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Liam Neeson ist Mr. Plow

20. März 2019

Könnt ihr euch noch an Mr. Plow erinnern? Das war Staffel 4 Episode 9 von den „Simpsons“, damals zu einer Zeit, als die Simpsons noch gut waren, wie man mir so sagt. Von den aktuellen Sachen habe ich leider so gut wie gar nichts mehr gesehen, deswegen kann ich nicht wirklich mit sprechen. Aber wir kommen vom Thema ab: Mr. Plow. Homer kauft sich einen Schneepflug und befreit erfolgreich die Straßen vom Schnee. Dafür bekommt er sogar eine Auszeichnung vom Bürgermeister und was nicht alles. Und an genau diese Episode musste ich die ganze Zeit bei Liam Neesons neuestem Ausflug ins Action-Genre denken, denn „Hard Powder“ ist ein bisschen die Liam-Neeson-Version von Homers Mr. Plow.

In dem kleinen Örtchen Kehoe sorgt Nels Coxman (Neeson) dafür, dass die Straßen befahrbar sind. Mit seinem Schneepflug ist er ständig unterwegs, um den Schnee wegzuräumen. Er ist gerade deswegen ein angesehenes Mitglied der kleinen Gemeinden und wird sogar zum Mann des Jahres der Stadt ausgezeichnet. Doch dann stirbt sein Sohn auf einmal an einer Überdosis Heroin… Coxmans Leben zerbricht und er steht kurz vorm Selbstmord. Dann jedoch erfährt er, dass sein Sohn von Viking (Tom Bateman) getötet wurde, seines Zeichens Drogenbaron der Gegend. Wutentbrannt macht sich Coxman nun daran, seinen Sohn zu retten… und geht dabei natürlich über Leichen.

„Hard Powder“ ist wirklich Simpsons „Mr. Plow“ trifft auf „96 Hours – Taken“. Regisseur Hans Petter Moland führt hier beim Remake seines eigenen Films Regie und hätte sich mit Liam Neeson eigentlich keinen Besseren aussuchen können. Denn wie gesagt, seit „Taken“ spielt Neeson ja gefühlt nichts anderes mehr. Jeder Schauspieler, der sich für die Rolle als Liam Neesons Film-Kind anmeldet, sollte mittlerweile wissen, dass das nicht gut ausgehen kann. Das ist so ein bisschen wie mit Sean Bean: Der Filmtod ist schon vorprogrammiert. Aber egal… Hauptsache, Liam Neeson darf einmal mehr seine besonderen Fähigkeiten zur Schau stellen. Und hey, irgendwie steht ihm diese Rolle einfach. Ich kaufe ihm sofort ab, dass er der nette Nachbar von nebenan ist, der dir auch mal hilft, wenn dein Wagen nicht anspringen will… und der dich im Notfall halt auch einfach mal umbringt, wenn du seine Familie bedrohst. Das ist halt der Zauber des Liam Neesons, das ist tatsächlich seine besondere Fähigkeit.

Abgesehen von Neeson hatte ich aber so meine lieben Probleme mit „Hard Powder“. Zum einen ist das einfach mal der langsamste Action-Film aller Zeiten. Wie die Bewohner des verschneiten Örtchens Kehoe schleicht auch der Film in aller Gemütlichkeit seinem Finale entgegen. Da wird lieber einmal mehr die schöne Landschaft in Szene gesetzt als das es so richtig zur Sache geht. Versteht mich nicht falsch, das ist nicht verkehrt, aber für so einen Action-Film dann irgendwann doch arg entschleunigt. Zwar sind die Gewalt-Ausbrüche, wenn sie dann kommen, ordentlich und gut in Szene gesetzt, aber dazwischen wird erst einmal eine ruhigere Kugel geschoben. Bloß nicht hetzen, lautet hier die Devise.

Zum anderen hat „Hard Powder“ einen etwas eigenwilligen Humor, den ich manchmal sehr mochte und manchmal auch nicht. Das Abhaken der Opfer und Coxmans interessante Entsorgungsvariante waren schon sehr witzig. Wen ich etwas merkwürdig fand, war Tom Bateman, der eine etwas seltsame Version von einem Schurken gespielt hat – irgendwo angesiedelt zwischen Parodie und Wahnsinn. Bateman macht seine Rolle gut, es ist vielmehr die Rolle, die ich nie so richtig greifen konnte. Und dann gab’s da noch diese ewig langen „Family Guy“-Witze, die bei mir nur selten punkten: Gerade zu Beginn, als Coxman seinen Sohn identifizieren soll, braucht ein Mitarbeiter im Leichenschauhaus mal gut und gerne 9 Minuten, um den Leichnam auf die richtige Höhe zu stellen. Das ist dann vielleicht der trockene skandinavische Humor, aber manchmal war der mir in diesem Film etwas zu merkwürdig.

Ich hatte immer ein bisschen das Gefühl, dass Regisseur Molland bei seinem Remake nicht so ganz wusste, ob er eher einen komischen Rache-Film machen möchte oder einen ernsthaften. Für mich schwankt dieser Film ein bisschen zu sehr in seiner Tonalität… ich habe jetzt leider keinen Vergleich zum Original, aber das Remake hat mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (ordentliche Action, ordentlicher Liam Neeson, alles etwas zu langsam)

 

4 Kommentare leave one →
  1. 20. März 2019 17:39

    Kennst Du das Original? Denn das ist ja noch langsamer und der Bösewicht noch mehr Augsburgerpuppenkisting :))

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2019 18:37

      Wirklich? Oh Gott. Dann klingt das wirklich nicht danach, als sollte ich mir das Original geben… 😅

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