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Herr Glass und die Supermenschen

21. Januar 2019

Ich war nicht der größte Fan von M. Night Shyamalans „Split“. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die mir aus diesem Film in Erinnerung geblieben sind: Einmal die unglaubliche gute Performance von James McAvoy. Ob er nun eine strenge Frau, einen neunjährigen Spitzbuben oder ein übernatürliches Monster spielt, er macht es einfach verdammt gut. Zum anderen war doch noch dieser Moment am Ende, diese winzige Mid-Credit-Scene, in der auf einmal Bruce Willis in einem Diner sitzt. Ich war damals mit zwei Kollegen im Kino zu einer Pressevorführung und den wenigen erstaunten Schnaufern entnahm ich, dass ich nur einer von sehr wenigen war, der sofort wusste, was es damit auf sich hat. Nach dem Film durfte ich dann erst mal erklären, was es mit Bruce Willis auf sich hat… dass es ja da diesen einen Film gab, in dem M. Night Shyamalan nach „The Sixth Sense“ versuchte, seine eigene Version einer Superhelden-Geschichte zu erzählen. „Split“ war also eine Weiterführung der Geschichte aus „Unbreakable“ – und mit „Glass“ führt Shyamalan nun beide Filme zusammen.

„Glass“ setzt nur wenige Wochen nach den Ereignissen von „Split“ an. Kevin, Dennis und der ganze Rest der Horde (James McAvoy) wüten noch immer draußen herum. Doch dieses Mal ist David Dunn (Bruce Willis) ihnen auf den Fersen. Gemeinsam mit seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark), der für ihn die Oracle spielt und ihm Hinweise zuspielt, macht David Jagd auf die Horde. Allerdings ist noch jemand unterwegs, um diese vermeintlichen Supermenschen zu fangen: Die Psychiaterin Ellie Staple (Sarah Paulson). Es gelingt ihr, sowohl David als auch die Horde zu fangen und einzusperren. Nun beginnt sie ihre Therapie, um diesen beiden klar zu machen, dass sie sich das alles nur einbilden. Ach ja, und einen dritten Patienten hat sich natürlich auch noch: Mr. Glass (Samuel L. Jackson). Alle drei an einem Ort… das kann doch keine gute Idee sein, oder???

Ich sage es mal gleich vorweg: „Unbreakable“ bleibt für Shyamalan unerreicht. Trotzdem ist „Glass“ ein würdiger Abschluss, der allerdings nicht ganz ohne Schwierigkeiten daher kommt. Die zeigen sich vor allem in der ersten Hälfte des Films, was es echt schwer macht, sich wirklich auf den Film einlassen zu können. Dabei fängt alles noch vielversprechend an: Gerade David Dunn in Aktion zu sehen, ist schon ziemlich cool. Doch sobald die nette Sarah Paulson ins Spiel kommt, geht leider alles den Bach runter. Ab dem Zeitpunkt wird „Glass“ echt zu einem absoluten Geduldsspiel, das darauf besteht, dass Paulson immer und immer wieder ihr Pseudo-Psychiatrie-Gelaber in die Kamera quatscht und in unendlichen Sitzungen mit ihren drei Patienten versucht, diese davon zu überzeugen, dass sie gar nicht so super sind, wie man meinen möchte. Das hat für mich alles gar nicht funktioniert. Da kommt sämtliche Spannung und einfach mal die komplette Handlung zum Stoppen. Das ist einfach langweilig und wird viel zu lange hinausgezögert… zumal Samuel L. Jackson in der ersten Hälfte einfach mal nur katatonisch in seinem Rollstuhl hockt und nichts macht. Wie kann man einem Mann wie Jackson so etwas zumuten???

In dieser Zeit kann man sich eigentlich nur ein wenig an dem unglaublichen Talent von James McAvoy erfreuen. Dank einer tollen Lichttherapie kann man bei ihm im Sekundentakt neue Persönlichkeiten hervorlocken und das ist einfach nur großartig.

Aber gut, irgendwann nimmt „Glass“ dann auch endlich Fahrt auf – eben dann, wenn der liebe Mr. Glass aus seiner Katatonie aufwacht. Dann wird „Glass“ das, was ich mir gewünscht habe: ein cleverer Comic-Film, der so wunderbar nerdig und  meta ist, dass es einfach nur Spaß macht, zu sehen, wie sich die Ereignisse langsam entfalten. Und klar, wer ein Comic-Kenner ist, wird vielleicht nicht so wahnsinnig toll überrascht, aber es ist dennoch sehr unterhaltsam. Und wie gesagt, Samuel L. Jackson als Mr. Glass ist einfach nur sehr cool. Bruce Willis dagegen merkt man irgendwie an, dass er alt geworden ist und einfach nicht mehr so den Elan hat. Zum Glück gelingt es Shyamalan in einigen Szenen noch ein bisschen was aus ihm heraus zu kitzeln, ansonsten gehört dieser Film McAvoy und Jackson. Blöd nur, dass der fade Nachgeschmack von wirklich lahmen Anfang noch hängen bleibt.

Ich habe es zu Beginn schon erwähnt: „Glass“ ist ein guter Abschluss für die Trilogie, liefert in der zweiten Hälfte auch schöne kleine Twists, ist insgesamt also durchaus schaubar 😉 Das Ende lässt natürlich auch wieder mehrere Möglichkeiten offen, um das Ding bis in alle Ewigkeit auszuschlachten, aber hoffen wir mal, dass Shyamalan die Rechte schön bei sich behält.

Wertung: 6 von 10 Punkten (schöner Abschluss, aber „Unbreakable“ hätte auch gereicht)

4 Kommentare leave one →
  1. 21. Januar 2019 11:35

    Also mir hat die erste Hälfte richtig gut gefallen und dann fing er an zu schwächeln, vielleicht weil er zu lang ist. Sarah Paulson ist für mich auch der große Schwachpunkt des Films. Eigentlich mochte ich sie immer, aber hier hätte ich sie an die Wand werfen können.
    Was hat sich Herr S. nur dabei gedacht.
    Wenigstens hatte er selbst eine nette Cameo :))

    • donpozuelo permalink*
      21. Januar 2019 17:30

      Hahaha… Also genau anders rum. So oder so hatten wir nur mit einer Hälfte des Films Spaß. Immerhin hätten wir beide zusammen richtig Spaß mit dem Film 😀

      Ich mag die Paulson eigentlich auch sehr. Aber dieser Film war nichts für sie. Die Rolle war aber auch einfach nicht gut geschrieben.

      Shyamalans Cameo war wirklich witzig.

  2. 24. Januar 2019 08:14

    Ich bin da eher bei dir, ich fand auch die erste Hälfte etwas lahm. Sicher, da wollte man die Spannung etwas aufbauen, bevor die Superhelden aufeinander treffen, es wirkte aber trotzdem äußerst ziellos.

    Trotzdem aber ein guter Film, ambitionierter und interessanter als vieles aus dem 08/15 Marvel-Universum. Das er sich etwas an seinen eigenen Ambitionen verhebt ist schade.

    • donpozuelo permalink*
      24. Januar 2019 10:19

      Danke. Am Ende des Films merkt man zwar, dass der Anfang durchaus seine Berechtigung hat, aber dennoch wirkt es sehr schleppend.

      Und ja, aus dem 08-15-Marvel-DC-Kram sticht der schon gut hervor. Ist halt einfach mal was anderes…

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