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The Lady Gaga Story

21. November 2018

Was ist eigentlich zurzeit im Kino los? Kaum ist das Wetter kalt und grau, suchen die Leute scheinbar wieder viel öfter die Zerstreuung und die Flucht in andere Welten – und rennen wie verrückt ins Kino. Das erste Mal, als ich das feststellen musste, war, als ich mit Kollegen zu „Bohemian Rhapsody“ wollte. Die hatten ernsthaft zwei gleichzeitige Vorstellungen und beide waren so gut wie ausverkauft (keine Sorge, ich habe es trotzdem reingeschafft, Kritik kommt demnächst). Selbst, als ich zwei Tage später mit zwei Kumpels „Suspiria“ gucken gegangen bin, war das Kino ordentlich voll. Also dachte ich mir: „Für einen ruhigen Kino-Abend brauche ich einen Film, der schon seit längerem läuft…“ So entschied ich mich dann mit einem anderen Freund für „A Star is born“ (ich weiß, richtiger Film für einen ordentlichen Männer-Kino-Abend, aber wir Softies dürfen das auch mal. Es muss ja nicht immer alles in Explosionen enden. 😉 ) Doch auch hier dann die große Überraschung: Obwohl der Film schon seit Anfang Oktober in den Kinos läuft, war der Saal knüppeldicke voll. Unglaublich… aber irgendwie auch schön, dass die Leute doch noch nicht zu sehr an Netflix und Co. gebunden sind und ins Kino gehen. Aber genug davon… reden wir über „A Star is born“.

Der gefeierte Country-Sänger Jackson Maine (Bradley Cooper) landet nach einem Konzert auf der Suche nach ein wenig alkoholischer Ablenkung in einer Bar, in der hauptsächlich Drag Queens auftreten. An diesem Abend begeistert aber auch die junge Ally (Stefani Germanotta a.k.a. Lady Gaga) und gewinnt so die ungeteilte Aufmerksamkeit von Jackson. Der fühlt sich zu Ally hingezogen, ist begeistert von ihr und ihrer Stimme. Er lässt sie auf einem ihrer Konzerte singen und startet so ihre Karriere. Leider hat Jackson Alkohol-Probleme, die die Beziehung zwischen den beiden nicht gerade leicht machen. Doch irgendwie kämpfen sie sich durch… und stoßen dennoch hier und da auf üble Hindernisse.

Bradley Cooper versucht sich als Regisseur und wählt für sein Regie-Debüt einen Stoff, der seit 1937 schon mehrfach verfilmt wurde. Judy Garland und Barbara Streisand waren schon in der Hauptrolle zu sehen, jetzt also Lady Gaga… die offensichtlich viel aus ihrer eigenen Karriere mit einfließen ließ. Nicht nur, dass Ally im Film auch zur größten Pop-Queen wird… nein, sie erzählt auch davon, dass man ihr wegen ihrer großen Nase nie große Chancen ausrechnete. Klingt irgendwie so, als hätte Gaga sich sowas selbst mal anhören müssen. Aber warum auch nicht? Was kann es besseres geben, als eine Hauptdarstellerin, die genau das durchgemacht hat, was ihr Charakter durchmachen musste?

Genau das ist es auch, was „A Star is born“ am Ende echt ausmacht: Er wirkt unglaublich authentisch – natürlich mit dem nötigen Spritzer Hollywood-Wunder (wie sonst hätte Jackson genau in diese eine Bar gehen können?). Als Fan von romantischen Filmen und Musikfilmen hat „A Star is born“ ziemlich schnell seinen Platz in meinem Herzen gefunden. Das beginnt mit der ersten coolen Rocknummer, bei der ich nur dachte: „Oh mein Gott, Bradley Cooper kann verdammt gut singen!“ Als dann später noch Lady Gaga dazu kam, kam mir der Gedanke: „Mensch, diese Frau hat nicht nur eine unglaubliche Stimme, sondern kann auch noch gut schauspielern!“ Zwei Überraschungen zum Preis einer Kinokarte.

Ich kannte Gaga nur aus der Roanoke-Staffel von „American Horror Story“, aber in „A Star is born“ hat sie mich echt schwer begeistert. Die Chemie zwischen ihr und Cooper ist einfach nur großartig. Wenn die sich lieben, wenn die sich zoffen, wenn die miteinander singen – dann fühlt sich das einfach echt an. Und genau davon lebt der Film: diese Authentizität ist unglaublich. Das fesselt extrem – auch wenn die Story jetzt eigentlich nicht umhaut, sondern sich brav an den üblichen Klischees einer Liebesgeschichte und jedes Musiker-Biopics lang hangelt. Aber irgendwie war die Dynamik zwischen den beiden toll. Erst dreht sich alles nur um ihn, bis er feststellen muss, dass sich das Blatt wendet. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hätte er ein echtes Schwein werden können, wird es jedoch nie. Das war irgendwie zuckersüß und herzzerbrechend. Wie sich beide Charaktere beeinflussen, sich anziehen und abstoßen – und doch nicht ohne den anderen können, war wunderschön. Und eben einfach toll gespielt von Cooper und Gaga.

Dazu kommt ein großartiger Soundtrack – ein schöner Mix aus Folk-Rock und Pop, der definitiv bei den Oscars nicht leer ausgehen wird. Ein Soundtrack, der jetzt auch schon bei mir rauf und runter läuft, weil er einfach wirklich toll ist.

Coopers „A Star is born“ ist kitschig und schnulzig, aber auch eine unglaubliche sensible Charakterstudie und ein packender Musik-Film – mit einem Leinwandpärchen, die perfekt zusammenpassen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ich würde lügen, wenn ich sage, es wäre mir kein Tränchen die Wange heruntergelaufen)

2 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2018 18:56

    Alle sind so begeistert von dem Film… da scheine ich ja echt was im Kino verpasst zu haben

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2018 01:09

      Hahahaha. Absolut. Obwohl der Film sich auch fürs Heimkino bestens eignet.

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