Zum Inhalt springen

Auf Wiedersehen, Sonnensystem!

8. Mai 2019

Was ist eigentlich mit Roland Emmerich los? Seit der nicht wirklich gelungenen (und das ist jetzt nett ausgedrückt) Fortsetzung zu „Independence Day“ ist es irgendwie ruhig um den Welten-Zerstörer geworden. Dabei sollte sich Herr Emmerich jetzt so langsam warm anziehen… und am besten nicht auf Netflix vorbeischauen. Denn da läuft nämlich seit kurzem ein Film, der Emmerich vor Neid erblassen lassen wird. Ich verwette meine linke Pobacke darauf, dass Emmerich nur zu gerne einen Film wie „The Wandering Earth“ gedreht hätte. Denn dieser Film hat einfach alles, was einen guten alten Emmerich-Film früher ausgemacht hat – nur das Ganze mal tausend gerechnet. (und ja, die linke Pobacke verwette ich im Moment sehr gerne, weil das der Ort ist, von wo aus meinen Schmerzen am meisten ausstrahlen – nur damit ihr weiterhin Up-to-date seid, was meine Plagen angeht).

Die Sonne bedroht mal wieder die Menschheit, aber in der Form, dass sie sich ausbreitet. Berechnungen sagen voraus, dass sie sich bis hinter den Mars ausbreiten wird. Was natürlich eine arge Bedrohung für unseren geliebten kleinen Planeten Erde ist. Doch ein Hoch auf die Wissenschaft, denn die hat einen Plan. Natürlich sollten wir versuchen, die Menschheit in ein anderes Sternensystem schaffen. Aber nicht etwa mit einem riesigen Raumschiff… nein, den Titel „The Wandering Earth“ dürft ihr schon wortwörtlich nehmen: Riesige Turbinen werden über der Erde verteilt, die Menschen in unterirdische Superstädte gepackt und so soll dann die Erde selbst als Vehikel durch das Weltall dienen. Als die Erde jedoch nach zig Jahren am Jupiter ankommt, droht die Kollision. Jetzt müssen die Erdbwohner einen Plan schmieden, um sich zu retten.

Okay, dieser Film ist genau so gaga wie er klingt, aber wisst ihr was? Er macht genau so viel Spaß. Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Liu Cixin schickt Regisseur Frant Gwo seine Helden in den Kampf um das Überleben. Das ist dann Science-Fiction gemischt mit Katastrophenfilm a la Emmerich. Ganz besonders erinnert „The Wandering Earth“ an „The Day After Tomorrow“. Riesige Tsunamis haben die Welt überflutet und die Entfernung zur Erde hat alles gefrieren lassen – und so tingelt eine kleine Gruppe über die gefrorene Oberfläche, um Dinge zu tun. Mit viel Logik darf man hier wirklich nicht kommen, aber wie gesagt, es ist unterhaltsam.

Wenn wir aber schon mal bei Erinnerungen sind, gibt es auch einige „Wall-E“-Verweise, vor allem die künstliche Intelligenz in der Raumstation, die der Erde vorausfliegt, erinnert zu Teilen an Hal-900 aus Kubricks „2001“, aber eben auch an Otto, den Schiffscomputer aus „Wall-E“. Leider hat Moss, wie das Ding heißt, nicht das Zeug wirklich interessant zu sein. Was schade ist, wäre noch eine coole weitere Ebene im Film gewesen.

Wir bekommen eine bunte Truppe von Charakteren, von denen uns aber letztendlich nur das Bruder-Schwester-Gespann Liu Qui (Qu Chuxiao) und Han Duoduo (Zhao Jinmai). Die beiden bekommen wenigstens eine rührende Familiengeschichte mit ihrem Ziehvater auf der Erde und Liu Quis richtigem Vater auf einer Raumstation im nahen Orbit der Erde. Alle anderen Charaktere sind so austauschbar wie fast immer in solchen Filmen.

Zum Glück sieht „The Wandering Earth“ aber ziemlich phänomenal aus. Die riesigen Turbinen allein sind schon der Hammer. Aber wenn die Erde dann vom Jupiter angezogen wird und wir am Horizont plötzlich diesen riesigen Gas-Wirbelsturm sehen, ist das schon verdammt episch. Optisch ist „The Wandering Earth“ ein absoluter Hingucker, den ich nur zu gerne im Kino gesehen hätte.

Emotional greift „The Wandering Earth“ nicht so (da könnte Frant Gwo dann doch ein bisschen was von Emmerich lernen, der das irgendwie immer ganz gut geschafft hat), aber alles andere haut schon ordentlich rein. Ich bin mal gespannt, ob es einen zweiten Teil geben wird. Schließlich ist die Reise der wandernden Erde noch lange nicht vorbei.

Wertung: 7 von 10 Punkten (die Erde als Raumschiff… warum nicht?)

 

9 Kommentare leave one →
  1. 12. Mai 2019 15:08

    Immerhin kann man mit der Erde als Raumschiff gleich die gesamte Menschheit verfrachten. Obwohl, will man das überhaupt? 😉

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2019 21:02

      Naja… die ganze Menschheit ist es ja in diesem Fall auch nicht mehr. Durch das Verrücken der Erde kam es zu Tsunamis und danach zu einer Eiszeit… da sind auch schon so paar Menschen nicht mehr mit auf der Erde.

  2. 12. Mai 2019 18:13

    Ich wollte den Film schon vor etwa einer Woche gucken, aber ausgerechnet die Sprachversionen haben mich davon abgehalten. Ich will ihn nur ungern im O-Ton gucken, weil ich dann ständig auf die Untertitel schielen muss und bzgl. Englisch habe ich Angst, dass es die Synchronsprecher nicht drauf haben. Schade, dass es keine deutsche Vertonung gibt…. Oder ist die mittlerweile ergänz worden?

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2019 21:05

      Ist immer noch nicht geändert worden. Was echt komisch ist. Aber wohl auch wieder Bände dafür spricht, wie sehr dieser Megablockbuster bei Netflix untergeht. Was echt schade ist…

      • 12. Mai 2019 21:09

        Bei mir wurde er kurz nach Erscheinen direkt als „Big Teaser“ (wenn man das so nennen kann) angezeigt. Also etwas Promo hat der schon bekommen

        • donpozuelo permalink*
          12. Mai 2019 21:17

          Ja… Aber für einen 700 Mio. Dollar Film ist das nichts großes. Wohl auch international wurde der Film nicht groß vermarktet…

      • 12. Mai 2019 21:09

        Aber kann man ihn auf Englisch gucken? Oder welche Sprachversion hast du geschaut?

        • donpozuelo permalink*
          12. Mai 2019 21:18

          Ich habe O-Ton mit deutschen Untertiteln geguckt. Was durchaus gut geht, weil in den großen wichtigen Szenen eh nicht so viel geredet wird 😅

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: