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Der Ruf des Goldes

14. Januar 2019

Seit nun knapp dreieinhalb Monaten bin ich damit beschäftigt, „Red Dead Redemption 2“ zu spielen. Dass ich so lange brauche, liegt nicht nur daran, dass das Spiel eine riesige Welt bietet, die es zu erkunden gilt. Es liegt vor allem daran, dass ich manchmal einfach nur durch die Gegend reite. Sobald ich das Spiel durch habe, werde ich ihm sicherlich einen „Random Sunday“ widmen, aber so viel sei schon mal gesagt, es hat irgendwie etwas sehr meditatives. Seit über drei Monaten bin ich nun also schon als Cowboy unterwegs, da war es auch einfach mal an der Zeit, sich einen Western anzuschauen. Bei der Auswahl half mir der Zufall… ich habe vor einiger Zeit mit meinem Papa „The Good, the Bad and the Ugly“ geguckt, einer seiner Lieblingsfilme. Doch da war es schon verdammt spät und irgendwann bin ich einfach weggepennt – und habe den Film am nächsten Tag einfach nicht weiter geguckt. Letztens suchte ich dann nach einem Film in meinem Regal und da stand in der Bluray-Sektion (noch in Folie verpackt) „The Good, the Bad and the Ugly“. Ich kann nicht sagen, woher ich diesen Film habe, wann ich ihn gekauft oder geschenkt bekommen habe, aber egal… ich nahm das als Zeichen und habe mir Sergio Leones Abschluss seiner Dollar-Trilogie endlich von Anfang bis Ende angeschaut.

Die Geschichte ist recht schnell erklärt: Wir hätten einmal „The Good“, das ist der Mann ohne Namen oder wie er hier liebevoll genannt wird: „Blondie“ – gespielt von Clint Eastwood. Dann hätten wir da „The Bad“, Lee van Cleef spielt den eiskalten Kopfgeld-Jäger Angel Eyes. Und zum Schluss gibt’s natürlich noch „The Ugly“, der mexikanische Revolverheld Tuco (Eli Wallach). Blondie und Tuco verdienen eine Zeitlang zusammen ihr Geld, indem sie immer wieder das Kopfgeld für Tuco einsacken und der Blonde ihn dann mit einem gezielten Schuss durchs Seil vor dem Tod am Galgen rettet. Doch Freundschaft hält in dieser Welt nicht lange an… dennoch kreuzen sich die Wege der Beiden immer wieder – vor allem, als sie auf der Suche nach versteckten 200.000 Dollar in Gold sind. Auf der Suche nach dem Gold treffen sie auch immer wieder auf Angel Eyes, der seine Engelsäuglein auch auf das Geld gerichtet hat.

Ich muss gestehen, das dies erst mein zweiter Sergio-Leone-Film ist. Ansonsten kenne ich halt nur „Spiel mir das Lied vom Tod“. Diese Kenntnis hätte mich eigentlich darauf vorbereiten sollen, was mich in „The Good, the Bad and the Ugly“ erwarten würde. Aber gegen „TGTBATU“ stinkt „SMDLVT“ ja schon ein bisschen ab. Versteht mich nicht falsch, es sind beides grandiose Filme, aber gerade dieser Film ist einfach nur der Hammer.

„The Good, the Bad and the Ugly“ hat alles, was so ein guter Spaghetti-Western braucht: Es gibt die unglaublichen Totalen, in denen der kleine Reiter fast untergeht. Es sind diese Totalen, die uns die Trostlosigkeit des Westens offenbar und dabei gleichzeitig auch irgendwie einfach nur schön aussehen. Hier reitet zwar niemand romantisch in den Sonnenuntergang, sondern leidet eher unter der brennenden Sonne, aber die Bilder sind trotzdem der Hammer. Es gibt dann natürlich auch das Gegenteil dazu: diese extremen Clos-Ups, in denen wir jede Pore, jede Schweißperle, jede Augenbewegung sehen können, jedes Zweifeln, jedes Berechnen des Gegners.

Am Ende gibt’s ein großartig inzeniertes Mexican Standoff in einem Friedhof, zwischendurch garniert Leone die Jagd nach dem Gold noch mit dem Terror des amerikanischen Bürgerkrieges, der Sinnlosigkeit des Kämpfens und der Grausamkeit der Gefechte. „The Good, the Bad and the Ugly“ ist somit also viel mehr als nur ein Western (oder besser gesagt, ein Anti-Western, da er ja keine John-Wayne-artige Feier des Wilden Westens ist). Dieser Film ist brutal, dreckig und einfach nur großartig.

Clint Eastwood spielt den Blonden gut (und ich kann das als Blonder ja besonders gut nachvollziehen). Lee van Cleef ist ein herrlich fieser Schurke, aber der, der allen die Show stiehlt, heißt in diesem Film Eli Wallach. Ich habe gelesen, dass Leone und Wallach sich blendend verstanden haben sollen und das merkt man an diesem Film. Während Eastwood und van Cleef gute Performances abliefern, überstrahlt Wallach doch alles. Sein Tuco ist die einzige wirklich tiefgründig ausgeführte Person in diesem Film. Er war mein persönlicher Held in diesem Film (wenn man denn Betrüger und Räuber und Mörder als persönliche Helden haben darf). Allein für Wallachs Tuco lohnt sich dieser Film schon.

Nicht zu vergessen: Ennio Morricones großartiger Soundtrack. Ich kannte das Main Theme ohne wirklich zu wissen, aus welchem Film es stammt. Auch Morricones „The Ecstasy of Gold“ dürfte man kennen (vor allem Metallica-Fans). Die Musik ist einfach der Hammer, simpel und scheinbar einfach, aber doch so unglaublich effektiv. Morricone und Leone waren in diesem Bereich schon echt ein verdammt gutes Team.

Was soll ich abschließend noch sagen? Ein großartiger Film: Tolle Bilder, tolle Darsteller, tolle Story… jetzt muss ich mir dann doch mal die ersten beiden Filme der „Dollar-Trilgoie“ anschauen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein wahrhaft wilder Ritt… verständlich, dass das einer von Tarantinos Lieblingsfilmen ist)

12 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2019 17:55

    Jajaja, ein großartiger Film, der in jede Top 10 der besten Filme ever gehört :))

  2. 15. Januar 2019 11:17

    Ein Film der ganz sicher die Bezeichnung „Großes Kino“ verdient. Atmösphärisch geschlossen, gut gespielt und trotz seiner Länge durchgehend spannend. Legendär 😊

    • donpozuelo permalink*
      15. Januar 2019 20:17

      Absolut korrekt!!! Wirklich legendär… wirklich „großes Kino“. Das ist die Art von Film, die ich gerne mal im Kino sehen würde.

      • 15. Januar 2019 20:24

        Bei uns gibt es zum Glück ein Kino, dass sonntags häufiger Klassiker im Original auf der großen Leinwand zeigt. Vielleicht einfach mal in deiner Gegend umschauen 😊

        • donpozuelo permalink*
          15. Januar 2019 20:28

          Das haben wir hier auch… da halte ich auch schon immer brav Ausschau, denn es gibt schon so ein paar Klassiker, die ich nur zu gerne mal auf der großen Leinwand sehen würde.

  3. 19. Januar 2019 20:01

    Dieses Finale auf dem Friedhof hat sich auf ewig in mein Gedächtnis gebrannt.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2019 10:37

      Oh ja. Das ist wirklich einfach gut.

  4. 10. Februar 2019 18:23

    Haha, wie spielt man denn einen Blonden besonders gut? 😉
    Tatsächlich sind Western ja so ziemlich das einzige Genre, dass ich nicht wirklich schaue. Im Sommer wollte ich das mal ändern und mir ein paar genehmigen … der landet auf der Liste. 🙂 Sieht nach einer Wissenslücke aus, die ich mal schließen solle

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2019 21:15

      Indem man besonders blond ist. Ich habe da Erfahrung. 😂

      Ja. Diesen Film auf jeden Fall. Der gehört nach ganz oben. Falls du noch weitere brauchst, sag Bescheid

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