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Mein Leben ist ein Hörbuch

6. Februar 2019

Wenn mein Leben ein Film wäre, würde sich den jemand angucken wollen? Wäre ich eine tragische oder eine komische Figur? Und welcher Song würde im Hintergrund laufen? Das, so muss ich gestehen, sind tatsächlich immer mal wieder so ein paar Fragen, die mir in den Kopf kommen – so in den melancholischen Momenten des Lebens. Wie komme ich jetzt auf so merkwürdige Gedanken? Nun, Will Ferrell sei an dieser Stelle gedankt. Seitdem ich „Anchorman“ gesehen  habe, habe ich das Gefühl, ich müsste mich ein bisschen mehr mit Mr. Ferrell beschäftigen. So stieß ich dann auch auf „Stranger than Fiction“ – ein Film, der jetzt so gar nicht in das „Stiefbrüder“-„Anchorman“-Schema von Ferrell passt.

Unter Regie von „Wenn Träume fliegen lernen“-Regisseur Marc Forster wird Ferrell zum Finanzbeamten Harold Crick. Der führt ein langweiliges und eintöniges Leben. Tagein, tagaus immer das Gleiche. Bis er plötzlich eine Stimme hört – eine Frau, die sein Leben beschreibt, als wäre es ein Buch. Und tatsächlich ist diese Frau die Autorin Karen Eiffel (Emma Thompson). Harold ist die Hauptfigur in ihrem neuesten Buch, das sie gerade zu schreiben versucht… und Harold soll sterben. Mit Hilfe des Literatur-Professors Hilbert (Dustin Hoffman) versucht Harold, alles, um sein Schicksal ändern zu können. Schließlich ist dank der Bäckerin Ana (Maggie Gyllenhaal) Harolds Leben wieder ein wenig interessanter geworden.

Mit diesem Film merkt man einfach, dass Marc Forster einfach kein großer Action-Regisseur ist. „Quantum of Solace“ oder „World War Z“ sind da wirklich die besten Beweise für. Forster funktioniert einfach besser, wenn er diese kleinen, feinen Charakter getriebenen Filme machen kann. Da gehört „Stranger than Fiction“ auf jeden Fall dazu, denn dieser Film ist einfach nur wunderschön.

Nur wegen Ferrells bisherigen Filmen dachte ich, das würde der albernste Film aller Zeiten werden – und mit Sicherheit hätte man aus dem Konzept „Hilfe, ich bin die Figur in einem Roman“ einen super albernen Film machen können. Doch Zach Helms Drehbuch, Forsters Regie und Ferrells Darstellung sorgen für einen bewegenden Film – und einen wunderbaren Mix aus Drama, Fantasy und RomCom. Ferrell als die ewig graue, langweilige Arbeiter-Drohne, bei der man sich fragt, wie sie überhaupt morgen aus dem Bett kommt, ist erschreckend und traurig. Doch in dieses Leben kommt ein Farbtupfer mit Maggie Gyllenhaals Ana… und dann eben noch die Erzählerstimme, die alles in ein unheimliches Licht stellt.

„Stranger than Fiction“ hat was. Es ist eine greifbare Geschichte – gerade wegen Ferrells Harold Crick. Und dazu kommt ein Will Ferrell, der, entgegen all meiner Erwartungen, diese Rolle auch mit dem nötigen Ernst beleben kann. Sein Harold Crick hat so eine unausgesprochene Traurigkeit. Ihm ist gar nicht so bewusst, wie öde sein Leben ist, bis die Erzählerin es ihm vorführt, bis er Ana kennenlernt. Ich weiß auch nicht, ich konnte mich gut in diesen Menschen hineinversetzen. Ferrell übertreibt es zu keiner Minute, sondern bleibt der Figur treu. Das hat mich, glaube ich, am meisten beeindruckt. Natürlich sind die anderen Darsteller auch alle umwerfend, aber „Stranger than Fiction“ ist Ferrells Film. Und auch ein Beweis dafür, dass Marc Forster wirklich lieber bei diesen kleinen Filmen bleiben sollte… „Stranger than Fiction“ hat eine wunderschöne Mischung aus Dramatik und Komödie. Man lacht, man möchte weinen und am Ende kommt man doch recht glücklich aus diesem Film.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Ferrell mal ganz ernst ist sehr sehenswert)

2 Kommentare leave one →
  1. 11. Februar 2019 22:08

    Ach ja, bei Will Farrell scheint das immer reine Glückssache zu sein, ob er sich gute oder grottige Drehbücher raussucht. Hier hat er aber auch jeden Fall eines der besten seiner Karriere gewählt. Ich fand vor allem die Verschränkung beider Erzählstränge fantastisch!

    • donpozuelo permalink*
      12. Februar 2019 07:47

      Ich kenne zu wenig von Ferrell, aber will dir das gerne glauben. Wer so viel Klamauk macht, wird auch öfter mal ins Klo greifen.

      Aber ja ein toller Film.

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