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Keine Zeit für Reue

22. Oktober 2018

Es ist mittlerweile vier Jahre her, dass „The Raid 2“ von Gareth Evans in die Kinos kam. Damals wurde uns eigentlich eine Trilogie versprochen, die dann mit „The Raid 3“ ihren würdigen Abschluss finden würde. Doch vor kurzem sagte Evans in einem Interview, dass Teil 2 der Hau-Drauf-Action-Reihe wohl nicht kommen wird. So nach dem Motto, wenn er es jetzt machen würde, würde er es nur wegen dem Geld machen. Irgendwie eine anständige Aussage, aber wer weiß… vielleicht hat er ja irgendwann noch die richtige Idee. Doch wem es nach „The Raid“-mäßiger Unterhaltung dürstet, der muss trotzdem nicht auf Evans warten. Denn während Evans lieber mit „Apostle“ einen Ausflug ins Horror-Genre macht, haben seine „Raid“-Schauspieler Iko Uwais, Joe Taslim und Julie Estelle jemand neuen gefunden, der ihren Kampfkünsten gerecht wird. Deswegen gibt es jetzt statt „The Raid 3“ einfach „The Night Comes For Us“.

Die Triaden in Südostasien kontrollieren 80% des Drogenhandels – und wehe, jemand zwackt sich davon etwas ab. Dann ergeht es ihm so wie einem kleinen Dorf, dass von einem der Top-Männer der Triaden, Ito (Joe Taslim) einfach niedergemetzelt wird. Ito ist einer der Six Seas, die Elite-Truppe der Triade. Doch bei diesem letzten Einsatz kommt Ito sein schlechtes Gewissen dazwischen: Er tötet all seine Männer und rettet das Mädchen Reina so vor dem sicheren Tod – nur um sie mehr oder weniger in einen Triaden-Krieg zu führen. Denn die sehen es natürlich gar nicht gerne, dass sich einer von ihnen gegen sie wendet. Also hetzen sie die restlichen der Six Seas auf Ito – darunter auch sein einstiger bester Freund Arian (Iko Uwais).

„The Night Comes For Us“ wackelt nicht sonderlich lange herum. Kurze Einführung, Text-Tafel zum Thema Triaden und Six Seas und bumm… wir sind mitten in der Action. Mitten im dreckigen, brutalen Alltag der Triaden-Kämpfer. Story-technisch kümmert sich Regisseur und Autor Timo Tjahjanto nicht zu sehr um seine Charaktere. Was jetzt wirklich der Grund dafür ist, dass Ito auf einmal diesen Sinneswandel durchmacht, ist egal! Das Motto des Films lautet „Keine Zeit für Reue“, und dem unterwirft Tjahjanto wirklich alles. Auch die Geschichte der einstigen Freunde Ito und Arian wird nur sporadisch angeschnitten, ein paar kleine Rückblenden werfen mal kurz einen Blick auf eine Vergangenheit, in der noch alles irgendwie in Ordnung war. Dabei belässt es der Film dann aber auch. Zu viel Story würde ja nur ablenken… okay, das klingt jetzt, als hätte „The Night Comes For Us“ so gar nichts zu erzählen. Ich will es mal so sagen, für diese Art von Film, die eigentlich nur von der Action lebt, ist die Story eigentlich perfekt. Klar, ein anderer Regisseur wäre mehr auf die ehemaligen Freunde eingegangen, aber dann wäre das eher ein Gangster-Drama geworden.

Timo Tjahjanto will aber kein großes Drama machen, er will knallharte Action. Und oh mein Gott, die liefert er auch. „The Night Comes For Us“ ist wirklich ein grandioser Martial-Arts-Film, in dem gefühlt pro Minute mehr Knochen brechen als eigentlich erlaubt sein sollte. Die Kampfchoreographien sind ein Traum für jeden Handkanten-Fan. Es wirkt alles absolut echt, die Effekte sind schmerzhaft realistisch und es schenkt sich in diesem Film wirklich niemand etwas. Dazu muss ich auch einfach festhalten, dass „The Night Comes For Us“ sehr abwechslungsreiche Kämpfe liefert. Es gibt mal riesige Massenschlachten in einer winzigen Wohnung, es gibt schon fast intime Kämpfe zwischen nur zwei oder drei Kämpfen. Hier kämpft Mann gegen Mann, Mann gegen Horde Männer, Mann gegen Frau, Frau gegen Frau, Frau gegen Horde von Männern. Die Kämpfe sind hart, brutal und innovativ, die Kamera ist dabei immer mitten drin – fällt mit den Gegnern, hängt manchmal direkt hinter dem Kämpfer – fast so, als wäre man in einem abgefahrenen Kampfspiel.

So abgefahren wie die Kämpfe selbst sind dann auch die Kämpfer. Die nutzen auch alles, um sich gegenseitig platt zu machen. Das sieht einfach nur stylisch und ziemlich schmerzhaft aus, aber ist ein Fest für Fans wirklich harter Action. Nachdem ich ja erst von „Headshot“ mit Iko Uwais etwas enttäuscht war, wird „The Night Comes For Us“ dem knallharten Kämpfer endlich wieder gerecht. Allerdings muss er sich den Ruhm schon teilen… alle Darsteller sind umwerfend gut. Gerade die Frauen in diesem Film hätten schon ein Spin-Off verdient… die wirken wie fiese Anime-Schurkinnen. Großartig.

Alles in allem ist „The Night Comes For Us“ ein ordentliches Kampfspektakel, das weh tut, dabei aber bestens unterhält!

Wertung: 9 von 10 Punkten (hier gibt’s im Sekundentakt auf die Fresse)

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