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Der Parasit und ich

12. Dezember 2018

Ach ja, die Superhelden. Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, aber so langsam geht mir da echt die Puste aus. So ganz langsam kann ich es wirklich nicht mehr sehen… und trotzdem gucke ich mir doch gefühlt noch jeden Mist davon an. Es ist aber auch irgendwie eine kleine Sucht, vielleicht die Hoffnung, dass irgendwer irgendwo doch noch einen guten Film macht. Ich habe ja auch die leise Hoffnung, dass sich nach „Avengers – Endgame“ DC als neuer Garant für halbwegs gute Comic-Filme zeigen wird. „Shazam“ sieht ja mal nach was etwas Neuerem aus und Joaquin Phoenix als „Joker“ stelle ich mir auch sehr unterhaltsam vor. So gaaaanz ganz langsam müssen sich die Comic-Verfilmungen einfach mal verändern. So wie in jedem Genre nutzt sich das Formelhafte halt einfach extrem ab. Es wird Zeit für Regisseure, die der Formel mal gekonnt entgegen wirken. Bislang hat das eigentlich nur „Logan“ geschafft… aber zumindest sieht man da ja, dass es durchaus möglich ist. Schön wäre es… denn nachdem ich jetzt endlich auf den letzten Drücker doch noch „Venom“ gesehen habe, wünsche ich mir einfach wirklich sehr viel mehr. Denn das, was Sony hier abgeliefert hat, ist eine kleine Katastrophe.

Super-Journalist Eddie Brock (Tom Hardy) bekommt die Möglichkeit, den Wissenschaftler Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) zu interviewen. Ihn will er mit Vorwürfen von Experimenten an Menschen konfrontieren, verliert dabei aber seinen Job und seine Verlobte Anne (Michelle Williams). Sechs Monate später schafft er es dank einer Mitarbeiterin von Drake doch noch, in dessen Labore einzubrechen. Hier wird an außerirdischen Parasiten geforscht – und einer davon landet an und in Eddie. Doch der Parasit ist gar keiner, sondern ein Symbiot namens Venom, der Eddie hilft (weil er auf seinem Planeten ein Loser wie Eddie war – jupp, das ist die Begründung). So kämpfen sie dann beide gegen Drake…

Das Beste an „Venom“ ist die Tatsache, dass der Film insgeheim eine alte, ziemlich verrückte Fan-Theorie eigentlich so halb bestätigt. Erinnert ihr euch noch an den Film „Life“ mit Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal? Die haben es doch im All mit einem merkwürdigen Organismus zu tun, der ein bisschen aussieht wie der Venom-Symbiot. Viele gingen damals davon aus, dass das so eine Art Prequel für „Venom“ gewesen ist. Lustigerweise heißt nun in diesem Film Drakes Organisation „Life Foundation“. Lustiger Zufall oder doch geplant? Lasst die Verschwörungstheorien beginnen…

… die wären dann noch das Interessanteste an diesem Film, der aus Venom nicht wirklich was macht. Der Film braucht Ewigkeiten, um Venom überhaupt richtig einzuführen – sprich: „Venom“ ist einmal mehr einfach nur die typische und leider ziemlich langweilige Origin-Story für einen Superhelden, aus dem man so viel mehr hätte machen können. Schließlich war Venom schon so ziemlich alles: Schurke, Held und Antiheld. In diesem Film ist er ein Loser von einem anderen Planeten, der auf der Erde einen neuen Loser findet und sich deswegen mit ihm „anfreundet“. Ernsthaft jetzt? Das ist die große Idee für „Venom“ gewesen??? Das ist doch echt furchtbarer Mist. Da hatte Topher Grace als Venom  in „Spider-Man 3“ mehr Tiefgang.

Selbst ein Tom Hardy kann da nicht wirklich viel retten. Er ist zwar sympathisch, aber ich weiß nicht… seine „Selbstgespräche“ mit Venom sind eher albern als interessant. Und eigentlich kommt Hardy nie so richtig dazu, seinen Eddie zu entwickeln. Aber das ist ein Schicksal, dass alle Charaktere und Darsteller betrifft. Michelle Williams ist komplett, komplett verschwendet und „Rogue One“-Star Riz Ahmed liefert einen derart langweiligen Bösewicht ab, dass man ihn eigentlich schon während des Films wieder vergisst.

Was den Haufen Mist, der sich da „Venom“ nennt, dann so richtig schön stinken lässt, ist das furchtbare CGI. Venom selbst sieht einfach nur gruselig aus – und nicht im positiven Sinn. Da komme ich wieder zu Sam Raimi zurück, dessen Venom fand ich da optisch schon fast ansprechender. Und wenn sich dann am Ende des Films zwei Symbionten (ja, sorry, Spoiler) prügeln, verliert sich das Geschehen in einem furchtbaren CGI-Rotz aus flüssiger Alien-Kotze. Keine Ahnung, das war einfach nur furchtbar – und da möchte man doch meinen, dass das heutzutage besser aussehen könnte.

Einzig und allein die Mid-Credit-Scene von „Venom“ ist spannend… und lässt vielleicht doch noch ein bisschen hoffen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (dann doch lieber „Spider-Man 3“ )

7 Kommentare leave one →
  1. 14. Dezember 2018 10:35

    Scheint ja eine kluge Entscheidung von mir gewesen zu sein, den Film im Kino liegen zu lassen…

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2018 10:43

      Oh ja. Eine sehr, sehr kluge sogar. Dieser Film taugt höchstens mal was für ne TV Sichtung oder so. Echt einfach nur mies.

  2. 14. Januar 2019 19:37

    Oh je ^^‘ Und der Bromance von Venom und Hardy konntest du nix abgewinnen? Den Teil fand ich zumindest ganz witzig. Aber ein herausragender Film war es wirklich nicht.

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2019 22:43

      Die Bromance hatte ihre Momente, aber es war einfach nicht ausreichend. Da wurde viel Potenzial verschwendet…

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