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Panzerkunst

18. Februar 2019

Der Manga „Battle Angel Alita“ von Yukito Kishiro war eine meiner ersten Begegnungen mit Mangas überhaupt (zusammen mit Katsuhiro Otomos „Akira“, Kentaro Miuras „Berserk“ und natürlich Yoshiyuki Sadamotos „Neon Genesis Evangelion“). „Alita“ ist toll und kann ich auch wirklich nur weiter empfehlen. Es sind auch nur 9 Bände, die man einfach nicht aus der Hand legen kann (das alternative Ende „Last Order“ habe ich nicht durchgehalten…). Als ich damals in meinen jugendlichen Jahren also „Alita“ las, spukte tatsächlich schon das Gerücht herum, dass niemand Geringeres als James Cameron an einer Verfilmung arbeiten würde. Damals stand ich solchen Dingen wie Verfilmungen von Dingen, die mir lieb und teuer waren, sehr, sehr positiv gegenüber (das Alter hat mich da skeptischer werden lassen). Aber dann wurde „Avatar“ so ein Erfolg, dass sich Cameron sofort mit den Fortsetzungen beschäftigte und „Alita“ schien Geschichte. Irgendwo irgendwann fand Cameron dann „Planet Terror“-Regisseur Robert Rodriguez, der nun die zweifelhafte Ehre hat, über 20 Jahre nach der ersten Ankündigung Camerons Traum der Manga-Verfilmung auf die Leinwand zu bringen.

Wir schreiben das Jahr 2563. Willkommen in Iron City, eine Stadt, die einer Müllhalde gleicht, weil sie nicht mehr und nicht weniger als das ist. Über Iron City thront die wohlhabende Stadt Zalem, die einst mit der Erde verbunden  war, nun aber nur noch den Müll auf die Erde fallen und sich von der Erde versorgen lässt. In dieser Müllhalde findet der Cyborg-Wissenschaftler Dr. Ido (Christoph Waltz) einen weiblichen Cyborg mit menschlichem Gehirn. Er setzt den Roboter wieder zusammen und so erblickt Alita (Rosa Salazar) erneut das Licht der Welt. Das junge Mädchen erinnert sich nicht an ihre Vergangenheit, doch ist da etwas Besonderes. Sie beherrscht die geheimnisvolle Panzerkunst, eine Kampfkunst, die schon lange vergessen ist. In Iron City freundet sich Alita mit dem jungen Yugo (Keean Johnson) an, der sich seinen Weg nach Zalem kaufen will. Durch Kopfgeld-Jagd und als Motorball-Spielerin (die Gladiatoren-Kämpfe der Zukunft) versucht Alita, Yugo zu helfen. Und macht sich damit mehr Feinde als gedacht.

„Alita: Battle Angel“ umfasst die Handlung der ersten drei Bände der ursprünglichen Manga… und da haben wir dann schon wieder das größte Problem des Films: Die Handlung ist einfach  zu überfrachtet. Denn Alitas Liebesgeschichte, Yugos Traum, Alitas Vergangenheit, Alitas Arbeit als Kopfgeld-Jägerin, Alitas Karriere als Motorball-Spielerin und die dunklen Machenschaften von Zalem sind einfach etwas zu viel. Die Story spring immer wieder von einer Handlung zur nächsten, ohne sich so wirklich für etwas in Ruhe Zeit zu lassen. Motorball hätte man weglassen und sich nur auf die Yugo-Story konzentrieren sollen. Da hätte man die Kopfgeld-Jagd mit drin und ein bisschen von der Geschichte Zalems. Weniger ist halt manchmal mehr. So haut uns der Film tausend Sachen um den Kopf, die nie richtig zur Geltung kommen.

Dadurch wiederum haben auch die Darsteller ein ganz schön großes Problem die doch sehr oberflächlichen Charaktere mit Leben zu füllen. Mahershala Ali spielt den langweiligsten (weil offensichtlichsten) Schurken, der einfach nur fies dreinschaut und das war’s. Jennifer Connelly, die auch mit dabei ist, darf nur schön sein und mysteriös tun. Selbst ein Christoph Waltz kommt nie so richtig zum Zug, seine Schauspielleistung unter Beweis zu stellen. Am schlimmsten wird’s aber mit Newcomer Keean Johnson. Sein Yugo ist öde, sein Yugo ist nur dazu da, mal sein Shirt auszuziehen. Sein Yugo ist einfach so eine billige Zulage, der verzweifelte Versuch, eine Liebesgeschichte mit einzubauen. In den Mangas funktioniert das gut, weil man sich da Zeit nimmt. Der Film hat diese Zeit nicht und deswegen wirkt es albern, wie schnell sich diese Beiden finden. Einzig und allein Rosa Salazar kann als Alita überzeugen – selbst mit den großen Augen.

Die überfrachtete Story und die uninteressant gemachten interessanten Charaktere (sic!) werden immerhin vor einer wirklich beeindruckenden Kulisse gezeigt. Iron City sieht umwerfend gut aus. Überhaupt ist das CGI in diesem Film auf höchstem Niveau (immerhin etwas, das Cameron nach wie vor gut liefern kann) und die Action-Sequenzen sehen fantastisch aus. Eine ausgeglichenere Story mit guten Charakteren und der schon bestehenden Action hätten „Alita: Battle Angel“ echt gut getan. So wie der Film jetzt ist, möchte ich mal stark bezweifeln, dass der Film eine Fortsetzung bekommt (es sei denn, der asiatische Markt kommt dem Film zur Hilfe).

Wertung: 5 von 10 Punkten (optisch ein Fest, erzählerisch einfach zu nichtssagend)

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