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Mr. Shirley und sein Chauffeur

4. Februar 2019

Was ist eigentlich mit Viggo Mortensen passiert? Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich seit „Eastern Promises“ an keine Rolle mehr von ihm erinnern. Dabei macht mich Wikipedia schon darauf aufmerksam, dass ich ihn zuletzt noch in „A Dangerous Method“ gesehen habe (aber der Film gehörte ja eh mehr Michael Fassbender). Doch für mich persönlich verschwand der gute Mortensen von der Bildfläche… nur um dann auf einmal wieder aufzutauchen (wie gesagt, alles meine Einbildung, der Mann war ja trotz allem noch recht aktiv). Als ich den ersten Trailer zu „Green Book“ sah, war ich schon schwer begeistert. Mortensen rief schon da in mir Erinnerungen an Robert DeNiro auf, sodass mein Entschluss feststand, diesen Film unbedingt sehen zu wollen. Worauf ich nicht gefasst war, war schon so früh im Jahr einen meiner absoluten Favoriten für 2019 zu sehen.

Das Negro Motorist Green Book erschien von 1936 bis 1966 und wies Motels und Hotels auf, in denen Afroamerikaner unterkommen konnten (damit sie auch ja nicht auf die Idee kommen, die Weißen in ihren Hotels zu stören). Nach diesem „Green Book“ orientiert sich auch Türsteher und Fahrer Tony Lip (Viggo Mortensen), als er den anerkannten schwarzen Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) auf seiner Tour durch den Süden der USA begleitet.

Diese Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten… Tonys Sohn Nick schrieb das Drehbuch noch unter dem Titel „Love Letters to Dolores“, bevor Regisseur Peter Farrelly dazu kam und es in „Green Book“ umänderte (weil sonst nie ein Mann freiwillig in diesen Film gehen würde, was zwar stimmt, aber der ursprüngliche Name passt einfach auch sehr gut zum Film). Wer jetzt beim Namen Farrelly aufhorcht, dem ging es wie mir. Immerhin steht der Name Farrelly hauptsächlich für so alberne Filme wie „Dumm und dümmer“, „Verrückt nach Mary“ oder „Unzertrennlich“, in dem Matt Damon und Greg Kinnear siamesische Zwillinge spielen. Jupp, Peter Farrelly gehört zu den Farrelly-Brüdern.

Erstaunlicherweise merkt man das „Green Book“ nicht an. Der Film ist einer der schönsten, traurigsten und bewegendsten Filme, den ich seit langem gesehen habe. Der Film führt uns zwei sehr unterschiedliche Männer vor, die eigentlich nicht stereotypischer sein könnten: Der Italoamerikaner Tony ist laut, impulsiv, dumm, aber nicht blöd und ein bisschen rassistisch. Sein Gegenpart ist der hochgebildete, arrogante, in sich gekehrte Afroamerikaner Don Shirley. Hier prallen von Anfang an zwei Welten aufeinander und keiner dieser Beiden ist wirklich sympathisch. Aber Farrelly führt uns auf diesem Roadtrip näher an diese zwei Männer heran.

Wenn Tony mit Don durch die Gegend fährt, hat das ein bisschen was von einer Screwball-Komödie. Tony haut meistens sehr laut drauf, während Don clever und gewitzt kontert. Die Stimmung in dem Wagen ist geladen, aber Farrelly lässt sie nie komplett explodieren. Stattdessen wachsen diese beiden zu Freunden zusammen, die einander die Augen für die Welt des anderen öffnen. Dabei lernen wir viel darüber, wie schwer es gewesen ist, als Afroamerikaner durch den Süden zu reisen und wie dumm die Menschen doch gewesen sind. „Green Book“ hält dabei auf eine unglaubliche Art und Weise die Balance zwischen Komödie und Drama. Es gibt die hellen und die dunklen Momente auf dieser Reise, doch dabei rutscht Farrellys Film nie zu stark in die eine oder andere Richtung. Auch wenn das Thema schwer ist, geht man doch mit einem guten Gefühl aus diesem Film.

Was „Green Book“ aber einfach unschlagbar macht, sind seine Darsteller. Viggo Mortensen spielt sich wirklich die Seele aus dem Leib. Er ist eine perfekte Mischung aus De Niro und Pacino. Mortensen spielt diesen Tony einfach so unglaublich gut. Nach diesem Film gönne ich ihm für diese Darstellung den Oscar, weil er einfach alle Facetten dieser Figur zum Vorschein bringt. Das Gleiche trifft auch auf Mahershala Ali zu, der quasi das Ying zu Tonys Yang spielt. Hier treffen zwei großartige ausgearbeitete Gegensätze aufeinander und ergänzen sich dabei so unglaublich gut, dass man diesen Zwei noch Ewigkeiten weiter zuschauen möchte.

Dazu kommt ein klasse Soundtrack, wunderschöne Landschaftsaufnahmen aus dem Süden der USA und fertig ist ein wirklich umwerfendes Kino-Erlebnis.

Wertung: 10 von 10 Punkten (traurig-schöne Geschichte, die mit viel Liebe und Humor punktet)

10 Kommentare leave one →
  1. 4. Februar 2019 18:25

    Schön, dass dir der Film so gut gefallen hat. Ich stimme dir in den Wesentlichen Punkten zu und bin letztendlich trotzdem nicht ganz so euphorisch wie du. Dennoch ist Green Book auf jeden Fall ein sehr schöner Film.

    • 4. Februar 2019 18:25

      Oh. Und danke, dass du mir neuerdings folgst. 😉

      • donpozuelo permalink*
        4. Februar 2019 19:04

        Bedanke dich bei der WordPress-App, die mir gezeigt hat, dass ich so viel leichter allen anderen folgen und die Artikel lesen und kommentieren kann. Wer hätte gedacht, dass Technik so nützlich sein kann? 😀

        • 4. Februar 2019 19:20

          Wie hast du das denn vorher gemacht? 🤔

        • donpozuelo permalink*
          4. Februar 2019 23:35

          Tatsächlich ganz normal über den Webbrowser. Aber jetzt habe ich mich mal mit der App mehr vertraut gemacht… Und bin schwer begeistert. 😅

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2019 19:03

      Oh ja. Ich habe ein Tränchen am Ende vergoßen. Fand den echt wirklich einfach nur schön.

  2. 4. Februar 2019 20:10

    Als ich den Namen Farrelly las, dachte ich, das war eine zufällige Namensgleichheit handelt und hätte nie im Traum daran gedacht, dass das einer der „Verrückt nach Mary-Farrellys ist.
    Ich bin ziemlich weit bei dir. Ein toller Film mit wirklich Oscar-würdigen Leistung beider Hauptdarsteller. Melancholisch, aber nicht schnulzig, politisch aber dabei nicht einseitig. Ich muss den unbedingt auch noch im Original schauen.

    • donpozuelo permalink*
      4. Februar 2019 23:36

      Der Name Farrelly hat mir auch Angst gemacht. Aber ja, es ist ein wundervoller Film. Und ja, unbedingt im Original gucken. Ich kann mir den gar nicht so recht auf Deutsch vorstellen…

  3. 11. Februar 2019 19:27

    Der steht bei mir auch noch ganz fest auf der „Vor-den-Oscars-im-Kino-sehen“-Liste.
    Wenn du dich seit Eastern Promises an keine von Mortensens Rollen mehr erinnern kann, gebe ich eine große Empfehlung von Captain Fantastic ab. Der ist, wie der Titel schon sagt, ein fantastischer Film.

    • donpozuelo permalink*
      12. Februar 2019 07:46

      Unbedingt gucken. Ist ein toller Film.

      Und danke für den Tipp. 😁

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