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Random Sunday #13: Life is Strange

7. April 2019

Es gibt nicht wirklich viele Video-Spiele, die mich zu Tränen gerührt haben. An das erste Mal kann ich mich noch gut erinnern. Das war bei „Shadow of the Colossus“ – jenes Spiel, in dem man allein mit seinem treuen Pferd Agro in einem einsamen Tal unterwegs ist und riesige Giganten tötet, um die Prinzessin wieder zum Leben zu erwecken. Es gibt eine spoilerlastige Sequenz mit eben jenem Pferd, auf die ich jetzt wegen Spoilern nicht genauer eingehen will, aber die hatte mich dann. Da floss tatsächlich ein Tränchen und ich war furchtbar traurig. Doch jetzt bin ich über ein Spiel gestolpert (dank eines sehr guten Freunds), da habe ich am Ende Rotz und Wasser geheult… willkommen bei „Life is Strange“.

„Life ist Strange“ ist ein in fünf Episoden eingeteiltes Adventure-Game, in dem wir die junge Max steuern. Die kommt nach einiger Zeit zurück in ihre Heimatstadt Arcadia Bay, um dort an der Uni Fotografie zu studieren. Hier trifft sich auch ihre einstige beste Freundin Chloe wieder. Die beiden freunden sich langsam wieder an – und Max will Chloe dabei helfen, das Verschwinden von Chloes Freundin Rachel aufzuklären. Doch Max hat ein Geheimnis – neuerdings wird sie von einer Vision eines riesigen Tornados geplagt… und sie kann auf einmal auch in der Zeit zurückreisen.

„Life is Strange“ ist weniger Spiel als viel mehr interaktiver Film (und dabei einfach mal um Welten besser als „Bandersnatch“ von Netflix). Das Spiel stellt uns Such-Aufgaben und stellt uns hauptsächlich vor verschiedene Entscheidungen, die dann den weiteren Verlauf des Spiels beeinflussen. Dank Max‘ Zeitreise-Fähigkeiten kann man bestimmte Entscheidungen aber auch zurücknehmen – so ein bisschen wie bei „Prince of Persia“ und seinem Sand der Zeit. Doch es ist genau diese Fähigkeit, die für mich persönlich für einen Mini-Mini-Minuspunkt für „Life of Strange“ sorgt. Aber vielleicht war das ja auch nur bei mir so:

Ich konnte mich nie wirklich entscheiden. Ich traf eine Wahl, die dann von Max kommentiert wurde – nach dem Motto: „Oh, oh… das wird XY mir noch übel nehmen!“ Daraufhin war ich irritiert, sprang in der Zeit zurück und wählte etwas anderes. Dann sagte Max aber auf einmal: „Oh, oh… XY wird mir  das noch danken, aber Probleme wird das trotzdem bedeuten!“ Und schon war ich wieder unsicher und sprang wieder in der Zeit zurück. Es hat echt lange gedauert, bis ich dann mal wirklich durch war – und da hätte ich mir dann schon manchmal gewünscht, dass Spiel hätte mir dieses Zeitreisen weggenommen.

Abgesehen aber von meiner Unfähigkeit, eine klare Entscheidung zu treffen, ist „Life is Strange“ einfach nur toll. Wie gesagt, es ist mehr ein interaktiver Film als ein Spiel. Eigentlich ist es sogar mehr Serie als Film. „Life is Strange“ ist Fantasy, Coming-of-Age-Drama und Detektiv-Geschichte in einem. Das ist als ob „Donnie Darko“ und „Twin Peaks“ mit „Heavy Rain“ verschmolzen sind und „Life is Strange“ erzeugt haben. Die Story ist unheimlich packend, die Charaktere gehen einem so ans Herz. Das Spiel führt uns auf eine emotionale Achterbahnfahrt, deren Faszination man sich einfach nicht entziehen kann.

Und – um den Bogen zu meinen Tränen zu schließen – es stellt uns am Ende (nach einer unheimlich guten Horror-Sequenz!!!) vor die schwierigste Wahl aller Zeiten. Nachdem man dann fünf Episoden mit Max und Chloe und all den anderen Charakteren mitgelitten und mitgefiebert hat, fällt einem diese Wahl eigentlich so leicht und gleichzeitig doch so schwer. Da öffnete „Life is Strange“ dann auch alle Dämme – und hatte mich vollends. Das war so unglaublich traurig, so berührend und so wunderschön zugleich. Dieses Ende wird ewig in Erinnerung bleiben – wie dieses Spiel selbst auch.

7 Kommentare leave one →
  1. 11. April 2019 22:27

    Sehr schön zusammengefasst – ich habe mich ähnlich gefühlt. In dem Zusammenhang kann ich dir auch das Prequel „Before the Storm“ empfehlen. Ich war erst skeptisch, aber das konnte mich wirklich überzeugen!

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2019 23:03

      Das liegt auch schon bei mir… aber wie bei dir herrscht bei mir noch etwas Skepsis, ob das an das Original ranreichen kann. Aber ich werde es auf jeden Fall auch noch spielen.

      • 12. April 2019 19:53

        Ich hatte auch meine Zweifel, weil ich dachte, ohne das Zeit-Rückspul-Feature ist es nur noch halb so reizvoll. Habe mich aber geirrt 🙂

        • donpozuelo permalink*
          14. April 2019 20:28

          Sehr gut. Da bin ich dann mal echt gespannt.

  2. 6. Mai 2019 20:37

    Life is Strange habe ich auch vor ein paar Monaten erst zu Ende gespielt und war sehr begeistert. Die ersten zwei Kapitel und Max‘ plötzliche Gabe haben mich anfangs noch nicht so sehr abgeholt. Was mich genervt hat, war dass ihre Fähigkeiten und das Zeitreisen so bis Kapitel drei keine größeren Konsequenzen haben. Aber dann ab Kapitel 3 geht es ja quasi richtig los und haut ziemlich rein mit den Konsequenzen der Zeitreiserei … spätestens ab da hatte es mich auch und hat mir sehr gut gefallen.

    • donpozuelo permalink*
      6. Mai 2019 21:45

      Stimmt… dass manche Dinge keine Konsequenzen hatten, hat mich anfangs auch gestört. Deswegen fand ich es anfangs auch so schwer, mich zu entscheiden… so komisch das auch klingt.

      Aber so im Großen und Ganzen ist es schon ein tolles Erlebnis gewesen.

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