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Der Junge, der durch die Zeit sprang

23. Januar 2019

Ich muss gleich zu Beginn alle enttäuschen (oder beruhigen – je nachdem), die denken, dies wäre ein Artikel zu irgendeiner Art von Fortsetzung zu Mamoru Hosodas wunderbarem Film „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“. Ist es nicht und ich hoffe, es wird auch nie zu einer Fortsetzung kommen, denn dieser Film ist einfach nur perfekt. Nein, heute soll es mal um eine neue Netflix-Anime-Serien-Entdeckungen gehen, die aber nicht einmal auf meinen  Mist gewachsen ist. Vielmehr wurde ich von einem wunderbaren Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass es da eine Serie namens „Erased“ gibt, die ich mir doch unbedingt mal anschauen sollte. Und da konnte ich natürlich nicht „Nein“ sagen, musste mich aber erst durch eine winzige Irritation durchkämpfen, Netflix hat nämlich zwei Serien mit diesem Titel. Doch die Verwirrung war schnell beseitigt, es gibt einmal „Erased“ als Anime-Serie und dann gibt es noch „Erased“, die Real-Verfilmung der Serie. Die wollte ich mir aber nicht antun und werde es nach „Erased“, der Anime-Serie, auch nicht tun.

In „Erased“ lernen wir den jungen Manga-Zeichner Satoru kennen, der eine besondere Gabe hat – immer wenn er einen blauen kleinen Schmetterling an sich vorbeifliegen zieht, weiß er, dass für jemanden Gefahr im Anzug ist. Daraufhin kann er, wie auch immer, in der Zeit zurückreisen und muss versuchen, dieses Unheil zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird und man Satoru dafür verantwortlich macht, reist der junge Zeichner plötzlich 18 Jahre in die Vergangenheit zurück – in eine Zeit, als er noch ein kleiner Junge war und eine seiner Klassenkameradinnen, Kayo, Opfer eines Serienkillers wurde. Satoru muss diesen Mord verhindern und den Täter ausfindig machen, denn nur so, glaubt er, kann er den Mord an seiner Mutter verhindern.

Bevor ich anfange, muss ich ein wenig angeben – und wer mich kennt, weiß, was für ein bescheidener und stiller Kerl ich bin, deswegen muss das schon was Großes sein, wenn ich jetzt damit anfange 😉 Schon sehr früh in der Serie, die nur aus 12 Folgen a 25 Minuten besteht (und dann auch tatsächlich abgeschlossen ist), hatte ich eine starke Vermutung, wer der Mörder sein könnte. Da haben sich also die ganzen True-Crime-Serien und Romane doch gelohnt, den Killer schnell zu erkennen. Na okay, ich habe ihn nicht wirklich erkannt, aber ich hatte einen sehr, sehr starken Verdacht, der sich am Ende auch bewahrheitet hat.

Allerdings möchte ich dann doch nicht alle Lorbeeren einheimsen, sondern den Machern rund um den Autor des Mangas Kei Sambe ein paar davon überlassen. Denn es kommt nicht von ungefähr, dass ich diesen Verdacht hegte. Die Serie baut ihre einzelnen Charaktere so gut auf und bietet uns sehr viele potenzielle Killer, die man alle gegenüberstellen kann. Man wird in dieser Serie wirklich selbst zum Ermittler und geht alle Verdächtigen gemeinsam mit Satoru durch. Das Großartige an der Serie ist aber, dass ich glaube, dass die Macher uns ganz bewusst all diese „falschen“ Fährten legen und schon genau wissen, dass man es relativ schnell durchschaut – und trotzdem schaffen sie es, dass man sich nie so richtig sicher mit seiner Entscheidung fühlt.

Die Geschichte ist einfach unglaublich spannend aufgebaut, spielt dabei gekonnt mit dem Element des Zeitreisens, das clever in die Story mit einbezogen wird. Die ganze Serie ist so ein bisschen, als hätte man „Butterfly Effect“ mit „Back to the Future“ verknüpft und dann noch eine ordentliche Prise „Detective Conan“ dazugegeben. Das Ganze wird dann noch mit stark ausgearbeiteten Charakteren gewürzt und fertig ist eine kleine, feine Mini-Serie, die man so schnell wie möglich durchschaut. Die Serie hat unglaublich viel Gefühl, gerade auch in den Sequenzen mit den Kindern. Da hat jemand es verstanden, Kinder durchaus glaubwürdig zu schreiben. Gleichzeitig ist die Serie aber auch immer wieder sehr unangenehm und geht auch direkt und sehr krass Themen wie häusliche Gewalt gegenüber Kindern an. Das geht manchmal ganz schön an die Substanz. Zum Glück findet „Erased“ aber auch immer wieder die Balance, liefert uns auch wunderschöne, zarte Momente.

„Erased“ ist wirklich eine tolle Serie, ein rasantes Erlebnis, das zum Mit-Ermitteln einlädt und einen nicht mehr loslässt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Rätsel, Gefühle, Brutalität, Zeitreisen – alles in einer Serie, was will man mehr?)

4 Kommentare leave one →
  1. 23. Januar 2019 21:19

    War mir bisher nicht sicher, ob ich die Serie auf meine Liste setzen soll (Netflix wird in letzter Zeit ja geradezu mit Animeserien – guten wie auch schlechten – geflutet). Jetzt weiß ichs aber – danke! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      23. Januar 2019 21:52

      Das stimmt. Die Flut an Animeserien ist echt enorm. Aber „Erased“ kann ich wirklich empfehlen. Zumal es wirklich nur 12 Folgen sind und dann ist es vorbei. Kleine, nette Mini-Serie halt. 🙂

  2. 6. März 2019 20:56

    Den habe ich auch vor einer Weile geschaut und fand den wirklich wunderbar. 😀 Aber war es echt ein blauer Schmetterling? Es ist schon ein bisschen her, daher will ich nicht auf meine Erinnerung pochen. Aber ich meine, dass er immer nur so eine Art Déjà-Vu hatte. Wie dem auch sei … toller Anime, tolle Themen. Auch die des Mädchens, das er beschützt und das damit verbundene Thema der häuslichen Gewalt. Hat mich sehr gerührt. Dafür fand ich leider das Ende etwas hanebüchen und das Character Design der Erwachsenen hat mich irgendwie so gar nicht angesprochen im Gegensatz zu dem der Kids.
    Und … ich will dir deine Illusion nicht nehmen, aber ich hatte auch so ungefähr zu der Zeit eine Ahnung wer der Mörder ist 😉 Vllt ist es gar nicht sooo schwer zu erraten. Ich stelle mir gern bei Serien die Frage, wer so gut und so unauffällig und so normal ist, dass es für den Zuschauer total der Twist wäre und dann ist es frappierend oft diese Person…

    • donpozuelo permalink*
      6. März 2019 23:35

      Ich glaube, es war wirklich ein Schmetterling…

      Und ja, ich geb dir Recht. Das Finale war wirklich etwas an den Haaren herbei gezogen. Aber der Rest war einfach nur toll und wirklich sehr gut inszeniert.

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