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Maschinengewehr-Extravaganza

27. März 2019

Es ist immer wieder bewundernswert, was Sylvester Stallone aus der Figur John Rambo gemacht hat. Wenn man sich an den ersten Film zurück erinnert, ist das ja sogar noch ein tiefgreifendes Drama über Kriegstraumata und den alleingelassenen Soldaten, der wie ein ungebrauchtes Werkzeug vergessen wird. Das ging noch richtig ans Herz, war zwar auch Action, aber eben auch was zum Nachdenken. Danach ging es doch irgendwie mit dem Tiefgang bergab. John Rambo wurde einfach zur Killer-Maschine, die man einschaltete, wenn man sie brauchte und wartete einfach ab, bis sich nichts mehr bewegt. „Rambo 2“ und „Rambo 3“ sind guilty pleasure, der dritte Teil sogar noch sehr viel mehr als Teil 2. Lange habe ich jetzt darauf gewartet, mir endlich „John Rambo“, den vierten Teil, anzuschauen. Jetzt habe ich endlich gesehen – und muss ja gestehen, dass der jetzt meine neue Nummer 2 dieser Reihe ist, denn „John Rambo“ ist einfach mal verdammt unterhaltsamer Hirn-Aus-Kram.

John Rambo (Stallone) hat sich – mal wieder – von der Welt zurückgezogen und verdingt sich als Schlangenfänger in Thailand. Eines Tages wird er von einer Missionarsgruppe (darunter auch „Dexters“ Frau Julie Benz) angesprochen, er möge sie doch mit seinem Boot nach Burma bringen, wo sie medizinische Hilfe leisten wollen. Macht der gute John auch… und bereut das schnell. Denn fiese Militärs entführen die Amerikaner und töten das ganze Dorf. Mit einer Gruppe von Söldnern (darunter einstiger Zwerg und jetziger Saints of Killers Graham McTavish) macht sich John Rambo auf den Weg, um die Missionare zu befreien.

Was soll ich noch groß sagen? Irgendwie hat Stallone ein Händchen dafür, seine alten Kult-Charaktere gekonnt wieder zum Leben zu erwecken. Mit „Rocky Balboa“ hat er sich ja seinerzeit selbst übertroffen – und irgendwie gelingt ihm das auch mit „John Rambo“. Natürlich darf man beide Filme nicht auf eine Stufe stellen. „Rocky Balboa“ war wirklich einfach ein großartiger Film, der seine Charaktere noch besser ausarbeiten konnte und der einfach einen wunderschönen und vor allem würdigen Abschluss für die Reihe geliefert hat. „John Rambo“ ist – wie schon erwähnt – einfach nur Hirn-Aus-Kino. Aber auf perfekte Art und Weise.

Über die Story müssen wir uns seit Teil 2 ja nicht großartig unterhalten – und das trifft auch auf den vierten Teil zu. Rambo kriegt seine Mission und los geht’s. Wer braucht schon mehr? In einer ekligen Intro-Szene etabliert Stallone die Grausamkeiten des burmesischen Militärs und macht deutlich, dass diese Leute es nicht anders verdient haben, als von John Rambo kaputt gemacht zu werden. In diesem Film herrscht noch schönstes Schwarz-Weiß-Denken. Wir wissen genau, wer böse ist und wer gut. Mehr braucht es da nicht. Charaktere sind in diesem Film auch nicht sonderlich wichtig, waren sie ja aber seit Teil 2 auch nicht wirklich. John Rambo ist einfach immer noch schwer gebeutelt und muss immer erst ein wenig angeschubst werden, bevor er loslegt. Doch wenn er dann mal loslegt, dann aber ordentlich – und noch nie hat er so ordentlich losgelegt wie in diesem Film.

Dieser Film ist in seinen Action-Sequenzen soooooooooo komplett übertrieben brutal, dass ich einfach nur die ganze Zeit laut gelacht habe. Schön ist aber, dass die Evolution des Rambo-Messers auch im vierten Teil noch weiter voran getrieben wird. In diesem Film schmiedet er sich sogar ein halbes Schwert (nur um es dann gar nicht so oft zu benutzen wie erhofft, aber ein paar Köpfe hackt er damit schon ab). „John Rambo“ ist blutig, blutig, blutig. Rambo reißt Leuten mal eben mit der Hand die Kehlen raus (okay, er macht es nur einmal, aber das ist schon krass genug), er sprengt Leute in die Luft und durchlöchert sie mit Pfeil und Bogen. Alles immer zack zack und äußerst präzise. Trotzdem ist Rambo in „John Rambo“ weniger aktiv als in seinen anderen Filmen, aber gut, so ein Sylvester Stallone wird halt auch nicht jünger. Deswegen verbringt er die letzten 15 Minuten einfach hinter einem aufgebockten Maschinengewehr und zerfetzt damit alles, was ihm in die Quere kommt. Das Ganze inszeniert Stallone dann blutig, blutig und nochmal blutig. Da fliegen die Gliedmaßen und Körper nur so durch die Luft. Da spritzt das Kunst- und CGI-Blut nur so durch die Gegend. Da steht Rambo wie eine Eins und mäht alles nieder. Ich habe herrlich gelacht über so viel Unsinn.

Ganz klar, dieser Film ist dumm wie Stulle, aber dabei unterhaltsam wie sonst was. Jetzt bin ich echt gespannt, wie Stallone das mit dem fünften Teil noch toppen will.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Rambo-Opa kämpft zwar nicht mehr so viel, tötet aber dreihundert Mal so viel wie früher)

16 Kommentare leave one →
  1. 27. März 2019 07:58

    Ich habe den Film leicht schwächer bewertet. Fand den Mix aus Kriegsgräuel und übetrieben comichafter Action hier noch grenzwertiger als davor. Dennoch erschreckend unterhaltsam.

    • donpozuelo permalink*
      27. März 2019 17:51

      Ja. Grenzwertig ist das auf jeden Fall in diesem Film. Und ich war auch immer wieder ein wenig erschrocken, wie wenig einen das beim Gucken eigentlich berührt… gerade weil es so comichaft überzogen wird und man halt mehr lacht, als alles andere.

  2. steffelowski permalink
    28. März 2019 19:25

    Ja, das ist schon ein Guilty-Pleasure-Movie vom Feinsten. Ich war ob der ausufernden Gewalt auch total überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet, zumal ich nach der relativ langen Zeit nach dem dritten Teil auf eine Rückbesinnung auf die alten Tugenden, sprich auf Teil 1, vorgestellt hatte. Aber dennoch, der Film war verdammt spannend und unterhaltsam. Habe mir kurze Zeit nach dem Kinobesuch dann auch noch die BR gegönnt 😊

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2019 22:44

      Ja. Ich hatte auch gedacht, es wird wie bei Rocky Balboa. Aber gut… der Film war trotzdem sehr unterhaltsam. Ich bin mal sehr auf Teil 5 gespannt.

      • steffelowski permalink
        29. März 2019 18:49

        Ja, stimmt. Ich hab gelesen, dass der Teil 5 doch wieder mehr an die Ursprünge der Serie anknüpfen soll. Ich freu mich irgendwie drauf.
        Bin auch gespannt, wie Stallone dann aussiehst. Der hat sich in den letzten Jahren ja wohl auch häufiger unters Messers gelegt.
        Neulich hab ich einen Trailer mit Nicolas Cage gesehen. Ich sag nur: Au weia…..

        • donpozuelo permalink*
          29. März 2019 21:06

          Oh ja… Nic Cage ist interessant 🙈

          Eine Rückbesinnung wäre ja mal nicht schlecht. Ich bin auf jeden Fall auch sehr gespannt.

  3. 31. März 2019 10:19

    Den hab ich bisher gar nicht gesehen, da ich die alte Trilogie nicht ‚zerstören‘ wollte. Bin halt noch immer Indiana Jones-geschädigt…

    • donpozuelo permalink*
      31. März 2019 21:26

      Dass mit Indy kann ich nur zu gut nachvollziehen. Rambo 4 ist aber kein Reinfall wie Indy 4.

  4. 31. März 2019 17:36

    Gerade dieses übertrieben brutale Finale hat mich damals als 17-jährigen, pubertierenden Jungen auch vollkommen begeistert und weggerissen. Heute ärgert es mich, wie undynamisch diese Actionsequenz ist….

    • donpozuelo permalink*
      31. März 2019 21:27

      Wie gesagt, ich hab ihn jetzt das erste Mal gesehen und fand ihn unterhaltsam. Ja… es ist schon etwas undynamisch, aber trotzdem auf absurde Art und Weise unterhaltsam

      • 2. April 2019 20:59

        Na klar, ist ja auch verständlich, wenn die versammelte Mannschaft da vollkommen zerfetzt wird. Ist aber nur so „befriedigend“, weil sie zuvor als so krasse Bösewichte etabliert werden. Zu dieser Zeit war das politische Klima in Myanmar soweit ich weiß noch deutlich heißer als heute…

        • donpozuelo permalink*
          2. April 2019 22:15

          Ja, absolut richtig. Es wird halt heftig Schwarz-Weiß gezeichnet und dann ist die „Befriedigung“ des Gemetzels natürlich schnell gegeben.

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