Zum Inhalt springen

Per Stadt unterwegs

9. Januar 2019

Was macht eigentlich Peter Jackson? Nach der Hobbit-Reihe wurde es erst einmal ein bisschen ruhiger. Dabei warte ich immer noch sehr ungeduldig darauf, dass er mir endlich die versprochene Fortsetzung zu „Tim und Struppi“ abliefert. Deswegen war ich erstaunt, als ich mitbekam: „Oh, ein neuer Film von Peter Jackson läuft in den Kinos!“ Doch Pustekuchen. Das war einfach nur wieder so ein toller Marketing-Gag, den Film eines unbekannten Regisseurs mit dem sehr viel bekannteren Namen des Produzenten (in diesem Fall halt Jackson) zu bewerben. Obwohl Peter Jackson „Mortal Engines“ nicht nur produziert hat, sondern auch noch das Drehbuch dazu verfasste – zusammen mit seiner Partnerin Fran Walsh. Die beiden haben ja auch schon „Der Herr der Ringe“ und eben „Der Hobbit“ verfasst. Leider zeigte sich schon in „Der Hobbit“, dass ihre Drehbücher nicht mehr so der Hammer sind. Mit „Mortal Engines“ haben die beiden aber jetzt einen sehr krassen Tiefpunkt erreicht.

Irgendwann in der Vergangenheit vernichtete der Sechzig-Minuten-Krieg die Erde, wie wir sie kennen. Die Überlebenden hausen jetzt auf fahrenden Städten und versuchen, der kargen Erde noch irgendwas lebenswertes abzugewinnen. London ist mittlerweile eine riesige Raubstadt geworden, die andere fahrende Städte verschluckt. In London arbeitet der junge Tom (Robert Sheehan) im Museum. Eines Tages kann er einen Anschlag auf Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) verhindern – eine wichtige Figur in London, ein Forscher, der versucht, eine neue Energie-Quelle zu finden. Die Attentäterin ist die junge Hester (Hera Hilmar), die Valentine für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht. Daran scheint tatsächlich was dran zu sein, denn Valentine stößt Tom von der Stadt, woraufhin der sich mit Hester zusammentun muss, um Valentine zu stellen.

„Mortal Engines“ basiert auf den Jugend-Romanen Philip Reeve und stellt offensichtlich einen weiteren Versuch da, das Loch zu füllen, dass durch „Die Tribute von Panem“ entstanden ist. Doch „Mortal Engines“ wird (hoffentlich) nicht weitergeführt werden… denn dieser erste Film ist eine reine Katastrophe. Vielleicht die einzig gute Sache vorweg, die man zu diesem Film sagen kann: Die Special Effects sehen verdammt gut aus. Die fahrenden Städte sind unglaublich detailverliebt und erzählen allein durch ihre Design ganz eigene Geschichten. Regisseur Christian Rivers kennt sich mit Effekten ja aus, immerhin gewann der Special-Effects-Mann für Jacksons „King Kong“ den Oscar in dieser Kategorie.

Doch damit hört es auch schon auf. Rivers‘ Erstlingswerk als Regisseur ist erzählerisch einfach nur ein absoluter Reinfall. Ich habe einfach nichts verstanden. Ich habe einfach nichts nachvollziehen können und ich hatte am Ende des Films einfach viel zu viele Fragen. Rivers hat es nicht geschafft, mir diese postapokalyptische Welt schmackhaft zu machen. Warum gibt es diese fahrenden Städte? Wie sind sie entstanden? Warum kam es zu diesem Sechzig-Minuten-Krieg? Warum hassen sich die Menschen so? Was hat es mit dieser  komischen Mauer auf sich? Warum wird nicht einfach die Technik, die in diese Maschinen-Städte fließt, genutzt, um normale Städte zu bauen? Was sollte dieser merkwürdige Roboter-Mann, der Hester verfolgt (und bei dem sich eine komplett eigene Geschichte verbirt, die der Film auch nur kurz ankratzt). Irgendwie hat einfach nichts in diesem Film einen Sinn ergeben und ich hatte echt das Gefühl, ohne das Vorwissen der Bücher braucht man sich diesen Film einfach nicht anschauen.

Mich würde wirklich mal interessieren, wie jemand, der die Bücher mag, diesen Film findet.

Die Schwächen der Handlung können leider auch die Darsteller nicht ausbügeln. Gerade das Hauptdarsteller-Pärchen mit Hera Hilmar und Robert Sheehan hätte mir nicht egaler sein können. Die beiden haben sich zwar sichtlich Mühe gegeben, aber da gab es einfach eine Chemie zwischen den Zwei. Das Drehbuch hüpfte da einfach nur brav von einem Klischee zum nächsten und hoffte darauf, das man das einfach so schluckt. Die ganze Story ist sehr, sehr dünn und wird am Ende in einem Action geladenen Finale ertränkt, bei dem man dann gar nicht erst dazu kommen soll, über die ganzen Fragen nachzudenken, die man immer noch hat.

„Mortal Engines“ hat irgendwie eine nette Idee, die in den Büchern ja auch zu funktionieren scheint (sonst gäbe es ja nicht so viele davon). Doch der Film konzentriert sich zu sehr auf sein schönes Aussehen und vernachlässigt dabei auf schändlichste Art und Weise das Story-Telling. Was war da los, Mr. Jackson???

Wertung: 2 von 10 Punkten (stinklangweilig, voller Klischees und für Nicht-Buch-Kenner einfach komplett unverständlich)

6 Kommentare leave one →
  1. 9. Januar 2019 09:19

    Am Freitag erscheint meine Kritik zu Buch und Film!
    So viel vorweg: das Buch ist nochmal wesentlich schlechter als der Film…

    • donpozuelo permalink*
      9. Januar 2019 13:32

      Oh Gott. Ernsthaft? Das geht? Du willst mir also wirklich sagen, dass der Film „gut“ ist? Auweia… 😀

      • 9. Januar 2019 13:43

        Gut habe ich nicht gesagt. Ich sagte besser als das Buch 😉

        • donpozuelo permalink*
          9. Januar 2019 15:17

          Ja. Aber damit ist der Film ja in einer gewissen Hinsicht schon wieder gut. Und das ist gruselig. Ich frage mich dann echt, wie es so viele Bücher zu diesem Quatsch geben konnte. Da wird aber schon ein bisschen mehr über diese Welt gesagt, oder?

        • 9. Januar 2019 15:58

          Nope. Im Film wird teilweise sogar mehr gezeigt/gesagt.
          Also es muss Fans der Bücher geben, aber ich kann es nicht nachvollziehen

        • donpozuelo permalink*
          9. Januar 2019 17:08

          Krass. Auf jeden Fall schon mal danke für den Leser-Einblick. Bin mal auf deine Kritik gespannt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: