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Operation: Über-Soldat

12. November 2018

Als es noch hieß, der vierte Teil in der „Cloverfield“-Antologie-Reihe von J.J. Abrams würde zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, klang das ziemlich verrückt. Dann kam aber „Cloverfield Paradox“ und erklärte uns – auf zugegeben etwas wirre Art und Weise – dass einfach alles möglich ist. Dimensionssprünge, Zeitsprünge – einfach alles. Mit diesem dritten Cloverfield-Film hat Abrams die Grundlage gelegt, sich so ziemlich alles aus dem Ar*** zu ziehen, was ihm gerade einfällt. Von daher klang die Idee, dass Teil 4 der Reihe sich zur Zeit des D-Days 1944 abspielen würde, gar nicht mehr so verwunderlich. Doch noch bevor „Overlord“ (oder wie er bei uns heißt: „Operation Overlord“ in die Kino kam, ruderte Abrams zurück: „Der Film gehört nicht ins Cloverfield-Universum, sondern ist einfach nur ein eigenständiger Horror-Film!“. Na gut, auch nicht tragisch.

Der junge Soldat Ed Boyce (Jovan Adepo) gehört zu einer Gruppe Fallschirm-Springer, die im Zweiten Weltkrieg über Frankreich abspringen sollen, um eine Funkstation in einem kleinen Dorf zu zerstören, die wiederum den Funk-Verkehr der Alliierten stört. Nur wenn diese Station zerstört wird, kann der D-Day gelingen. Doch Boyce und seine Einheit werden abgeschossen, die meisten seiner Kameraden sterben. Nur mit Corporal Ford (Wyatt Russell, Sohnemann von Kurt!!!) und zwei weiteren Soldaten kämpft sich Boyce vor zu dem Dorf. Dort angekommen treffen sie auf die junge Französin Chloe (Mathilde Ollivier) und ein düsteres Geheimnis: Die Nazis experimentieren mit einer merkwürdigen Substanz herum, die ihre Soldaten nahezu unsterblich macht. Aus der Mission wird schnell ein Horror-Trip.

Oh… Verzeihung, das „schnell“ müssen wir leider streichen. Denn „schnell“ ist bei „Overlord“ nichts. Ich kam eigentlich wegen der Horror-Supersoldaten-Zombies, musste mich aber erst einmal durch eine Art „Der Soldat James Ryan“ mit Mini-Budget quälen. Und ja, ich spreche von „quälen“, weil diese Handlung a) nicht sonderlich gut ausgearbeitet war und b) ich Nazi-Zombies oder irgendwas in der Richtung sehen wollte. Die ganze Nummer mit den Soldaten in dem kleinen Dorf hat nette Ansätze, braucht aber auch leider viel zu lange, um das ganze Mysterium dieser Mission wirklich aufzubauen. Zwischendurch kommt erst mal noch Euron Greyjoy vorbei und spielt einen fiesen Nazi-Hauptmann, der eigentlich nicht viel zur Story beiträgt – außer, dass er unserem Hauptcast die Möglichkeit gibt, einen Hauptmann grün und blau zu schlagen. Pilou Asbaek versucht dabei irgendwie verzweifelt sein Bestes, Christoph Waltz als Oberst Landa zu imitieren, scheitert aber an dieser Aufgabe. Was aber auch einfach daran liegt, dass das Drehbuch solche schauspielerischen „Aufgaben“ nicht erfordert. Er soll einfach nur ein Nazi-Arsch sein – und das macht er dann auch gut.

Erst nach so knapp einer Stunde (und ja, der Film geht fast zwei Stunden) dürfen wir dann endlich mal einen Blick auf diese ganzen Experimente werfen – und hier wird’s dann auch tatsächlich interessant. Regisseur Julius Avery darf endlich den Horror-Hebel betätigen und richtig los legen. Okay, die Viecher in den Brutsäcken haben mich ein wenig an Draculas Viecher aus „Van Helsing“ erinnert, aber das wollen wir dem Film jetzt nicht ankreiden. Die praktischen Effekte sind ordentlich, schön blutig und ziemlich brutal. Das kommt dann endlich „Horror-Freude“ auf und irgendwie gleichzeitig auch Frust: Hätte man das nicht alles viel früher bringen können? Hätten nicht ein paar dieser Viecher schon im Wald rumlaufen können? Hätten nicht schon ein paar dieser Dinger das Dorf heimsuchen können? Das alles hätte diesem Film schon sehr viel früher den arg benötigten Horror-Touch gegeben und man hätte sich nicht so lange mit diesem sehr oberflächlichen Kriegsdrama auseinander setzen müssen.

Aber wahrscheinlich liegt das Problem daran, dass man für den Horror-Trip mehr Darsteller gebraucht hätte – um dem klassischen „Sie sterben wie die Fliegen und am Ende bleibt nur einer übrig“-Schema auch gerecht zu werden. Schlussendlich müssen wir mit Adepo und Russell vorlieb nehmen. Bei Russell Corporal Ford wird noch der Versuch gestartet, der Figur einen Hintergrund zu geben, doch die wird zwar immer wieder fragend angesprochen, aber warum er so merkwürdig ist, erfahren wir nie.

Ganz ehrlich, ich hätte mir gewünscht, Abrams und Avery hätten sich mal Tommy Wirkolas „Dead Snow“ angeschaut und sich mehr daran orientiert. Wirkola hätte aus „Overlord“ den Film machen können, der er hätte sein wollen. Diese etwas lahme Mischung aus Kriegsdrama und Horror-Film passt einfach nicht wirklich. Was schade ist, denn der Horror-Film-Anteil zeigt viel Potenzial. Naja, warten wir einfach auf „Cloverfield 4“ 😀

Wertung: 5 von 10 Punkten (coole Idee, die aber nie richtig in Fahrt kommt)

3 Kommentare leave one →
  1. 12. November 2018 10:14

    Hm, hört sich nur mäßig gut an. Egal, ich werde ihn trotzdem gucken 🙂

    • donpozuelo permalink*
      12. November 2018 16:22

      Er ist auch nur mäßig. Er ist nicht schlecht, aber man hätte einfach wesentlich mehr aus dem Stoff machen können.

Trackbacks

  1. Dimensionssalat | Going To The Movies

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