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Die Nacht des Grauens

24. Oktober 2018

Ich glaube, ich habe es schon an der ein oder anderen Stelle rund um den Oktober schon mehrfach erwähnt: Ich bin kein allzu großer Fan des „deutschen“ Halloweens. Wenn ich in den USA wäre, dann würde ich es feiern. Hier bei uns kann ich mich immer nie so richtig dazu durchringen, einen weiteren „fremden“ aufgedrückten Feiertag zu feiern, mit dem hier bei uns nun wirklich niemand groß etwas anderes verbindet außer die Tatsache, dass das dieser Feiertag aus den USA ist. Deswegen zögere ich ja auch jedes Jahr immer, im Oktober nur noch Horror-Filme auf meinem Blog zu bringen. Doch dieses Mal werde ich ja förmlich dazu gezwungen, denn schließlich startet der neue „Halloween“-Film fast genau zum 31. Oktober. Aber um den soll es noch nicht gehen, sondern um das Original von John Carpenter. Denn der neue Film von David Gordon Green will ja alle Fortsetzungen ignorieren und ein zweiter Teil zu Carpenters erstem Ausflug mit Michael Myers sein. Daher habe ich mir den natürlich noch einmal angeschaut.

Als Michael Myers gerade einmal 6 Jahre alt ist, tötet er in der Halloweennacht von 1963 seine Schwester Judith mit einem Küchenmesser. Daraufhin wird er in eine Anstalt gesperrt, wo der Psychiater Dr. Sam Loomis (Donald Pleasance) versucht, Michael zu diagnostizieren. Doch er findet nichts, nur das absolut Böse! Als Michael (Nick Castle) 21 ist, gelingt ihm die Flucht und er kehrt in seine Heimatstadt Haddonfield zurück. Hier gerät die junge Laurie (Jamie Lee Curtis) gemeinsam mit ihren Freunden ins Visier des erbarmungslosen Killers mit der Maske und dem Küchenmesser.

Es ist wirklich sehr, sehr lange her, dass ich „Halloween“ das letzte Mal gesehen habe. Damals, muss ich gestehen, fand ich den Film furchtbar langweilig. Alles, woran ich mich wirklich noch erinnern konnte, war die wirklich ikonische Anfangsszene, die ja komplett aus Michaels Sicht gedreht wurde und uns quasi direkt hinter die Maske des Bösen setzt. Das war schon was… vor allem, wenn am Ende dieser kleine, unschuldige Junge steht… schon sehr cool. Dazu noch dieser eindringliche Carpenter-Soundtrack und diese Melodie, die einem einfach nicht mehr aus dem Kopf geht.

Dementsprechend war ich jetzt beim erneuten Gucken darauf eingestellt, mich eher zu langweilen. Aber Pustekuchen… ich weiß nicht, was damals mit mir los war, aber jetzt fand ich diesen Film großartig. Ich mochte zum Beispiel die Tatsache, dass Carpenter es dem Publikum ein wenig selbst überlässt, sich ein Urteil von dem zu bilden, was Michael Myers nun wirklich ist. Dr. Loomis nennt ihn das ultimative Böse. Aber ist Myers einfach nur böse böse oder ist er der Teufel selbst? Es umgibt ihn zwar eine übernatürliche Note (vor allem, weil er eben immer wieder aufsteht und scheinbar nicht zu töten ist), aber er könnte ja genau so gut einfach ein tief traumatisiertes Kind sein, das sich vor allem verschlossen hat und einfach nur gerade durchdreht. Myers ist ein Mysterium. Ihn scheint nur seine Schwester anzuziehen wie ein Magnet und daraufhin geraten andere in seine Quere. Warum tötet er? Was will er erreichen? „Halloween“ lässt diese Frage offen und verlangt, dass wir selbst darüber nachdenken und uns unser eigenes Bild von Myers machen.

Dazu ist die Art und Weise, wie Carpenter Myers immer wieder in Szene setzt, einfach nur großartig. Anfangs sehen wir ihn immer nur im Anschnitt, wir sehen nie sein Gesicht, wir hören ihn nie reden. Es ist erst sein schweres Atmen unter der Maske, das ihn uns ankündigt und dann erst sehen wir ihn. Schließlich taucht er auf immer irgendwo unerwartet auf und ist genauso schnell wieder verschwunden. Er ist wie ein Geist und selbst die Kamera scheint zu Beginn Schwierigkeiten zu haben, diesen Geist einzufangen. John Carpenter versteht es einfach, diesen Bösen gekonnt in Szene zu setzen – so dass aus der vermeintlich simplen Formel „Typ geht zu Halloween durch Kleinstadt und killt Menschen“ ein effektiver Gruselfilm wird.

Das Einzige, was einen immer wieder ein bisschen aus dieser Anspannung herausholt, ist das doch sehr hölzerne Schauspiel aller Beteiligten – bis auf Donald Pleasance, den ich gut fand. Alle anderen wirken halt einfach, als müssten sie verzweifelt an ihren Text denken… der dann stockend vorgetragen wird. Die Dialoge wirken einfach nicht natürlich… jeder Darsteller wartet brav, bis der andere seine Zeile gesagt hat und reagiert erst dann. Das ist fast schon komisch, aber zum Glück reden die dann nicht all zu lange in diesem Film, sondern werden brav zu Myers-Opfern.

„Halloween“ hat mich dann jetzt doch mehr als nur positiv überrascht. Das ist wirklich ein Klassiker des Slasher-Genres, der sich gut gehalten hat. Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, wie das Ganze 40 Jahre später fortgeführt wird.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein Klassiker, der über die Jahre nichts von seiner Faszination verloren hat)

17 Kommentare leave one →
  1. 24. Oktober 2018 08:00

    Definitiv ein Klassiker. Muss ich auch unbedingt einmal wieder schauen. Früher (zu VHS-Zeiten) kam der regelmäßig in den Player.

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2018 10:32

      Die guten alten VHS-Zeiten… was habe ich es gehasst, wenn jemand die Kassette nicht zurückgespult hatte und ich doch unbedingt einen Film schauen wollte. Das ist heute doch ein wenig Frust freier 😀

  2. 24. Oktober 2018 17:01

    Den hab ich letztens im Zuge der ganzen News zum neuen Film auch mal wieder gesehen und finde ihn immer noch bemerkenswert gelungen. Einer der Slasher, an dem sich alle anderen messen mussten (müssen). Bin gespannt, wie der neue Film das alte Feeling einzufangen vermag…

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2018 17:12

      Deswegen habe ich ihn auch geguckt und ja, er ist immer noch unglaublich gut. Carpenters Kamera und Musik sind einfach super. Die ganze Inszenierung versprüht so viel Spannung… ohne tausend Jump Scares oder Blut und Gedärme.

  3. 24. Oktober 2018 17:11

    Obwohl ich Carpenter Fan bin steht er bei mir nicht an erster Stelle, aber er ist schon ein wichtiger Genrefilm, alleine was das Zusammenspiel Story, Kamera und Score angeht.
    Ja, damals war Michael einfach ein böser Junge, heute macht man sich tatsächlich darüber Gedanken, warum er so ist. Hat man seinerzeit nicht, da reichte Loomis Diagnose :))

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2018 17:14

      Ich finde es auch besser, wenn Michael nicht so überanalysiert wird. Er ist einfach das personifizierte Böse. Reicht doch vollkommen aus.

      Mein Top Carpenter Film ist das auch nicht. Aber er ist einfach super.

  4. 27. Oktober 2018 10:42

    10/10 finde ich dann doch ein bisschen viel. Alleine schon wegen der Logiklöcher 😉
    Trotzdem mag ich den Film auch sehr gerne und werde in den nächsten Tagen auf meiner Seite ausführlich erklären warum 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Oktober 2018 14:26

      Nein. Gar nicht zu viel 😀 Aber ja, ich bin gespannt, was du so schreibst.

  5. 12. November 2018 20:46

    Unglaublich aber wahr … ich habe bisher keinen einzigen Halloween-Film gesehen. Aber wenn ich deine Review so lese, dann sollte ich das wohl echt mal nachholen.

    • donpozuelo permalink*
      12. November 2018 22:21

      So unglaublich ist das auch nicht 🙂 Wenn du aber etwas aus dieser Reihe guckst, dann bitte wirklich nur das Original. Alles andere ist mehr oder weniger für die Tonne

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