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Dekadenz und Liebe in Singapur

5. Dezember 2018

Vor knapp 2 Jahren hatte ich das Vergnügen für eine Woche Singapur erkunden zu dürfen. Das war, wenn ich es genau bedenke, die erste große, richtige Reise, die ich gemacht habe, die mich sehr weit von zuhause wegführte. Doch da war ich dann sehr erstaunt, wie „westlich“ Singapur doch ist. Jede Werbung in den Straßen war auf Englisch, den asiatischen Touch (wenn ich das jetzt mal so salopp nennen darf) musste man erst ein wenig suchen. Als Touri bekommt man den Reichtum vorgesetzt, sieht die riesigen Wolkenkratzer des Finanzbezirks und das große Marken-Zeichen: die drei Türme des Marina Bay Sands Hotels, auf dem sich dieser unglaubliche Infinity-Pool befindet, den man eigentlich in Selfie-Pool umbenennen sollte (mehr passiert da nicht). Genau das Gleiche bekommt man auch in „Crazy Rich Asians“ zu sehen (keine Ahnung, warum man das „Asians“ aus dem deutschen Titel gestrichen hat???). Und ich fand’s cool, dass ich in diesem Film so viele Orte entdeckt habe, an denen ich tatsächlich war (passiert mir sonst auch nicht so oft, dass ich solche Dinge mit einem Film verbinde).

Die junge Professorin Rachel Chu (Constance Wu) wird von ihrem Freund Nick (Henry Golding) nach Singapur zur Hochzeit seines besten Freundes eingeladen. Bei der Gelegenheit soll Rachel dann auch endlich mal Nicks Familie kennenlernen. Was ihr lieber Freund aber bisher verschwiegen hat: Nicks Familie sind mehr oder wenige die Könige von Singapur – also quasi „crazy rich“. In Singapur angekommen, hat Rachel dann aber arg gegen die Vorurteile der Reichen zu kämpfen – und vor allem Nicks Mutter Eleanor (Michelle Yeoh) ist gegen die Beziehung, ist sie durch unter der Würde ihres Sohnes und ihrer Familie.

Für mich das Tollste an diesem Film war einfach wirklich die Tatsache, so viele Orte zu sehen, an denen ich auch schon mal. Da war „Crazy Rich Asians“ wie eine kleine Checkliste von Dingen, die man als Touri auf jeden Fall in Singapur mitgenommen hat. Wie gesagt, da ich noch nie in New York oder L.A. oder sonst wo war, was nicht gerade Europa ist, war das schon ein kleines Erlebnis für mich, so viel mit diesem Film verbinden zu können.

Doch wenn ich ehrlich sein soll, hörte es da auch schon wieder auf. Ich habe mich sehr schwer getan, in dieser in Dekadenz und Luxus schwelgenden RomCom sonst einen Platz für mich zu finden. „Crazy Rich Asians“ ertränkt uns mit allem, was teuer und schön ist. Gleich in einer Anfangsszene kauft eine Kousine, Schwester, ich weiß nicht mehr, was von Nick in einem Schmuckgeschäft mal eben so für über eine Million Dollar ein paar Ohrringe. „Crazy Rich Asians“ liefert in diesem Film zwar durchaus genau das ab, was der Titel verspricht: verrückt reiche Singapurianer (nennt man so die Bewohner von Singapur???). Es wimmelt nur so von attraktiven Modelfrauen und gut gebauten Model-Männern, die alle in den teuersten Anzügen und Kleidern gekleidet sind. „Crazy Rich Asians“ zelebriert den Reichtum, die Dekadenz und die Oberflächlichkeit… doch leider scheitert der Film auch genau daran. Denn irgendwann ist es einfach zu viel.

„Crazy Rich Asians“ versucht so ein bisschen das „Cinderella“-Prinzip, aber in meinen Augen wollte das einfach nie so richtig zünden. Die Damen sind alles furchtbare Biester und richtig fies zu Rachel, aber so richtig intensiv wird dieser kleine Clash der „Kulturen“ am Ende doch nicht ausgelebt. Irgendwie hätte ich mir da vom Film schon ein bisschen mehr gewünscht. Am Ende überschwemmt „Crazy Rich Asians“ seinen Zuschauer mit einer Vielzahl von Charakteren, die alle noch ihre eigenen Stories bekommen und man hier und da Rachel und die Tatsache, dass dies ja eigentlich ihr Film sein soll, aus den Augen verliert.

Michelle Yeoh ist dennoch super in der Rolle der bösen, fiesen Mutter, für die keine gut genug für ihren Sohn ist. Constance Wu spielt überzeugend… aber da hört es dann auch schon auf. Die Darsteller sind schon alle gut, aber ihre Rollen sind leider zu oberflächlich geschrieben. Weniger Charaktere und ein kleines bisschen mehr Story hätte den verrückt reichen Asiaten auf jeden Fall gut getan.

Aber hey, irgendwo war es trotzdem ein niedlicher Film, der jetzt aber auch nichts neu erfindet. Eine Menge Kohle hat er dennoch gemacht und bekommt ja dann auch schon bald ein Sequel, aber ob ich mir noch mehr Dekadenz antun werde…

Wertung: 6 von 10 Punkten (hier wird das Rad nicht neu erfunden, nur in viel „Gold“ getaucht)

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