Zum Inhalt springen

The Black Kaiser

15. April 2019

Netflix Originale sind Scheiße! Diese Aussage trifft leider auf 90 Prozent der von Netflix selbst produzierten Filme zu. Und ich kann es nach wie vor nicht wirklich verstehen. Die haben Kohle, die kriegen coole Leute vor und hinter die Kamera und bei Serien kriegen sie das doch auch immer hin. Da sind die Netflix Originale zu 90 Prozent super. Woran scheitert es denn dann bitte bei den Filmen? Diese Frage habe ich mir auch gestellt, als ich „Polar“ jetzt endlich mal auf Netflix gesehen habe. Eine Comic-Verfilmung mit Mads fucking Mikkelsen in der Hauptrolle.

Duncan Vizla (Mikkelsen) war sein ganzes Leben lang als „The Black Kaiser“ Auftragskiller für die Damocles Corporation. Diese Organisation schickt aber all seine Killer mit 50 in den Ruhestand und zahlt danach eine schöne Pension. Duncans würde sich auf über 8 Millionen Dollar belaufen. Eine Summe, die Damocles-Chef Mr. Blut (Matt Lucas) aber nicht zahlen will. Also setzt er alles daran, um den Kaiser zu töten. Der ist eigentlich ziemlich taff, begeht aber in seinen letzten Tagen als Profi-Killer einen Fehler: Er lässt eine Person an sich heran – die junge Lehrerin Camille (Vanessa Hudgens).

Puh… das war kein guter Film. Beziehungsweise… nein, doch… es war kein guter Film. Die Idee ist interessant, aber so fast alles an diesem Film ist es dann nicht. „Polar“ ist erst einmal einfach viel zu lang für die extrem dünne Story, die uns hier aufgetischt wird. Das zieht sich dann wie Kaugummi. Ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Film auf die Laufzeit geguckt und dann gestöhnt habe: „Ist das immer noch nicht vorbei?“ Regisseur Jonas Akerlund kriegt nie richtig die Kurve, eine flüssige Geschichte zu erzählen. Das fühlt sich alles genau so an wie in einem Comic-Buch: Hier die Story aus Band 1, dann kommt die aus Band 2 und so weiter. Man hat immer wieder im Film so Momente, wo man glaubt, jetzt ist es vorbei… und dann geht es doch noch weiter.

Zu dieser extrem Langsamkeit und der dünnen Story kommen dann die Charaktere. Meine Fresse… also wer auf die Idee gekommen ist, Matt Lucas als Schurken zu casten, gehört gefeuert. Ich kenne Lucas eigentlich nur aus „Little Britain“ – und da fand ich ihn immer super. Hier ist er eine Karikatur einer Karikatur. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Lucas selbst nicht wirklich wusste, was er eigentlich gerade machen soll. Es hat einfach nichts gepasst. Richtig angenervt war ich auch von der Killer-Truppe, die Duncan jagt. Schlechte Klischees auf einem Haufen – und ungeheuer genervt war ich von dieser furchtbaren Ruby O. Fee. Die war nur in diesem Film, um ihre Brüste oder ihren Arsch in die Kamera zu halten. Das war weder sexy noch sonst irgendwas… das war einfach nur billig, aber jetzt ist die gute Dame (laut meiner Internetrecherche) mit Matthias Schweighöfer zusammen. Der besorgt ihr bestimmt bessere Rollen. Auch Vanessa Hudgens war irgendwie einfach nur da… und das war’s. Ihre Beziehung zu Duncan wird so überhaupt nicht klar… und der merkwürdigste Moment ist der, als er in ihrer Schule kleinen Kindern einen Vortrag über Leichen  und Messer hält… äh ja… keine Ahnung, was das sollte.

Mads Mikkelsen ist noch so das Beste an „Polar“ und selbst das ist nicht viel. Er spielt seinen grummeligen, stillen Killer gut… wirklich gefordert ist er aber auch nicht.

Was dann an „Polar“ noch ganz okay ist, ist die Action. Die ist albern und mega-brutal… und wenn Mads dann mal den Kaiser raushängen lassen darf, ist das schon ein bisschen stylisch und auch cool in Szene gesetzt. Aber ganz ehrlich, dann trotzdem lieber „John Wick“. Da ist die Action wenigstens wirklich cool.

Ich weiß nicht, ob ich „Polar“ als Trash bezeichnen soll oder wirklich einfach nur als Müll. Trash würde ja bedeuten, ich hätte irgendwie auch ein bisschen Spaß an dem Film – und der Spaß kam mir dann letztendlich doch zu kurz. Da reichen ein paar gute Action-Szenen und ein okayer Mads Mikkelsen leider nicht aus… also dann doch eher Müll. Das war langweilig, trotz cooler Prämisse, trotz guter Schauspieler (minus Madame O. Fee und Matt Lucas vielleicht), trotz teils guter Action-Sequenzen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (verbannen wir diesen Film lieber in einen polaren Winterschlaf)

5 Kommentare leave one →
  1. 15. April 2019 15:55

    Uff. Ich konnte mich bislang auch nicht überwinden diesen Film anzusehen, ein Glück. Dann lieber die lustige Variante „Dead in A Week: Or Money Back“. Der war spaßig.

    • donpozuelo permalink*
      16. April 2019 19:46

      „Polar“ kannst du dir wirklich sparen. 😅 deinen Tipp kenne ich noch gar nicht. Muss ich mir mal merken.

  2. 11. Mai 2019 20:04

    Ging mir (leider) genauso – auch die Kritikpunkte decken sich 1:1 – ich fand auch die Killertruppe und den Damocles-Chef furchtbar und v.A. furchtbar inkompetent und sinnlos. Im Grunde hätte man für meinen Geschmack gern die erste Stunde in 5 min erzählen können … hätte auch gereicht. Einzig die Szene mit den Kindern/dem Vortrag und den „Twist“ (sofern man ihn nicht vorhersieht) gegen Ende fand ich ganz gut. Aus Neugier habe ich auch mal etwas rumgegoogelt wie denn so die Comicvorlage ist, aber das irrsinnige ist: die scheint stilistisch und von der Charakterzeichnung her auch um einiges anders zu sein. Da fragt man sich … was haben die da gemacht??

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2019 20:58

      Ach was die Diskrepanz zwischen Vorlage und Film im Comic-Bereich angeht, geht auch nichts über „Wanted“. Der Film hat so gar nichts mit dem Comic zu tun. Wer weiß, was da los war.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: