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Random Sunday #12: Red Dead Redemption 2

17. Februar 2019

Ich und Open World Spiele… wir haben eine etwas komplizierte Beziehung zu einander. Ich liebe sie eigentlich, aber es kommt sehr oft irgendwann dieser Punkt, an dem sie mir auch auf den Sack gehen. Ich verliere mich in tausend Nebenquests und vergesse die eigentliche Haupthandlung (ich denke vor allem an dich, Skyrim) oder ich verzweifle an der ewigen Monotonie der ewig gleichen Missionen: Geh da hin, hau den tot und bring mir das. Gleichzeitig liebe ich halt einfach das Erkunden und muss jedem noch so kleinen Fragezeichen auf der Karte auf den Grund gehen. So eine offene Welt ist schon was Tolles, aber sie kann einem auch echt zum Verhängnis werden.

Das dachte ich mir auch, als ich mir „Red Dead Redemption 2“ kaufte und mich mit Arthur Morgan durch den Wilden Westen kämpfte. Aber Pustekuchen! Dieses Spiel wurde etwas ganz Besonderes für mich – am Ende war es kein Spiel mehr, sondern Meditation.

Über das Spiel selbst muss ich ja nicht wirklich viel sagen, oder? Wer das nicht mitbekommen hat, hat vermutlich irgendwo unter einem Stein geschlafen. Zumindest hier in Berlin hing so ziemlich an jeder Ecke ein Plakat, das mich dazu aufforderte, doch endlich mein wahres soziales Leben gegen die virtuelle Kameradschaft einer Räuberbande im Wilden Westen einzutauschen. Was ich nur zu bereitwillig getan habe… ganze vier Monate lang.

Dabei hatte ich – bevor ich anfing zu spielen – schon viel Kritik gehört, dass Spiel wäre irgendwie eintönig und die Missionen schnell langweilig. Ja, wenn man es kritisch beäugen möchte, dann mag das sogar stimmen. Aber für mich war „RDR2“ einfach nur Meditation pur. Ich habe dieses Open-World-Spiel, wie so viele davor, irgendwann gar nicht mehr wegen der Story gespielt. Obwohl… und der kleine Ausflug sei hier erlaubt, die Story wirklich toll ist. Man fühlt vor allem mit Mr. Morgan wirklich mit und ich war auch extrem involviert in die toll geschriebenen Charaktere und die doch sehr abwechslungsreiche Story.

Aber wie gesagt, dafür habe ich es am Ende gar nicht so gefeiert. „Red Dead Redemption 2“ war für mich wirklich Eskapismus pur. Ihr glaubt nicht, wie oft ich selbst abends nach der Arbeit (und ich bin für gewöhnlich eher ein Wochenend-Gamer) den Weg in die Weiten des Spiels gesucht habe. Aber nicht, um Missionen zu erfüllen, sondern einfach nur um zu reiten.

Ich wollte diese wunderschönen Landschaften durchstreifen, dem Sonnenuntergang entgegengaloppieren, mir Wettrennen mit den Rehen im Wald liefern, unter dem Sternenhimmel reiten. Dieses Spiel ist mein Reiterhof gewesen. Ich erinnere mich an jedes Pferd – an Annabelle, an Tyrion, an Mary, an Jennifer und an Molly. Ich erinnere mich, wie ich durch einen fiesen Hinterwäldler-Hinterhalt Annabelle verlor und ich einfach nur ewig lange zu Fuß gelaufen bin, weil ich mir nicht vorstellen konnte, ein anderes Pferd zu haben. Sie war mein erstes Pferd und ihre Erinnerung werde ich immer mit mir tragen. „Red Dead Redemption 2“ hat mich zu einem richtigen Pferde-Jungen gemacht – und ich stehe dazu. Ich habe jedes Pferd gestriegelt und gebürstet, ihm die Haare schön gemacht, es gestreichelt, mit ihm geredet, es gefüttert und aufgepäppelt, wenn es ihm mal schlecht ging. Noch nie zuvor hatte ich in einem Spiel so eine starke Bindung zu einer Ansammlung von Pixeln.

Und deswegen bin ich auch einfach immer wieder gerne zurückgekehrt – einfach nur um die Freiheit zu genießen, ohne Begrenzung durch die Gegend zu reiten. Es ging mir nicht um Ruhm oder um Geld, sondern nur um die Freiheit und mein Pferd. Klingt total verrückt, aber deswegen habe ich dieses Spiel einfach so sehr geliebt.

Natürlich macht es auch einfach nur Spaß, sich durch die Horden von Gegner zu ballern und Gutes zu tun (ich kann nie böse sein in Spielen, die mir die Wahl lassen). Natürlich war die Story spannend genug. Aber am Ende wollte ich nur reiten und reiten und reiten… danke, „Red Dead Redemption 2“ fürs Reiten und Frei-Sein 😉

11 Kommentare leave one →
  1. 17. Februar 2019 17:23

    Das klingt alles sehr toll. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal ein Open-Word-Spiel gespielt. Meine letzte Konsole war der Gamecube und ich war jahrelang weg aus der „Szene“. Nun also GTA V – und ich bin gnadenlos überfordert. Zwar finde ich es durchaus interessant die Welt zu erkunden, doch so richtig viel machen kann man ja auch nicht. Ach, vielleicht bin ich einfach zu alt für den Scheiß… 😉

    • donpozuelo permalink*
      17. Februar 2019 22:22

      Man ist nie zu alt für den Scheiß, da haben die Filme gelogen. Gerade fürs Zocken nicht. Aber ja, GTA V kann schon ein bisschen überfordern. Vielleicht dann doch lieber „Red Dead Redemption 2″… das ist wirklich irgendwie auch einfach entspannend. 😉

      • 18. Februar 2019 05:51

        Hmm, mal sehen, wenn da Spiel schön günstig ist vielleicht. Aktuell komme ich alle paar Wochen mal zum Spielen am WE… 😉

        • donpozuelo permalink*
          18. Februar 2019 16:39

          Ja. Ich bin mittlerweile auch eher zum Wochenend-Zocker geworden. Ist halt nie Zeit da, aber dass muss ich einem Papa ja nicht erzählen 😅

        • 18. Februar 2019 16:46

          Und das Schlimme: Man kann die ganzen USK-18-Titel ja auch nicht spielen, wenn die Kids rumlaufen. Also nachts. Und da bin ich meist zu müde. Schon hart… 😀

        • donpozuelo permalink*
          19. Februar 2019 07:14

          Stimmt. Das kommt ja noch dazu. Es ist schon ein hartes Leben. 🤣

  2. 18. Februar 2019 18:13

    Schöne Namen, die du deinen Tieren gegeben hast ^^
    Habe kürzlich einen interessanten Fakt mitbekommen: Die durchschnittliche Zeit zwischen zwei Ereignissen/interessanten Begegnungen in der offenen Welt ist bei RDR2 doppelt so lang wie bei den meisten anderen Open-World-Games. Erstaunlich, wie ein so kleiner Faktor so viel verändern kann. Und ja, für mich war es auch pure Entschleunigung.

    • donpozuelo permalink*
      19. Februar 2019 07:16

      Das ist wirklich ein interessanter Fakt, den ich aber echt gut nachvollziehen kann. Man will auch einfach in Ruhe reisen. RDR2 ist das erste Spiel, bei dem ich nie eine Form der Schnellreise verwendet habe.

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