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Silver Shamrock

31. Oktober 2018

Ja, ja, ich weiß… erst abkotzen, wie scheiße doch „Halloween 2“ ist und dann jetzt doch einen Artikel über „Halloween 3“ schreiben. Aber ich fand das Konzept einfach zu interessant, um es auslassen zu können. Schließlich taucht Michael Myers in „Halloween 3“ wirklich nicht auf. Vielmehr wollten John Carpenter und seine Co-Autorin und Produzentin Debra Hill eine Film-Reihe erschaffen, bei der es jedes Jahr zu Halloween einen neuen Gruselfilm rund um das Thema Halloween geben würde (also so ein bisschen wie J.J. Abrams, dass jetzt mit seinem Cloverfield-Universum macht). Gescheitert ist „Halloween 3“ dann vor allem an den Fans, die halt Michael Myers haben wollten, dennoch, finde ich, ist „Halloween 3“ ein verdammt unterhaltsamer Film, den man nicht versäumen sollte (auch wenn Teil 2 so eine Katastrophe war).

Der Arzt Daniel Challis (Tom Atkins) will den Mord an einem Patienten aufklären, dessen Mörder sich anschließend selbst umbrachte. Gemeinsam mit der Tochter des Opfers Ellie (Stacey Nelkin) verschlägt es ihn daraufhin in das verschlafene Nest Santa Mira in Kalifornien. Dort stoßen sie auf den verschrobenen Conal Cochran (Dan O’Herlihy), dessen Firma Silver Shamrock Halloween-Masken produziert. Doch schnell findet Daniel und Ellie heraus, dass Cochran einen ziemlich finsteren Plan verfolgt – ein Plan, der die dunkle Zeit der Hexen wieder heraufbeschwören möchte, in dem Cochran mit Hilfe seiner Masken, einem dort versteckten Mikro-Chip, dem furchtbarsten Werbe-Jingle und ja, einem Stein aus Stonehenge versucht, ein unglaubliches Opfer zu bringen.

Ich kann durchaus verstehen, warum „Halloween 3“ so arg in die Kritik geriet… aber ich kann Carpenter nur zu seinem Mut applaudieren (auch wenn sein Mut so hart abgestraft wurde, dass alle weiteren Halloween-Fortsetzungen wieder brav auf Michael Myers setzten). Statt weiter einfach nur Schema F abzuliefern, wollte Carpenter etwas Neues ausprobieren – und in verschiedenen Filmen den Geist von Halloween einfangen… und vor allem ohne Michael Myers auskommen, von dem wir uns ja in „Halloween 2“ im flammenden Inferno eigentlich verabschiedet hattet.

Carpenter seetzt vielmehr auf einen Film, der eigentlich mehr wie eine Folge „Twilight Zone“ wirkt: Verschwörung, Science Fiction, Thriller und auch ein wenig von dem, was Halloween ausmacht – Grusel! Mit „Halloween 3“ liefert er in diesem Sinne perfekt ab. Nur hätte er es vielleicht wirklich eher bei der Länge einer TV-Folge belassen sollen. Denn so sehr ich „Halloween 3“ auch mag, hat der Film doch schon seine Längen.

Davon mal abgesehen ist die Idee – so absurd sie in vielen Stücken auch ist (wie kann man denn bitte ungesehen einen Stein von Stonehenge mitgehen lassen) – ziemlich abgefahren und cool. Die Verschwörung ist spannend, auch wenn Bösewicht Cochran natürlich am Ende schön klischeehaft seinen ganzen Plan offenbaren muss. Der Science-Fiction-Anteil hat ein bisschen was von „Die Frauen von Stepford“, was ich so wirklich überhaupt nicht habe kommen sehen. Das passt auch alles ziemlich gut zusammen – obwohl ich mir gerade diesen Stepford-Teil ein wenig intensiver gewünscht hätte. Der Horror-Teil beschränkt sich dann am Ende auf ein paar sehr coole Sterbe-Szenen.

Ich glaube, wenn Carpenter „Halloween 3“ einfach unter einem ganz anderen Titel veröffentlicht hätte und vielleicht das Drehbuch ein bisschen strammer angezogen hätte, hätte dieser Film ein Erfolg werden können. Zumal das Ende ja so herrlich offen bleibt. Wenn daraus dann so eine Anthologie-Reihe wie „Cloverfield“ geworden wäre, die zwar Einzelgeschichten erzählt, die aber trotzdem irgendwie zusammenhängen, wäre das einfach nur genial geworden. Aber das blieb Carpenter leider vergönnt – vielleicht sollte man statt neue „Halloween“-Filme drehen, lieber „Halloween 3“ unter einem neuen Titel remaken und damit eine ganz neue Reihe von Feiertagshorrorfilmen aufbauen. Das wäre echt cool.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass „Halloween 3“ echt cool war, zwar schräg, aber cool. Gerade Dan O’Herlihy bleibt auch als toller Schurke gut im Gedächtnis, sein Höllen-Werbesong sowieso. „Halloween 3“ ist schon eine kleine Perle, die – ordentlich blank poliert – wirklich ein großartiger Film hätte werden können!

Wertung: 7 von 10 Punkten (damit beende ich meine Halloween-Film-Erfahrung mit einer Fortsetzung, die genial-mutig ist)

4 Kommentare leave one →
  1. 31. Oktober 2018 17:04

    Insgesamt sehe ich das ähnlich. Ich finde die Idee, die hinter dem Projekt steckt sehr gut. Im Grunde wurde sie ja Jahre später noch mal aufgegriffen und mit dem Titel „American Horrorstory“ erfolgreich 😉

    Den Film Halloween 3 fand ich unabhängig von Michael Myers trotzdem nicht gut 😉

    • donpozuelo permalink*
      31. Oktober 2018 18:07

      Aber so als Horror-Filmreihe wäre das irgendwie auch cool gewesen. Jedes Jahr zu Halloween ein Film. Das hätte echt was gehabt.

      Den Film mag ich. Der ist schrullig und dumm (wie klaut man ungesehen einen Felsbrocken von Stonehenge?), aber an sich sehr unterhaltsam.

  2. 4. November 2018 10:59

    Okay, die Story klingt derart abgefahren, dass ich jetzt Interesse bekommen hab 😅

    • donpozuelo permalink*
      4. November 2018 14:03

      Sehr gut. Und man muss ja auch kein Halloween Vorwissen mitbringen. Der steht halt für sich allein

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