschefin Rachel (Mila Kunis) Peter auf andere Gedanken bringen kann.

Noch während er mit „How I Met Your Mother“ auf der Erfolgswelle schwamm, widmete sich Jason Segel dem Schreiben und verfasste das Drehbuch zu dieser kleinen, feinen Komödie. Dabei merkt man gerade am Ende seine Liebe für die Muppets (deren großes Kino-Comeback ja auch dank Segel ziemlich gut lief), denn Komponist Peter schreibt an einem Puppen-Musical zu Dracula – aber das nur so nebenbei. Das ist ein schöner Abschiedsgag am Ende des Films und eine schöne Metapher für die „Leiden“ des Peters.

Vielmehr ist „Forgetting Sarah Marshall“ (ich werde den doofen deutschen Titel nicht wieder erwähnen) ein Film über Liebeskummer und den harten Versuch, über die Ex hinweg zukommen… vor allem, wenn sie einem jeden Tag im Bikini vor die Nase läuft und ihre große neue Liebe präsentiert. Klar, auch dieser Film ist nicht frei von den üblichen Klischees, aber Segel hat ein vielfältiges Drehbuch geschrieben mit sehr vielen witzigen Charakteren, die alle irgendwie versuchen, ihr Leben und ihr Liebesleben in den Griff zu bekommen. Es macht Spaß, ihnen bei diesem Kampf zu zuschauen. Dabei drückt Segel auch nie auf die Tränendrüse oder wird zu kitschig. Er hält ein gutes Niveau, das weit über bloßen Thematik des deutschen Titels schwebt.

Segel selbst spielt eigentlich nur seinen Marshall Eriksen aus HIMYM, aber der passt, weil die Rolle auch einfach zu diesem riesigen Bären passt, der sich wie ein Elefant (oder in diesem Fall Bär) im Porzellanladen bewegt, aber doch so viel Charme versprüht, dass man ihn einfach mögen muss. Mila Kunis ist ein schöner Kristen Bell-Ersatz, die aber selbst eine Ex spielt, der man schon ein paar Monate hinterher trauern kann… vor allem, wenn wir in kurzen Flashbacks ihre schönen Momente sehen (oder auch die Momente, die zeigen, wie sehr sie Peter doch an ihrer Leine hatte). Russell Brand spielt sich – so gefühlt nach allem, was ich über ihn gehört habe – selbst. Aber ist dabei witzig. Selbst der ganze Nebencast ist super – Jonah Hill, Paul Rudd und und und…

„Forgetting Sarah Marshall“ ist ein schöner Film über Liebe und Schmerz, der sich nicht zu ernst nimmt, aber auch nie zu kitschig wird… sondern einfach nur herzerweichend schön ist. Segel hat ein gutes Tempo, guten Humor und das spürt man in jeder Szene.

Wertung: 9 von 10 Punkten (schöne RomCom mit Muppet-Musical-Einlage)

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