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Ich bin dein Bestimmer!

2. Januar 2019

Willkommen im Jahr 2019. Das Jahr, in dem „Blade Runner“ spielt. Das Jahr, das verregnet angefangen hat und sich so gar nicht wie die Zukunft anfühlt. Aber hey, was gibt es besseres als das Jahr mit einer neuen, wunderartigen Form der Unterhaltung zu beginnen. Einer Form, die jeder gerade abfeiert ohne Ende, als hätte Netflix gerade das Rad neu erfunden. Natürlich ist hier die Rede von der Super-Sonder-Ausgabe von „Black Mirror“ – dem interaktiven Film „Bandersnatch“. Das ist wie in den alten Lustigen Taschenbüchern, wo man sich den Ausgang seiner Geschichte selbst wählt. Nur eben als Film / Video-Spiel. Aber ist das jetzt wirklich so das Non-Plus-Ultra???

Der junge Programmierer Stefan (Fionn Whitehead) will aus dem Roman „Bandersnatch“, in dem der Leser über den Verlauf und den Ausgang der Geschichte selbst entscheiden kann, in den frühen 80er Jahren ein Video-Spiel machen. Doch Stefans Arbeit geht nur mühsam voran – zumal der junge Mann sich auch noch immer für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht… und sich mehr und mehr in seinem eigenen Spiel verliert.

Der erste interaktive Film also… obwohl das irgendwie auch nicht so ganz stimmt. Denn für  mich wird der erste interaktive Film immer noch der PS3-Klassiker „Heavy Rain“ bleiben. Das war ja wirklich kein Spiel im Sinne eines Spiels, sondern wirklich mehr ein Film, bei dem man zwischen durch mit Hilfe von Entscheidungen oder (furchtbar nervigen) Quicktime-Events in die Handlung eingegriffen hat. Deswegen weiß ich auch nicht so wirklich, ob ich „Bandersnatch“ jetzt wirklich als Film oder doch eher als Spiel bezeichnen soll. Es ist halt beides und dabei nicht sooo aufregend, wie ich erhofft hatte.

Ich habe mit „Black Mirror“ ja nach Staffel 3 erst einmal aufgehört, weil ich es einfach nicht mehr so aufregend fand. Es sah alles immer noch gut aus und die Ideen waren ziemlich cool, aber meistens störte mich irgendwas an der Umsetzung. Das Gleiche kann ich mehr oder weniger auf „Bandersnatch“ anwenden.

Erst einmal sieht der Film cool aus. Er schwimmt gekonnt auf der 80er-Jahre-Welle mit der Musik, den Outfits, den Häusern, den alten Computern und der wunderbaren Pixel-Grafik der gezeigten Video-Spiele. Fionn Whitehead, den ich bislang nur aus „Dunkirk“ kannte, spielt die Rolle des Stefan auch echt gut. Wir sind immer live dabei, wenn er nach und nach mehr und mehr an seiner eigenen Wahrnehmung zweifelt. Whitehead trägt den Film als unsere persönliche Puppe und er macht seine Sache hervorragend.

Dennoch hat mich „Bandersnatch“ nicht so krass vom Hocker gehauen. Es war mal eine coole Erfahrung, den Film quasi selbst steuern zu können, aber die Story hat es nicht wirklich großartig vorangetrieben. Ich weiß auch nicht, irgendwie hätte ich mir das Ganze noch ein wenig abgedrehter vorgestellt. Es gibt eine Szene, in der Stefan LSD nimmt… doch einen verrückten Trip a la „Fear and Loathing in Las Vegas“ gab es dann doch nicht. Auch das Video-Spiel-Thema an sich wurde meiner Meinung nach sehr vernachlässigt, weil man gerade daraus doch noch sehr viel mehr machen können. Hätte das Spiel in diesem Film / Spiel nicht auch  noch größere Auswirkungen haben können? Schließlich wird der Film irgendwann meta genug, dass Stefan glaubt, er wird gesteuert (einmal kann man ihm sogar sagen, dass man ihn gerade per Netflix steuert). Aber hätte man das nicht schon auf ihn und sein Spiel beziehen können?

So wirklich aufgesogen hat mich „Bandersnatch“ nicht. Ja, ich habe ein paar der verschiedenen Enden „durchgespielt“, aber die Story ist einfach nicht so berauschend, dass ich es jetzt dringend noch einmal von Anfang an erleben muss. Als reine Standalone-Folge wäre das vielleicht doch besser gewesen, weil man sich da erzählerisch mehr hätte austoben können. Als interaktiver Film war es nett, aber leider auch nicht mehr. Ich möchte wirklich meinen, dass man da aus dem Konzept etwas noch sehr viel verrückteres hätte machen können. So ist „Bandersnatch“ etwas handzahm, aber nicht mehr.

Ein netter erster Versuch, aber irgendwie sehe ich das ähnlich wie 3D im Kino: Für mich persönlich kann man das ruhig gerne wieder abschaffen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (hoffentlich ist das nicht wirklich die Zukunft der Unterhaltung – ich will meine Filme getrennt von meinen Spielen)

2 Kommentare leave one →
  1. 2. Januar 2019 22:36

    Ich habe jetzt mal nur dein Fazit gelesen, weil ich mich nicht mal ansatzweise spoilern will. Ich will mich da schon seit Tagen rantrauen, aber schaffs irgendwie nicht, den richtigen Zeitpunkt zu finden… Finde die Idee aber prinzipiell spannend, da ich den sogenannten interaktiven Filmen im Gamesbereich sehr positiv gegenüber stehe.

    • donpozuelo permalink*
      3. Januar 2019 17:55

      Die Idee ist auch spannend. Nur ich würde dann doch eher bei den Games bleiben, die ja ohnehin schon interaktive Filme sind. BANDERSNATCH schwächelt halt dann irgendwann doch sehr an der Story. Aber es ist auf jeden Fall ein interessantes Experiment.

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