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Der Kult der Insel-Göttin

2. November 2018

Nachdem er sich mit „The Raid“ und „The Raid 2“ eine feste Fan-Base aufgebaut hat, wurde es erst einmal ruhig um Gareth Evans. Wie viele andere auch habe ich eigentlich die ganze Zeit auf „The Raid 3“ gewartet, bis Evans vor kurzem mitteilte, dass dieser Film womöglich nie kommen wird. Stattdessen müssen „The Raid“-Fans mit „The Night Comes For Us“ vorlieb nehmen – der ist zwar nicht von Evans, aber mit vielen Darstellern aus „The Raid“ und nicht weniger großartig. Für alle Evans-Fans geht es jetzt mal in eine ganz andere Richtung. Mit „Apostle“ versucht sich der Waliser jetzt mit einem historischen Horror-Film für Netflix.

Thomas Richardson (Dan Stevens) reist im Jahr 1905 auf eine kleine Insel vor Wales, auf der ein religiöser Kult rund um den Anführer Malcolm Howe (Michael Sheen) lebt. Weil die kleine Gemeinde Geld braucht, da die Insel-Göttin, der diese kleine Sekte huldigt, offenbar gerade keine Lust hat, die Ernten gedeihen zu lassen, ließ Howe Thomas‘ Schwester Jennifer (Elen Rhys) entführen – schließlich hat Papa eine Menge Geld. Bevor das Lösegeld jedoch gezahlt werden soll, will Thomas sicher gehen, dass es seiner Schwester gut geht. Als Spitzel unter den Jüngern von Malcolm muss Thomas jedoch bald feststellen, dass das mit der Insel-Göttin nicht nur Humbug ist.

Von Martial Arts also zu Horror… warum auch nicht? Ich meine, ich find’s immer gut, wenn Regisseure mal ihre Komfortzone verlassen und was Neues ausprobieren. Das Problem ist nur, dass sich Evans jetzt das erste Mal in Gefilden bewegt, in denen er sich nicht hinter spektakulären Kampfsequenzen verstecken. Denn ja, natürlich sind die „The Raid“-Filme jetzt nicht gerade Meilensteine der Erzählkunst. Dort reicht die sehr einfach gestrickte Story vollkommen aus, weil sich am Ende eh niemand sonderlich dafür interessiert. Wir wollen da die krassen Kämpfe sehen und die Story führt uns nur brav von einem zum anderen. Großartige Kämpfe gibt es in „Apostle“ jetzt nicht… aber in den paar Szenen, in denen es tatsächlich handfest wird, spürt man den Evans-Stil: Die Kamera ist immer direkt im Kampf, sie klebt dicht an den Kämpfern und fällt auch mal in den Dreck, wenn einer der Kämpfenden in den Dreck fällt. Da merkt man dann sehr schnell aus welchem Bereich Evans kommt…

… aber wie schon gesagt, Action macht „Apostle“ jetzt nicht aus. Das größte Problem, das ich mit dem Film hatte, war die fehlende Bedrohung. Eigentlich sollte uns diese Gemeinde merkwürdig und unheimlich vorkommen, aber das passiert nie. Evans streut zwar hier und da Mysterien (Warum stellen die Bewohner Gläser voll Blut vor ihre Tür? Wer ist die merkwürdige Frau, die Thomas an seinem ersten Tag sieht? Warum gebären die Schafe nur Totgeburten?), er baut nur nie wirklich darauf auf. Unheimlich ist auf dieser Insel selten was… Evans baut einfach keine Atmosphäre auf und verschwendet damit dann auch absolut das Potenzial dieser Geschichte und vor allem das seiner Darsteller.

Michael Sheen sehe ich ja immer gerne und eigentlich ist er perfekt für die Rolle eines Kult-Priesters. Nur als großer Schurke kommt er hier nicht vor. Evans baut ihn einfach nicht gut genug auf. Sheen hätte ein charismatischer, energischer Führer dieser Gruppe sein müssen. Doch das war er nicht. Überhaupt habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wieso ich diese Inselbewohner jetzt wirklich als Sekte ansehen soll. Diesen Punkt hätte Evans einfach ein bisschen krasser ausbauen müssen, dann wäre da auch eher eine bedrohliche Stimmung aufgekommen. So hatte ich, ehrlich gesagt, nie wirklich Angst um unseren tapferen Dan Stevens. Der rennt eigentlich immer wieder ganz gemütlich durch die Gegend ohne jemals wirklich in Gefahr zu sein. Da nützt dann auch nicht, wie gut Regisseur Evans das ganze Ambiente auf der Insel vorstellt… es sieht einfach nur aus wie eine kleine Aussteiger-Kommune, mehr nicht.

Ich weiß auch nicht, wieso, ich musste die ganze Zeit an „The Ritual“ denken, in dem dieses „Wir verehren eine alte Gottheit“ sehr viel überzeugender und effektiver dargestellt wurde. Evans fehlt da einfach noch das Händchen für, seine Story wirkt überfrachtet. Er hat tausend gute Ansätze, aber keiner davon kommt so richtig zur Geltung. Hoffen wir mal, dass da beim nächsten Mal was besseres bei rauskommt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (weder gruselig noch sonderlich spannend – was bei den Darstellern und der Idee schade ist)

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