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Best of… Queen

23. November 2018

Eine der tollsten Szenen aus „Wayne’s World“ ist immer noch das Intro, wenn Wayne, Garth und Co. mit dem Auto unterwegs sind und im Radio plötzlich Queens „Bohemian Rhapsody“ läuft, zum die Fahrenden eine witzige Show abliefern. Das ist nicht nur Kult, sondern auch Realität. Jeder, der nicht zu „Bohemian Rhapsody“ abgeht, ist doch irgendwie komisch 😉 Jetzt wird diese Szene noch ein bisschen ulkiger, wenn Mike Myers im neuen Freddy-Mercury-Biopic „Bohemian Rhapsody“ ausgerechnet den Produzenten spielt, der Queen prophezeit, dass nie ein Jugendlicher jemals zu diesem Song in seinem Auto abrocken wird. Tja, Ray Foster, Pech gehabt… und Glück für uns. So bekamen wir eine der größten und besten Rock-Bands der Geschichte und so wird Ray Foster zu einem wunderbaren Witz im neuen Film über Freddy Mercury „Bohemian Rhapsody“!

In den 70er Jahren schließt sich Farrokh Bulsara als Freddie (Rami Malek), der kleinen Band Smile an. Deren Mitglieder Roger Taylor (Ben Hardy) und Brian May (Gwilym Lee) haben nämlich gerade ihren Lead-Sänger verloren. Da kommt der verrückte Freddy gerade richtig. Ein neuer Bassist ist mit John Deacon (Joseph Mazzello) schnell gefunden und der Weg nach oben steht Queen offen. Doch der Aufstieg zum Ruhm wird auch zu einer schweren Probe für die Band. Freddies neuer Freund Paul (Allen Leech) wird zur Yoko Ono von Queen und ruiniert die kleine Gruppe… bis das große Life-Aid-Konzert von 1985 ansteht.

„Bohemian Rhapsody“ hatte es nicht leicht. Erst sollte Comedian Sacha Baron Cohen Freddie Mercury spielen. Nach „kreativen Differenzen“ wurde er jedoch gefeuert. Vor kurzem gab es einen Artikel, in dem Cohens Vision des Films mal näher beleuchtet wurde und irgendwann kann man verstehen, dass die übrigen Queen-Mitglieder damit nicht so glücklich gewesen sind. Cohen wollte den Film sehr viel skandalöser aufziehen, viel mehr auf Freddies Homosexualität eingehen. Mit Sicherheit wäre daraus auch ein interessanter Film geworden, der jedoch die Musik mehr in den Hintergrund gestellt hätte. Irgendwann war aber Rami Malek als Ersatz gefunden und es konnte doch noch weiter gehen – bis dann Regisseur Bryan Singer Schwierigkeiten machte und „Eddie the Eagle“-Regisseur Dexter Fletcher für ihn übernehmen und den Film fertigstellen musste (ohne dafür im Film als Regisseur deklariert zu werden).

Nach all dem Hin und Her hätte „Bohemian Rhapsody“ auch ein furchtbarer Film werden können. So viele Schwierigkeiten sprechen für gewöhnlich nicht gerade für einen Film. Doch zu unser aller Glück ist das Biopic wirklich sehenswert geworden. Das liegt natürlich zum einen einfach an der Musik, zum anderen aber an einem wirklich umwerfenden Rami Malek.

Kommen wir kurz zur Musik. „Bohemian Rhapsody“ liefert ein schönes Best of Queen – und geht alle wichtigen Songs der Band einmal durch. Das Ganze endet dann mit einer fast 20-minütigen Konzerteinlage im Wembley Stadion, die Singer / Fletcher Gott sei Dank voll ausspielen. Da wird „Bohemian Rhapsody“ einfach zum Konzertfilm – und das ist auch verdammt gut so. Zwischendurch spielt der Film noch auch witzige Weise auf die „Origin“ von „Bohemian Rhapsody“ an – und fertig ist der Musik-Teil. Da muss man nicht viel weiter zu sagen. Man will Queen hören, man bekommt Queen zu hören. Alles bekannte Klassiker, aber hey… auch nicht tragisch.

Bei Rami Malek muss man auch nicht viel sagen, er ist einfach die perfekte Besetzung. Malek ist wirklich unglaublich gut in dieser Rolle. Er gibt dieser schillernden Persönlichkeit Freddy Mercury alles, was er hat. Nach außen hin so extrovertiert, nach innen sehr introvertiert, ängstlich und verletztlich – Malek gibt Freddie alle Nuancen, die seinen Charakter ausgemacht haben. Wir können mit ihm lachen, weinen, zittern. Er haucht diesem Freddy gekonnt Leben ein, er wird förmlich zu Freddy – in allen Lebenslagen.

Das ist allgemein auch etwas, was den Film wirklich auszeichnet: Ja, „Bohemian Rhapsody“ ist ein klassisches Biopic. Da gibt es keine großen Überraschungen: von Beginn bis Anfang wird hier die Geschichte der Band erzählt – mit dem Fokus auf Freddie natürlich. Der Film thematisiert seine Liebe zu Mary Austin (Lucy Boynton), seine Liebe zu Männern, zu Katzen, zu allem. Der Film thematisiert auch seinen Bruch mit allem, seine Erkrankung an Aids – alles bekommt seinen Platz in diesem Film. Natürlich hätte man das eine oder das andere stärker ausbauen können, aber dann wäre „Bohemian Rhapsody“ ein ganz anderer Film geworden. So ist es einfach ein toller Film geworden, der die Musik und den Mann Freddie Mercury zelebriert – mit eben toller Musik und einem großartigen Cast (wirklich: Hut ab vor der Casting-Agentur, die es wirklich geschafft haben, klasse Darsteller zu finden, die den Charakteren auch optisch mehr als nur gerecht werden).

Wertung: 8 von 10 Punkten (Queen-Klassiker am laufenden Band und dazu die bewegende Band-Geschichte)

7 Kommentare leave one →
  1. 23. November 2018 08:07

    Grandiose Konzertszenen – die Musik steht ja sowieso außer Frage – die Story an sich war aber grade in der ersten Hälfte doch sehr voraussehbar und konfliktscheu. Aber hey, man schaut den Film nicht wegen dem Dramaaspekt.

    • donpozuelo permalink*
      23. November 2018 11:28

      Eben. Das meine ich ja, man hätte es auch viel dramatischer aufziehen können, aber dann wäre es einfach ein ganz anderer Film geworden. So ist es ein klassisches Biopic, das aber dank der Musik und vor allem dank der Darsteller bestens funktioniert.

  2. 26. November 2018 15:55

    Sogar meine Mutter, die sonst nie ins Kino geht aber größer Queenfan ist, war da drin – und das zweimal 😅

    • donpozuelo permalink*
      26. November 2018 18:39

      Wow. Na das ist doch was. Und auch wenn sie die Story doch sehr verändert haben, hat es ihr gefallen, ja?

      • 27. November 2018 09:47

        Überraschenderweise ja, sonst ja wär sie ja nicht zwei mal gegangen 😉

        • donpozuelo permalink*
          27. November 2018 18:24

          Wohl auch wieder wahr… 😀

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