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Beware the Dog Killer!

10. Dezember 2018

David Robert Mitchell hat sich mit seinem Horror-Film „It Follows“ in die Urängste vieler Zuschauer eingebrannt und ja, es ist auch wirklich ein toller Film, auch wenn ich ihn jetzt nicht ganz so hypen würde wie manch anderer. Doch jetzt meldet sich Mitchell mit seinem Nachfolger-Film „Under the Silver Lake“ zurück – und was soll ich sagen? Ab jetzt bin ich ein Mitchell-Fan.

Sam (Andrew Garfield) lebt so in den Tag hinein. Er hat keinen Job, aber einen Haufen Schulden. Sein Vermieter droht ihm mit dem Rausschmiss, doch so richtig tangiert das den jungen Mann nicht. Er hockt lieber auf dem Balkon und beobachtet seine Nachbarn mit einem Fernglas. Eines Tages lernt er seine Nachbarin Sarah (Riley Keough) kennen. Die beiden verbringen ein bisschen Zeit mit einander und Sam freut sich schon auf ein Wiedersehen. Als er jedoch am nächsten Tag an Sarahs Tür klopft, kommt der Schock: Sarah ist über Nacht einfach ausgezogen und niemand will Sam sagen, wohin. Der macht sich daraufhin auf die Suche nach Sarah – und taucht ein in eine verrückte Welt voller Geheimnisse, Verschwörungen und der Frage, was sich unter „Silver Lake“ befindet.

Okay, wow. Mitchells „Under the Silver Lake“ ist einfach nur wow! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht damit, dass dieser Film eine geniale Mischung aus Hitchcocks „Vertigo“ und Lynchs „Mullholland Drive“ ist – mit einer Prise Humor und genug Verschwörungen a la „They live!“. Denkt vielleicht an „Inherent Vice“ – nur tatsächlich noch etwas schräger. „Under the Silver Lake“ vereint so viele Genres mit einander, es ist einfach wunderbar, darin zu versinken. Sam wird zum Detektiv wider Willen, Sarah wird seine mysteriöse femme fatale und der Rest von L.A. wird zum Sündenpfuhl voller Geheimnissen, deren Auflösung den normalsten Verstand sprengen. Dabei nimmt sich Mitchell in seinem Film jedoch nie zu ernst. Das Ganze ist auch eine Parodie, eine Satire auf all die Verrückten, die sich in Verschwörungen wälzen und hinter allem, etwas viel Größeres erwarten.

„Under the Silver Lake“ versammelt im Laufe seiner zweieinhalb Stunden Laufzeit eine Vielzahl skurriler Charaktere, denen Sam bei seinen Ermittlungen begegnet, absurder Popkultur-Mythen und was nicht sonst noch alles. Ich hatte daran echt meinen Spaß, was aber auch wirklich daran liegt, dass Mitchell einfach Spaß daran hat, in dieser Absurditäten-Sammlung namens „Under the Silver Lake“ voll aufzugehen. Das ist manchmal wirklich Horror, das ist wieder Komödie, aber es ist immer skurril und surreal und sehr unterhaltsam.

Der Film lebt dabei stark von seinem äußerst sympathischen Hauptdarsteller. Andrew Garfield ist eine wunderbar verstrahlte Version eines Noir-Detektivs. Er stolpert durch diesen Film wie ein Blinder, dem man nach und nach mehr von seinem Augenlicht schenkt. Die Dinge, die er enthüllt, formen sich zu einem Bild, das absolut gaga ist. Eine Art der Gaga-igkeit, die Garfield in seinem Sam gut zusammenhält. Ich mochte ihn wirklich sehr in dieser Rolle.

„Under the Silver Lake“ ist sicherlich nicht für jeden was, aber wer diesen Film nicht zu ernst nimmt, wird definitiv seinen Spaß haben. Das ist ein wunderbarer Genre-Mix mit tollem Soundtrack, irrwitzigen Rätseln und tollen Darstellern.

Wertung: 9 von 10 Punkten (vollkommen gaga, aber genial)

9 Kommentare leave one →
  1. 10. Dezember 2018 19:37

    Jop.

  2. 10. Dezember 2018 19:49

    In meinem Umfeld auf dem Fantasy Filmfest kam der Film gar nicht gut an. Habe ich nicht so ganz nachvollziehen können und ich hätte ihn noch viel besser gefunden, hätte er nicht diesen superschlechten Mischmaschscore gehabt. Etwas kürzer hätte er auch sein dürfen, aber mit anderer Musik wäre das auch noch gegangen. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2018 20:45

      Hahaha… bei der Länge gebe ich dir durchaus Recht. Die Musik mochte ich aber 😛

  3. 11. Dezember 2018 08:12

    In meiner Runde kam er am Fantasy Filmfest schon ganz gut an, aber ist vielleicht auch nichts für das Hardcore FFF-Publikum. Ich hatte beim Sehen auch etwas The Big Lebowski im Kopf.

    Apropos FFF-Filme: Wirst du dir Climax anschauen? Den fand ich noch besser.

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2018 09:10

      Ja, es hat ein bisschen was Lebowski-mäßiges an sich, aber ich musste halt zu oft einfach an „Vertigo“ denken.

      Nein, Climax habe ich noch nicht gesehen. Ist der wirklich so gut? Ich bin mir bei Noe immer etwas unsicher 😀

  4. 14. Januar 2019 19:39

    Awww ich bereue es sehr, dass ich den damals im Kino verpasst habe. 😦

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2019 22:44

      Egal… im Heimkino nachholen. Der Film ist wirklich toll.

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  1. 2018 | Going To The Movies

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