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Die Feig-Rehabilitation

3. Dezember 2018

Paul Feig hat es nicht einfach. Zumindest bei mir nicht. Ich habe bis jetzt noch keinen seiner Filme im Kino gesehen – und wenn ich sie dann zuhause geschaut habe, war ich nur selten begeistert. Zuletzt konnte er mich mit seiner „Ghostbusters“-Version NICHT überzeugen. Aber auch „Bridesmaids“ war einfach nicht mein Fall… und den Rest strafe ich gefühlt schon nach dem Trailer ab (was aber auch daran liegt, dass ich Melissa McCarthy einfach nicht  mehr sehen kann). Doch einmal ist immer das erste Mal und jetzt trifft dieses „Erste Mal“ gleich doppelt an: Ich habe meinen ersten Feig-Film im Kino gesehen und er hat mir auch noch verdammt gut gefallen. Gelungen ist das dem adretten Anzugträger mit seinem neuesten Film „Nur ein kleiner Gefallen“.

Vlogger-Mama Stephanie (Anna Kendrick) hat ein Problem: Ihre beste Freundin, die reiche und extra-vagante Emily (Blake Lively) ist spurlos verschwunden. Über ihren Vlog hält Stephanie ihre Zuschauer auf dem Laufenden und erbittet sich sachdienliche Hinweise, die sie mit der Polizei und Emilys Ehemann Sean (Henry Golding) teilt – zum Teil… denn viel lieber schnüffelt Stephanie selbst herum und kommt einer unglaublichen Geschichte auf die Spur.

Ich fange mal ganz simpel an: Ich fand’s schon großartig, dass „Nur ein kleiner Gefallen“ ein cooles Intro zu französischer Musik hatte. Irgendwie feiere ich Filme, die sich noch die Zeit nehmen, mit einem halbwegs stylischen Intro die Wartezeit auf den Film zu verlängern. Und stylisch ist nicht nur das Intro. Dazu gleich mehr… kurz muss ich noch den Soundtrack erwähnen, der diesem Film zu etwas Besonderem verhilft. Wie schon im Intro werden auch im restlichen Film fast nur französische Songs gespielt. Das gibt „Nur ein kleiner Gefallen“ so dieses Feeling eines Arthaus-Films – einfach nur wegen der Musik. Aber dann spielt sich da doch eine sehr amerikanische Geschichte ab, ein Kontrast-Programm, dass sich perfekt in den beiden Hauptdarstellerinnen wiederspiegelt.

Anna Kendrick spielt die süße Mama von nebenan, die sich übermotiviert für die Schule engagiert, aber insgeheim von den anderen Eltern gehasst wird. Ihre Stephanie ist eigentlich ein kleines Mauerblümchen, die niemanden hat außer ihren Sohn. Da kommt die Emily gerade richtig. Sie ist aber das genaue Gegenteil von Stephanie: Sie ist laut, flucht, schert sich einen Scheiß um die Meinung anderer und nimmt ihre neue Freundin unter ihre Fittiche. So entsteht eine interessante Dynamik, die Spaß macht – weil hier zwei Welten aufeinander treffen… und Kendrick und Lively sind einfach nur toll. Die beiden spielen sich in „Nur ein kleiner Gefallen“ gegenseitig an die Wand, auch wenn Kendrick irgendwann die Führung übernimmt (schließlich verschwindet Emily ja irgendwann). Da kommt aber selbst „Crazy Rich Asians“-Star Henry Golding nicht gegen an, der geht ein wenig unter – was aber nicht stört, denn das Gespann Kendrick und Lively hat Energie für sechs… und das ist einfach nur großartig. Gerade Blake Lively geht in ihrer Rolle als Emily richtig auf – wenn sie da ist, dominiert sie die Szenen durch ihre Coolness (ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein). Sie strahlt so eine Ruhe und so viel Kraft aus… das ist geil. Diese Frau ist fasznierend und mysteriös, ein wandelndes Geheimnis, dem man einfach auf den Grund gehen möchte.

Bei Lively muss ich kurz noch auf eine Sache zu sprechen kommen: Ihre Emily ist so der Inbegriff von Coolness, von starker Weiblichkeit und Eleganz. Und ja, gerade bei diesem Punkt Eleganz muss ich doch noch ein wenig weiter ausholen: Die Kostüm-Abteilung lässt Emily zu einer femme fatale werden, die in den coolsten Anzügen, mit dem coolsten Gehstock und was weiß ich nicht noch alles, rum laufen lässt. Man muss nur mal Herrn Google zu „Blake Lively Outfits A Simple Favor“ befragen und es kommen zig Artikel, die sich nur mit ihren Anzügen beschäftigen. Das Geile daran ist, dass das Style und Substance hat – und Lively, die ich bislang nur aus „The Shallows“ kannte, dieser Rolle gerade durch den Style so viel Substanz gibt. Sehr, sehr cool!!!

Interessant sind aber nicht nur die beiden Hauptfrauen, sondern auch die Story. In Rückblenden erfahren wir mehr über die beiden Frauen, während wir in der Hauptstory einer kleinen Detektiv-Story folgen… die ernst anfängt und am Ende etwas albern wird. Daran könnte man sich stören, aber ich fand diesen absurden Stimmungswechsel – und vor allem den reichlich absurden Plottwist irgendwie sehr unterhaltend. Gerade weil eine Kendrick und eine Lively den trotzdem aller Absurdität gut rüberbringen.

Mit „Nur ein kleiner Gefallen“ hat sich Paul Feig wirklich rehabilitiert – oder aber er hat einfach mal ne Pause von Melissa McCarthy gebraucht. So oder so: Dieser Film ist stylish, witzig, spannend und hat zwei großartige leading ladies.

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine erfrischende, stylische Überraschung von einem Film mit zwei Damen, die perfekt für diesen Film sind)

7 Kommentare leave one →
  1. 3. Dezember 2018 09:37

    Als selbsternannter absoluter Feig-Hasser – was nebenbei weit über seine Filme hinausgeht, wegen mir kann der Arsch auf der Stelle tot umfallen – kann ich die leider sehr kurzlebige Serie FREAKS & GEEKS empfehlen.

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2018 18:29

      Hahaha… alles klar. Hab ich auch letztens erst gelesen, dass er bei der Serie beteiligt war. Werde ich mir mal merken.

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2018 18:30

      Hahaha… sehr gut. Werde ich mir mal merken. Es gab also doch noch eine Zeit vor Melissa McCarthy. 😉

  2. 3. Dezember 2018 10:06

    Hm, mich hat der Film eher etwas enttäuscht. Ich hätte mir eine etwas raffiniertere Wendung gewünscht und dachte auch sie käme. Ich weiß nicht, Louboutin, etwas Bardot und Hardy reichten für mich nicht aus, passte auch nicht, sah aber gut aus und hörte sich auch so an :))
    Und Lively war eindeutig zu braun.

    • donpozuelo permalink*
      3. Dezember 2018 18:31

      Zu braun? Wie meinst du das?

      Ja… okay… die Wendung hätte schon cleverer ausfallen können. Aber erstaunlicherweise hat mich das so gar nicht gestört… weiß auch nicht, warum. 😀

      • 3. Dezember 2018 20:02

        Sie sieht so schlecht braun geschminkt aus. Naturbräune ist das sicherlich nicht und neben der Kendrick so unpassend. Ist Dir wieder nicht aufgefallen was? :))

        • donpozuelo permalink*
          3. Dezember 2018 22:15

          Hahaha… was heißt hier „wieder nicht“? Spielst du etwa auf „The Shallows“ an? 😀 😀

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