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Das Ei des Drachenkönigs

15. Oktober 2018

Aaron Ehasz hat bei „Avatar – Der Herr der Elemente“ als Regisseur, Co-Produzent und Head-Writer mitgearbeitet. Und wir alle sind ja bekanntlich große Fans dieser wirklich wundervollen Serie. Das nutzt Netflix natürlich gekonnt aus (und da rede ich jetzt nicht davon, dass sie gerade an einem Live-Action-Remake der Serie arbeiten). Nein, ich rede davon, dass sie Aaron Ehasz neue Serie damit vermarkten, sie sei von dem Macher von „Avatar“. Gut, auf der einen Seite stimmt das irgendwie, aber für mich sind die Macher von „Avatar“ immer noch Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko. Was wahrscheinlich jetzt Wortdreherei ist, denn sie sind die Erschaffer und Ehasz war tatsächlich ein Macher. Trotzdem… ein wenig verwirrend, da man den Namen Ehasz jetzt vielleicht nicht direkt mit „Avatar“ verbindet. Dennoch hat dieser Mann jetzt eine neue Animationsserie gemacht, die zumindest an vielen Stellen nicht verleugnen kann, dass „Avatar“ Serien-Pate war.

In „The Dragon Prince“ werden wir in eine Welt des Krieges gestürzt. Vor langer Zeit war alles friedlich, weil alle Elemente der Magie koexistieren konnten. Doch dann fanden die Menschen (wer sonst?) ein weiteres Element der Magie: die dunkle Magie. Mit dieser töteten sie den Drachenkönig, zerstörten sein einziges Ei und zertrennten die Welt. Auf der einen Seite leben die Elfen, die auf Rache aus sind und auf der anderen Seite die Menschen. Buch 1 „Mond“ stellt uns die jungen Menschen-Prinzen Callum und Ezran vor. Durch einen Angriff von Mondschatten-Elfen verlieren die beiden ihren Vater und lernen die Assassine Rayla kennen, eine junge Elfin, die sich den beiden anschließt, als das Trio eine unglaubliche Entdeckung macht, die den Krieg verhindern könnte.

In diesem Bild versteckt sich kein Prinz der Drachen

Elemente spielen eine Rolle (doch hier sind es ein paar mehr als nur vier), jede Staffel wird als Buch und jede Folge als Kapitel bezeichnet, wir haben mal wieder eine Welt im Krieg, der nur durch eine kleine Gruppe von Kindern verhindert werden kann. Es gibt auch wieder ein lustiges „Haustier“ als Begleiter und einen fiesen Schurken, der den Krieg unbedingt will. Wem das noch nicht so ganz als Beweis dafür reicht, dass „The Dragon Prince“ seine „Avatar“-Einflüsse nicht leugnen kann, dem sei folgendes gesagt: Im Original spricht Jack De Sena den Callum. De Sena sprach schon bei „Avatar“ eine nicht unähnliche Rolle: nämlich Sokka. Und Sokka und Callum sind jetzt durchaus ähnlich im Charakter (auch wenn Callum sehr viel schöner zeichnen kann als Sokka das jemals hinbekommen hätte). Dazu kommt noch, dass die Musik einen ähnlichen Klang hat.

Das alles soll jetzt aber nicht heißen, dass „The Dragon Prince“ einfach nur ein billiger Abklatsch von „Avatar“ ist. Im Gegenteil, Ehasz hat sich wirklich gut inspirieren lassen, baut aber seine ganz eigene Welt auf, die aber nicht weniger spannend ist. Schlussendlich ist ein gut geschriebener Konflikt immer sehr spannend und der Krieg zwischen Elfen und Menschen und die Möglichkeit, dass drei junge Menschen der Schlüssel für eine Lösung sein könnten, ist doch immer aufregend. Ähnlich wie schon „Avatar“ richtet sich „The Dragon Prince“ schon auch an ein junges Publikum, versteht es dabei aber auch, ernste und erwachsenere Themen anzubringen. Diese Serie verkauft ihr Publikum nicht für dumm und macht aus dem Ganzen einfach nur ein hübsches Abenteuer, sondern auch wieder eine Geschichte rund um Vertrauen, Misstrauen, Intrigen, das Reifer-Werden und das Entdecken der eigenen Fähigkeiten.

Die Charaktere sind alle toll geschrieben und nachvollziehbar. Gerade das Trio Ezran, Callum und Rayla ist toll (und ich muss dazu sagen, es hat irgendwie was, dass die Mondschatten-Elfen alle so einen schottischen Akzent haben), aber auch der Oberschurke ist ein herrlich intrigantes Miststück und die zahlreichen Nebencharaktere liefern eine bunte Mischung.

Staffel 1 baut diese mystische Welt toll auf (auch das Weltenerschaffen hat Ehasz gut von „Avatar“ übernommen) und macht jetzt schon tierisch Lust auf mehr (wer weiß, bei nur 9 Folgen pro Staffel kommen wir vielleicht auf insgesamt 7 Bücher, um dieses neue Epos würdig zu Ende zu erzählen).

Was ich noch nicht erwähnt habe, ist der Look. Anfangs war ich etwas skeptisch, weil es so sehr dieser glatte 3D-Computer-Animationslook ist, doch irgendwie steckt da noch mehr hinter. Manche Hintergründe sehen aus wie handgemalt, was einfach tolle Bilder kreiert, was zumindest meine bescheidene Meinung ist. „The Dragon Prince“ liefert epische Bilder, die wirklich großartig aussehen. Der Look passt einfach wirklich gut zu der Serie.

Ich freue mich jetzt schon auf Staffel 2 und kann jedem „Avatar“-Fan (und jedem, der gute, witzige, spannende und fantastische Erzählungen mag) nur empfehlen, der Serie eine Chance zu geben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (möglicherweise ist das wirklich ein würdiger „Avatar“-Nachfolger)

6 Kommentare leave one →
  1. 17. Oktober 2018 14:43

    Wenn die Serie besser sein sollte als „Die Legende vor Korra“, würde das ja schon mal Hoffnung machen. Die ist dem „Avatar“-Erbe ja wirklich nicht gerecht geworden

    • donpozuelo permalink*
      17. Oktober 2018 15:21

      Ja, „Korra“ konnte wirklich nicht die Fußstapfen füllen, die „Avatar“ hinterlassen hat. Es war nett und ich mochte die Avatar-Origin-Doppelfolge in Staffel 2, aber an mehr kann ich mich von der Serie auch nicht erinnern.

      „The Dragon Prince“ ist – trotz der vielen Avatar-Überhängsel – was schönes, eigenes, dass man wirklich gut wegsuchten kann 😀

      • 18. Oktober 2018 13:57

        Bei „Korra“ war einzig die Action wirklich gut inszeniert, aber gerade bei den Staffel-Finals hat man gemerkt, dass da nicht die besten Autoren am Werk waren…
        Sehr schön. Ich sitze gerade an „Gravity Falls“ (sehr zu empfehlen) und werde danach mal reinschauen!

        • donpozuelo permalink*
          19. Oktober 2018 06:57

          Oh ja… Ich liebe „Gravity Falls“. Schon zwei Mal gesehen. Einfach nur großartig. 😉

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