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Draculas Armee

7. November 2018

Ich komme gar nicht mehr hinterher. Als Seriengucker lebt man mittlerweile echt in anstrengenden Zeiten. Netflix haut jede Woche neue Serien am Stück raus, meine Prime-Watchlist wird auch immer länger und länger. Neue Serie kommen, alte Serien gehen weiter und ich hechele gefühlt wie ein Rennhund hinter dem Hasen hinterher, um auch die wichtigsten Sachen nicht zu verpassen (und nebenbei müssen auch noch Filme geguckt, Spiele gespielt, Bücher gelesen und ein soziales Leben geführt werden). Ich weiß, immer diese „first world problems“; aber ich sehe mich da ja als Blogger auch immer ein bisschen in der Pflicht, auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Von daher war ich vor knapp einem Jahr sehr dankbar darüber, dass Netflix‘ neueste Serie aus nur vier Folgen a 25 Minuten bestand: „Castlevania“ sollte das neue Ding werden – eine brutale, blutige, aber auch gut erzählte Geschichte, basierend auf dem Computerspiel, das ich noch nie gespielt hatte. Tatsächlich war diese erste „Staffel“ eine nette Einführung – nur halt auch nicht mehr. Kaum war man so halbwegs drin, kannte alle Charaktere, war das Ding auch schon wieder vorbei. Jetzt ist endlich Staffel 2 und liefert ganze acht Folgen – und damit auch ein paar mehr Möglichkeiten.

Dracula (Graham McTavish) schickt seine unheimliche Armee aus Dämonen weiterhin kreuz und quer durch die Wallachei. Mittlerweile haben sich in seinem Schloss auch andere Vampir-Fürsten angesammelt, die ihrem Herren im Kriegsrat beistehen wollen, wenn er die Menschen aus dem Land streicht. Unter ihnen ist auch Carmilla (Jaime Murray), die aber beginnt, Dracula zu hinterfragen und ihre eigenen Pläne zu schmieden. Und dann hätten wir da ja noch den Monster-Jäger Trevor Belmont (Richard Armitage), der mittlerweile mit der Zauberin Sypha (Alejandra Reynoso) und Draculas Sohn Alucard (James Callis) unterwegs ist, um Dracula zu besiegen.

Ach ja… man merkt sofort, dass Staffel 2 von „Castlevania“ sich endlich mal wirklich mehr Zeit für die Entwicklung einzelner Charaktere lassen kann – und die kommen jetzt auch endlich mal so richtig zur Geltung. Unsere drei Helden werden erst jetzt zu richtigen Charakteren. Wir lernen mehr über Belmonts Vergangenheit und auch über Alucard erfahren wir viel mehr als nur, das er der Sohn von Dracula ist. Endlich werden diese Drei nicht nur Helden, sondern auch greifbare Charaktere: Belmont ist der Draufgänger, ein kleiner Schelm, einer, der gerne auch mal Dummes tut, um sich danach dafür zu entschuldigen. Alucard ist jemand, der seiner Mutter gerecht werden will und der schönen Vergangenheit nachhängt und Sypha wird zu einer richtig bad ass Magierin. Das ist jetzt wirklich ein cooles Trio, denen man auch durchaus zutraut, so ganz allein gegen Dracula angehen zu können. Endlich hat man Identifikationsfiguren, mit denen man auch mitfiebern kann, die einen auch mal zum Lachen bringen. Vorher waren sie einfach nur da.

Trotzdem stellt Staffel 2 diese kleine Helden-Gruppe fast schon ein bisschen in den Hintergrund – für eine viel spannendere Story sorgt Dracula selbst. Der alte Vampir ist still und ein wenig wahnsinnig geworden. Er will einfach nur vernichten, vernichten, vernichten. Er wirkt wie ein trauriges Häufchen Elend – und eigentlich ist er das auch. Weswegen er nicht merkt, was in seinem Kriegsrat so vor sich geht. Vampir-Dame Carmilla ist ein willkommener Neuzugang zur Serie, die das Ganze so richtig ins Rollen bringt. Sie sorgt für die meiste Spannung: Wie wird sie ihre Ränkespiele durchführen? Wen wird sie wie auf ihre Seite ziehen können? Das ist gut geschrieben, spannend inszeniert und wertet diese Staffel extrem auf. Ohne das wäre „Castlevania“ so ein reines Gut-gegen-Böse-Gekloppe. Mit dem wird es Gut-gegen-Böse-Gekloppe, bei dem sich Böse-gegen-Böse auch noch kloppt. Das gibt dem Ganzen eine neue Facette, die es aufregender macht als nur Hau-Drauf-Action.

Das Gekloppe macht in diesem Fall auch ordentlich was her: „Castlevania“ haut ordentlich rein, ist ordentlich blutig und ist ordentlich inszeniert. So viel „ordentlich“ verteile ich sonst nicht, was also auch schon was heißen will. Die Action ist wirklich verdammt gut inszeniert. Gerade unser Trio kämpft in einem coolen Mix aus Schwertkampf, Peitschenkampf, Magie und was nicht noch alles. Die schenken sich hier wirklich nichts und es ist fantastisch. Jeder Kampf in dieser Staffel – ob klein oder groß – ist ein kleines Highlight.

Interessanterweise fühlt sich Staffel 2 auch wie ein kleiner Abschluss dieser ganzen Geschichte an, wenn ich das mal vorsichtig so ausdrücken darf. Natürlich wurde eine dritte Staffel schon bestätigt und es gibt auch noch genügend offene Enden, aber so als Mini-Serie wäre ich so schon vollkommen zufrieden damit, wie sich „Castlevania“ über diese beiden kurzen Staffeln entwickelt hat.

Wertung: 9 von 10 Punkten (mehr Folgen, mehr Tiefe, mehr Gewalt, mehr alles – alles richtig gemacht bei „Castlevania)

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