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Die Schöne, das Biest und die Apokalypse

4. März 2019

Ich habe mal eine Frage: Wie lange nach dem Schauen einer Serie oder eines Films ist es eigentlich noch vertretbar eine Kritik zu schreiben? Mit der Zeit geht ja die Erinnerung an das Gesehene schon ein wenig zurück – und ohne jetzt Notizen gemacht zu haben, kann man sich ja kaum noch auf etwas beziehen? Oder doch??? Normalerweise versuche ich, nicht mehr als eine Woche, maximal zwei, vergehen zu lassen, um meine Gedanken auf dies wunderbare virtuelle Papier zu packen. Doch jetzt habe ich einen ziemlich krassen Sonderfall – meine letzte Kritik zu „Angel“ liegt jetzt wirklich Monate zurück. Im August 2018 hab ich über Staffel 3 geschrieben – seitdem habe ich die Serie schon lange zu Ende geschaut und setze mich nun nach Ewigkeiten mal hin, um darüber zu berichten, wie ich denn Staffel 4 fand. Ich hoffe, ich bin da jetzt nicht zu unglaubwürdig, aber Staffel 4 hängt auch jetzt noch mit vielen interessanten Punkten in meinem Gedächtnis.

Nach den Ereignissen von Staffel 3 – Angel (David Boreanaz) wird von seinem eigenen Sohn Connor (Vincent Kartheiser) im Meer versenkt und Cordelia (Charisma Carpenter) wird zu einem Höheren Wesen ernannt – sind alle ziemlich durch den Wind. Doch Wesley (Alexis Denisof) sei Dank, denn er findet Angel und bringt ihn zurück. Anschließend taucht sogar Cordelia wieder auf – nur hat sie scheinbar ihr Gedächtnis verloren. Ab hier geht’s dann echt drunter und drüber. Ein diabolisches Biest erscheint und läutet die Apokalypse für seinen Meister ein – ein Meister, der sich als Cordelia herausstellt. Die wiederum ist schwanger von Connor (!!!!) und gebiert am Ende das wahre Böse, in Form eines Wesens, mit dem man so nun wirklich nicht rechnen würde.

„Angel“ Staffel 4 hat alles, was man braucht, um die Staffel zu lieben und gleichzeitig zu hassen. Zu den Hass-Momenten gehört in dieser Staffel definitiv alles, was sich rund um Connor dreht. Diese ganze Story fühlt sich einfach nur falsch an und irgendwann nervt der kleine Connor auch nur noch mit seinem Gehabe. Die Tatsache, dass er mit der Frau schläft, der Angel noch im Finale von Staffel 3 seine Liebe gestehen wollte, ist auf der anderen Seite aber auch ein ganz schöner Hammer. Das ist schon so „Game of Thrones“-mäßiger Shit, an dem man ganz schön zu kauen hat. Ein cooler Schachzug, der Staffel 4 einfach noch einmal auf eine ganz andere Ebene – und das ist dann auch was, wodurch sich Angel sehr von der Mutter-Serie „Buffy“ unterscheidet. Da ist zwar auch vieles kaputt (siehe die ganze Sache in“Buffy“ Staffel 6), aber „Angel“ sprengt das einfach nochmal. Somit kann ich selbst dieser eigentlich doofen Connor-Cordelia-Sache etwas Gutes abgewinnen.

Tatsächlich wirklich richtig gut ist die ganze Nummer mit dem Beast. Hier ist wirklich mal Apokalypse angesagt und das Ding ist einfach mal tausendmal stärker als jeder vorherige Angel-Gegner. Das geht dann sogar soweit, dass man Angelus heraufbeschwört, um einen würdigen Gegner zu haben. Angelus ist immer toll zu sehen, denn Boreanaz geht in dieser herrlich fiesen Rolle wunderbar auf. Ich find’s nach wie vor immer wieder toll, wie gut er die Differenzen zwischen dem guten Angel und seinem bösen Gegenpart ausspielt.

So richtig einen drauf setzt Whedon dann mit dem großen Finale der vierten Staffel, wenn Cordelias „Kind“ geboren wird. Und ja, auch wenn die Serie schon recht alt ist, will ich an dieser Stelle nicht verraten, wer das ist („Firefly“-Fans dürfen sich aber auf jeden Fall freuen!). Auch hier beweist Whedon wieder seine Kreativität und liefert uns einen Endboss (!), der es in sich hat, weil er einfach mal so ganz anders ist, als das, was man nach dem Aufbau der Story erwartet hätte.

Staffel 4 von „Angel“ hat einfach wirklich alles zu bieten: hassenswertes und gutes. Und eigentlich ist es auch genau dieser Mix, der das Ganze so großartig macht. Joss Whedon traut sich was, spielt mit seinen Charakteren ganz so, wie er gerade Lust hat, stellt sie vor neue Aufgaben und würfelt das ganze Gefüge ordentlich durcheinander. Da kann einem schon so einiges mal sauer aufstoßen, aber wenn man mal genau drüber nachdenkt, ist das eigentlich genau das, was man von einer Serie will. Dass sie auch mal was ausprobiert, die Grenzen des Gegebenen überschreitet und den Zuschauer auch noch einmal überrascht. Ich würde mal sagen, dass ich Whedon mit Staffel 4 mehr als nur gelungen. Klar, beim Schauen selbst war es mir noch nicht so bewusst, aber es passt am Ende einfach alles ziemlich gut zusammen – und mit einem richtigen krassen Finale wird man dann in Staffel 5 entlassen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Weltuntergang war bislang weder bei Buffy noch bei Angel so spannend)

4 Kommentare leave one →
  1. 4. März 2019 08:05

    Eine interessante Fragestellung! Ich finde es meist ja schon spät, wenn ich einen Tag zwischen Sichtung und Besprechung lasse — normalerweise schreibe ich noch direkt am Tag der Sichtung. Aber das ist wohl eine Eigenheit von mir… 😉

    • donpozuelo permalink*
      4. März 2019 15:05

      Ich mache es meistens einen Tag später. Manchmal verstreicht aber auch schon mal eine Woche. Ist bei mir echt unterschiedlich. Früher habe ich immer versucht, es direkt nach der Sichtung zu machen, was aber auch nie immer so geklappt hat. Das jetzt ist tatsächlich ein ziemlich extremer Sonderfall. 😀 Wenn mir sowas sonst passiert, schaue ich den Film oder die Serie lieber noch einmal.

  2. 3. April 2019 21:00

    Krass … ich habe Buffy ja als Teenager gesehen und an die Staffel und beispielsweise Connor absolut keine Erinnerung, sodass ich mich echt fragen muss, ob ich die damals verpasst habe. Das waren noch die „guten alten Zeiten“ als ich immer auf die Free-TV-Ausstrahlung gewartet habe. Oh man ..

    Und was die Frage mit den Besprechungen betrifft … mir geht das bei Serien gerade ähnlich. Die häufen und häufen sich und ich komme gar nicht so recht nach die zu schreiben. Aber noch funktioniert es und ich kann mich daran erinnern wie ich sie fand. Wahrscheinlich muss das jeder für sich herausfinden was ein angemessener/erträglicher Zeitraum ist. Tatsächlich denke ich, man sollte mindestens eine Nacht drüber schlafen. Es gibt manchmal Blogs, denen liest man anhand der einzigen zwei Kategorien (maßlose Enttäuschung oder übermäßige Begeisterung) sehr an, dass sie immer noch total im Rausch der Eindrücke sind. Und da ist es doch eigentlich ganz gut, wenn man sich dem gar nicht erst aussetzt, sondern Zeit zum reflektieren lässt.

    • donpozuelo permalink*
      5. April 2019 06:42

      Was „Angel“ angeht, höre ich das von vielen „Buffy“ Fans. Das Spinoff wurde nicht so stark verfolgt wie die Mutterserie. Aber ich muss wirklich sagen, „Angel“ ist stellenweise besser als „Buffy“… obwohl beide Serie einfach nur toll sind 😅

      Ja mit den Besprechungen ist das so eine Sache. Ich hab früher auch immer versucht, direkt oder zumindest so schnell wie möglich nach dem Film oder der Serie zu schreiben. Aber ich habe mich dann irgendwann auch dazu entschieden, wenigstens nen Tag zu warten. Stimmt schon, was du sagst: Manchmal ist man dann doch noch zu sehr in den Emotionen des Films gefangen… 😁

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