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Die Gunst der Königin

30. Januar 2019

Die Oscars sind ja im Moment in aller Munde, aber natürlich wieder einmal, weil sich alle Welt aufregt. Und irgendwie auch wieder einmal zurecht aufregt. Was ein „Black Panther“ unter den Anwärtern für den „Besten Film“ zu suchen hat, ist mir ebenfalls ein absolutes Rätsel. Es war ein „netter“ MCU-Film, aber hat er es nicht einmal im Ansatz verdient, mit den anderen Filmen in dieser Kategorie verbunden zu werden (und wenn wir schon dabei sind… wo waren denn andere viel großartigere Comic-Filme, die eine Nominierung viel eher verdient hätte… husthustLOGANhusthust). Dieses Jahr kann ich das immerhin auch mal wirklich sagen, weil ich wirklich einen Großteil der Nominierten gesehen habe. Mir fehlen nur noch „Vice“, „Green Book“ und „Roma“. Denn „The Favourite“ will ich euch jetzt vorstellen.

Wir schreiben das Jahr 1708. England befindet sich im Krieg gegen Frankreich. Königin Anne (Olivia Colman) sitzt auf dem Thron. Doch mit Regieren hat die Königin nicht sonderlich viel am Hut. Sie spielt lieber mit ihren 17 Kaninchen, kotzt Kuchen (ist wirklich so) oder vertreibt sich anderweitig die Zeit. Politik wird eher durch ihre enge Freundin und Beraterin Sarah Churchill (Rachel Weisz) gemacht, die Ihrer Majestät stets helfend zur Seite steht. Eines Tages erscheint die junge Abigail Hall (Emma Stone) am Hof. Sie ist eine verarmte Kusine von Sarah und hofft auf Anstellung, die sie auch bekommt. Mit Finesse und Intrigen baut Abigail ihre Position am Hof aus und macht Sarah schon bald die Stellung als „The Favourite“ streitig.

Als ich ins Kino ging, bin ich davon ausgegangen, dass nicht sonderlich viele Menschen den Weg in den neuesten Film von Yorgos Lanthimos finden würden. Immerhin ist der exzentrische Grieche nicht unbedingt für jeden etwas. Filme wie „Dogtooth“, „The Lobster“ oder zuletzt „The Killing of a Sacred Deer“ sind spezielle Filme, die ihren ganz eigenen Charme haben, aber halt auch einfach nicht so das Mainstream-Publikum ansprechen. Doch offensichtlich machen die Oscars doch neugierig, schließlich heimste „The Favourite“ zehn Nominierungen ein – für den Besten Film, die Beste Regie und alle drei Darstellerinnen sind ebenfalls nominiert. Dementsprechend war das Kino an einem Freitag Abend auch gefühlt bis zum letzten Platz voll. Was gut für den Film ist, mehr Menschen sollten diesen Film sehen – nicht nur, weil er von allen Lanthimos-Filmen der zugänglichste ist, sondern vor allem, weil er einfach extrem unterhaltsam ist.

„The Favourite“ lebt vor allem durch seine drei wirklich, wirklich großartigen Darstellerinnen. An vorderster Front steht eine umwerfend gute Olivia Colman, die diese Anne so extrem zerbrechlich und dann doch wieder so aufbrausend und stark darstellt. Colman durchläuft mit ihrer Darstellung alle Spektren der Emotionen, verliert sich dabei aber nie darin. Ihre Anne ist skurril, aber extrem interessant. Eine wirklich unglaublich gute Performance. Aber natürlich stehen da Weisz und Stone ihr in nichts nach. Weisz spielt ihre Sarah als eiskalte Macherin, die für alles eine Antwort zu haben scheint. Weisz strahlt Adligkeit allein schon in ihrer Körperhaltung aus, in ihrer Mimik und Gestik. Sie passt perfekt in diese Rolle. Emma Stone spielt sich gefühlt einfach mal selbst: sympathisch, quirrlig – ein junger Wirbelwind, der sich vor allem um sich selbst dreht und dem es egal zu sein scheint, was die Konsequenzen sind, solange sie am Ende obenauf steht. Stone ist ebenfalls super.

Dieses Ensemble der Damen macht diesen Film zu einem echten Erlebnis. Die Dialoge sind super, ihr Intrigen-Spiel ist faszinierend, weil sie dabei auch sehr nachvollziehbar und glaubwürdig sind. Lanthimos fängt das alles sehr packend ein, jede Ecke des Palastes ist ein Fest fürs Auge. Dem Fischauge entgeht nichts, die Kamera rast auf seine Charaktere zu, dreht sich rasant um sie. Auch wenn mal nicht so viel im Bild passiert, wird durch die großartige Kamera-Arbeit von Robbie Ryan selbst das Ruhige zu einem echten Erlebnis.

„The Favourite“ ist jetzt auch schon einer meiner Favoriten für das noch junge 2019. Ein toller Film, ein witziger Film, ein tragischer Film, ein Film mit drei tollen Hauptdarstellerinnen, die unter Lanthimos richtig aufgehen und in ihren Rollen versinken. Wirklich super.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Lanthimos‘ Historien-Dramödie ist absolut sehenswert)

4 Kommentare leave one →
  1. 1. Februar 2019 22:24

    Habe soeben auch meine Meinung veröffentlicht – wir liegen mal wieder auf einer Wellenlänge 🙂
    Freut mich vor allem, dass wir beide anscheinend so begeistert von Colman waren. Für mich auch der absolute Star des Films. Ich fände es eine Frechheit, wenn sie für ihre Queen Anne nicht den Oscar bekommt

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2019 08:51

      Sehr gut. Lese ich mir nach dem Sport gleich durch 😉

      Ich mochte Colman wahnsinnig gern. Die ist aber auch wirklich in gefühlt allen Rollen einfach großartig. Aber wen fandest du von den Nebendarstellerinnen besser? Ich tendiere echt ein bisschen mehr zu Emma Stone, wenn ich ehrlich sein soll.

      • 2. Februar 2019 16:10

        Ich finde es schon sehr schwer, überhaupt zu sagen, wer da Neben- und Hauptfigur ist. Alle drei haben ja den selben Anteil. Wenn ich jetzt aber zwischen Stone und Weisz wählen müsste, könnte ich mich nicht festlegen – beide füllen ihre Rollen optimal aus.

        • donpozuelo permalink*
          3. Februar 2019 00:06

          Das stimmt schon. Weisz hat halt diese Aristokratie super verkörpert… Und Stone war so herrlich quirrlig. Aber ja, die waren beide super.

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