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Der Predator-Killer

26. November 2018

Es ist noch nicht allzulange her, dass ich das erste Mal überhaupt John McTiernans unglaublich männlichen Film „Predator“ mit Arnold Schwarzenegger gesehen habe. Das ist und bleibt ein großartiger Action-Film und ein großartiger Arnie-Film. Daraus entstand ja so mit der Zeit auch ein kleines Franchise: es gab einen zweiten Teil, der wohl mehr wie ein Thriller ist (ich habe diesen Film mit Danny Glover nie gesehen); es gab irgendwann einen dritten Teil auf einem anderen Planeten (an diesen Ausflug mit Adrien Brody kann ich mich nur noch sehr wage erinnern) – und dann gab es natürlich noch das Cross-Over-Event mit den Xenomorphs (das viele Fans ja am liebsten vergessen würden). In diesem Sinne ist der Predator zu einem vollfertigen Horror-Franchise geworden: Teil 1 ist super, danach wird es schwieriger und schwieriger. Als es jedoch hieß, dass niemand Geringeres als Shane Black für einen vierten Predator-Film das Drehbuch schreiben und auch Regie führen würde, war die Vorfreude groß. Immerhin war Shane Black Teil des großartigen Originals. Doch leider erweist sich Black dann am Ende nicht als Fan, sondern als wahrer Predator-Killer.

Ein Predator-Schiff stürzt über der Erde ab – direkt vor der Nase von Scharfschütze Quinn McKenna (Boyd Holbrook). Der entkommt dem Predator darin nur knapp, kann aber noch dessen Maske und eine Art Armreif mitgehen lassen. Bevor McKenna von einer Gruppe Wissenschaftler inhaftiert wird, kann er das ganze Zeug noch an seinen autistischen Sohn Rory (Jacob Tremblay) schicken. Der entschlüsselt den ganzen Kram auch und wird für die Gruppe von Wissenschaftlern sehr interessant. Die studieren die Predator nämlich schon seit 1987. Problem ist nur, dass es noch einen wirklich mächtigeren Predator gibt, der den kleineren Predator jagt und nun auch hinter Rory her ist. Mit einer Gruppe von Ex-Soldaten und der Wissenschaftlerin Casey (Olivia Munn) macht sich McKenna auf, seinen Sohn zu beschützen.

Meine Güte, was für ein unspektakulärer Film. Was hat sich Shane Black denn nur dabei gedacht? Die Action ist in „The Predator“ nicht wirklich weiter erwähnenswert. Abgesehen von ein paar überblutigen und brutalen Predator-Kills wird halt einfach geballert und geballert und geballert. Das Problem dabei ist, dass es in diesem Film nie so wirklich zu einer „Jagd“ kommt. Das ist es ja gewesen, was das Original so ausgezeichnet hat: Ein unbekannter Gegner jagt einer Gruppe hinterher, wir sehen ihn kaum, wir fürchten ihn – nur wegen seiner Taten allein. Der Original-Predator stellte die unglaublich männliche Grupper von Männer in den Schatten. Die konnten alles kaputt mähen und waren dennoch nur Jagd-Trophäen. Das war cool. In „The Predator“ kommt sowas gar nicht erst auf. Die Jagd fehlt und alles versinkt in selbst für einen Action-Film sinnloser Action.

Dazwischen versucht Black dann seinen Humor noch unterzubringen, der leider überhaupt nicht zündet. Das liegt aber auch daran, dass McKennas Team aus Ex-Soldaten ziemlich bescheuert ist. Thomas Jane spielt einen Typen, der Tourette hat und deswegen für einige „Gags“ sorgen soll. Blöd nur, dass die dann auch stundenlang kaputt geredet werden und man sich überhaupt fragt, was der Mist soll. Dann ist da noch Comedian Keegan-Michael Key, der verzweifelt versucht, witzig zu sein und doch nur die dümmsten Sprüche raushaut. „Theon Greyjoy“ Alfie Allen ist auch irgendwie mit dabei, aber auch sehr schnell wieder vergessen. Und das ist das größte Problem an dem Team aus „The Predator“: Es sind alles gesichtslose Figuren, für die ich mich ja eh nicht zu interessieren brauche, weil ihr Mindesthaltbarkeitsdatum schon bald abgelaufen ist. Dementsprechend funktioniert der Humor auch nicht… und ist fehl am Platz.

Kommen wir schließlich zum größten Fauxpas des Films: Er versucht verzweifelt, dem Predator eine Hintergrund-Geschichte zu geben. Die fällt dann aber leider so dumm aus, dass es schon weht tut. Der eine Predator upgradet sich ständig mit den stärksten seiner Gegner (daher auch der deutsche Titel „Predator: Upgrade), während der andere versucht, uns zu helfen. Yeah, total aufregend. Aus dem einstigen Jäger ist – irgendwas vollkommen uninteressantes geworden. Das passiert, wenn man dem Zuschauer die eigene Fantasie vorwegnimmt. Es ruiniert eine Figur, die mal cool war.

„The Predator“ ist ein langweiliger Action-Film geworden, der eine Kultfigur ziemlich albern werden lässt. Schade, gerade weil Shane Black doch beim Original dabei war, hätte er das doch besser machen können.

Wertung: 3 von 10 Punkten (langweilige Action, blöde Hintergrund-Geschichte, öde Charaktere – und oh ja, es gibt jetzt auch Predator-Hunde)

6 Kommentare leave one →
  1. 26. November 2018 19:22

    es gibt jetzt auch Predator-Hunde

    Die gab es doch schon in Predators.

    • donpozuelo permalink*
      26. November 2018 21:58

      Echt? Oh… dann habe ich die wieder komplett verdrängt. Aber außer an den coolen Yakuza kann ich mich aus Predators eh an nichts mehr erinnern.

      • 27. November 2018 18:34

        Das ist das 1. Action-Set-Piece nachdem die Figuren alle am Anfang auf dem Predator-Planeten landen und dort von denen à la Jagdhund begegnen. Waren allerdings visuell andere Hunde als die hier.

        • donpozuelo permalink*
          27. November 2018 18:41

          Ah. Okay. Danke. 🙂

  2. Iwo permalink
    27. November 2018 01:01

    Was ernsthaft?? 😀
    Ich fand den Film super.

    • donpozuelo permalink*
      27. November 2018 06:11

      Mein Fall war das einfach nicht. Da bleibe ich lieber beim Original.

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