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Immer tiefer in die Hölle

10. Oktober 2018

Vince Vaughn war noch nie die Art von Schauspieler, bei dem ich aufgehorcht habe. Vaughn ist und bleibt für mich so ein Komödien-Typ, bei dem ich mich aber auch immer wieder ein bisschen frage, warum ausgerechnet ein Vince Vaughn wirklich berühmt geworden ist. Ich meine, es gibt Dutzende RomCom-Darsteller und lustigere Comedians als ein Vince Vaughn. Kann mir mal wirklich bitte jemand erklären, woher Vaughn kommt und warum er ein Name ist, den ich kenne? Das erste Mal, glaube ich, habe ich ihn in „The Cell“ gesehen – was aber auch eher ein Film ist, den man nicht unbedingt wegen Vince Vaughn guckt. Vor einiger Zeit empfahl mir ein sehr guter Arbeitskollege dann den Vince-Vaughn-Film „Brawl in Cell Block 99“. Aber weil es Vince Vaughn war, musste dieser kleine Film sehr, sehr lange auf seine Sichtung warten. Jetzt habe ich es endlich mal geschafft… und oh mein Gott, was war das für ein Film! (Dieser Ausruf ist absolut im Positiven zu sehen – das nur mal vorweg).

Bradley Thomas (Vaughn) war mal Boxer und transportiert jetzt Drogen für seinen Boss Gil (Marc Blucas – ja, genau, Buffys Riley ist jetzt böse geworden). Ein Deal, den Gil mit seinem Partner Eleazar (Dion Mucciacito), eingeht, läuft gehörig schief – und wer wandert in den Knast? Natürlich Bradley. Eigentlich geht es ihm dort ganz gut, bis er Besuch von einem Unbekannten (Udo Kier) bekommt. Der sagt ihm, dass man seine schwangere Frau Lauren (Jennifer Carpenter) entführt hat – um sie zu retten und Eleazar für den geplatzten Deal zu entschädigen, soll Bradley jemanden töten. Der aber in einem Hochsicherheitsgefängnis in Zellblock 99 sitzt. Also muss Bradley sein ruhiges Knastleben aufgeben, ein paar Wärtern die Knochen brechen, um als gemeingefährlich versetzt zu werden.

Kein Bock mehr auf lustig…

Irgendwo in einer Review habe ich den etwas absonderlichen Vergleich zwischen diesem Film und Dantes „Göttlicher Komödie“, bzw. nur dem ersten Teil „Inferno“, gelesen. Bradley wandert immer tiefer in die Hölle – und das alles nur, um seine Frau zu retten. Also ein kleines bisschen wie Dante, nur hollywood-mäßiger. Obwohl so richtig Hollywood ist „Brawl in Cell Block 99“ auch nicht. Dafür ist dieser Film zu brutal und vor allem viel zu konsequent, was man ihm aber sehr, sehr hoch anrechnen muss.

Dass wiederum liegt aber auch an Autor und Regisseur S. Craig Zahler, der einfach sein ganz eigenes Ding durchzieht. Von ihm hatte davor nur „Bone Tomahawk“ gesehen – ein Film, der erst Western-Drama und dann irgendwie übelst krasser Horror-Film mit ordentlich Blut und gebrochenen Gelenken wird. Sein Nachfolge-Film „Brawl in Cell Block 99“ ist da gar nicht mal so anders. Auch hier fängt es eher ruhig an, ist fast mehr Thriller-Drama, doch sobald Bradley im Knast landet, entscheidet sich Zahler dazu, uns einen ultra-brutalen Grindhouse-Kracher abzuliefern, neben dem selbst Tarantinos und Rodriguez‘ Grindhouse-Ausflug wie ein Kindergarten-Trip aussieht. Mit jeder verstreichenden Minute muss dieser eigentlich durchaus ruhige Bradley mehr und mehr den Bullen rauslassen – und das ist einfach nur krass.

An diesem Punkt kommen wir dann auf Vince Vaughn zu sprechen, der eine großartig stoische Performance abgibt. Sein Bradley ist ein Mann der Prinzipien, aber auch eine Lawine, die nichts und niemand aufhalten kann, wenn sie einmal ausgelöst wurde. Einen kurzen Vorgeschmack bekommen wir, wenn Bradley zu Beginn des Films das Auto seiner Frau per Hand einmal komplett auseinander legt. Vince Vaughn hat das einfach mal wirklich gemacht… und das ist schon bemerkenswert. Aber auch der Rest von ihm in diesem Film ist einfach nur hart. Der prügelt, schlägt und zertritt mit Vorliebe Köpfe. Dabei ist Vaughn so ruhig, als würde er das jeden Tag machen. Vaughn liefert eine unglaublich gute Darstellung ab… man leidet mit diesem Typen einfach mit, jedes Mal, wenn ihm jemand sagt, dass er doch noch nicht am Ziel angekommen ist und noch eine Etage tiefer in die Hölle muss.

Höllisch ist „Brawl in Cell Block 99“ dann auch wirklich. Ich bin ja nicht zimperlich, wenn es um Gewalt in Filmen geht, aber bei „Brawl“ habe selbst ich mich alle fünf Sekunden hinter meinem Kissen verstecken müssen. Denn Zahler setzt auch sehr realistisch aussehende gebrochene Gliedmaßen und zerplatzte Köpfe (und glaubt mir, hier platzen erschreckend viele Köpfe). Die Gewalt in diesem Film ist unerträglich, sie beißt sich förmlich in den Zuschauer rein und lässt ihn nicht mehr los. Es war körperlich schon ein wenig anstrengend, diesen Film zu gucken, weil ich einfach die ganze Zeit so angespannt war.

Soll heißen: „Brawl in Cell Block 99“ ist ein grandioser, dreckiger Grindhouse-Film, der nichts für schwache Nerven ist, der aber gleichzeitig auch optisch sehr interessant gestaltet ist: zu Beginn sind es noch helle warme Farbe (Bradley ist glücklich), danach wird es kalt und blau (Bradleys erster Knast heißt nicht umsonst Fridge) und schließlich wird es mit jedem Schritt tiefer in die Hölle immer dunkler und düsterer. S. Craig Zahler liefert einen filmischen Schlag in die Magenkuhle, aber auch einen verdammt starken Film mit einem unglaublich guten Vince Vaughn ab.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wirklich nichts für schwache Nerven, aber auch wirklich verdammt gut)

16 Kommentare leave one →
  1. 10. Oktober 2018 08:05

    Mir hat der Film auch ganz gut gefallen, aber – mir war die Story viel zu simpel. Wie er sich im Gefängnis von Level zu Level steigert, ging viel zu einfach. „Was, ich muss in den Hochsicherheitstrakt? Okay, warte einen Moment.“ Da hätte durchaus mehr kommen können. Das Problem hatte ich auch schon mit Bone Tomahawk. Zahler kann zwar Settings und Inszenierung, seine Bücher sind aber etwas dünn und zu gradlinieg.

    Und Jennifer Carpenters Rolle hätte man ruhig noch etwas ausbauen können 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2018 17:14

      Ja. Das stimmt wohl. Aber irgendwie fand ich, dass das trotzdem alles genau so gepasst hat. Warum ist der so krass? Egal, er ist es einfach. Dafür war ja die Szene da, in der er eigenhändig ihr Auto auseinander reißt. 😀

      Aber bei Carpenter geb ich dir wirklich Recht. Das wäre irgendwie cool gewesen, noch mehr von ihr zu sehen. Oder das ist dann Teil 2…

  2. 10. Oktober 2018 09:48

    Vaughn ist eigentlich gar kein so schlechter Darsteller, wenn man ihn mal lässt. Ins Komödienfach ist er auch erst in den 2000ern gewechselt, wenn ich mich nicht irre. Davor gab es den von dir erwähnten CELL, VERGESSENE WELT, das Remake von PSYCHO und irgendein Schinken mit Travolta, an dessen Titel ich mich gerade nicht erinnern kann. Und auch sonst ist er immer mal wieder in andere Genres ausgebrochen. INTO THE WILD und vor allem die zweite Staffel TRUE ETECTIVE haben dabei gezeigt, dass er einiges drauf hat als Darsteller.

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2018 17:15

      True Detective muss ich noch gucken. Wie gesagt, ich kannte ihn halt wirklich nur so von Komödien her… und wurde jetzt schon mal gut eines besseren belehrt.

      • 10. Oktober 2018 20:30

        Ich glaube, in dem Bereich hatte er auch einfach seine größten Erfolge. Aber hin und wieder beweist er durchaus, dass er mehr kann.

        Hast du von TRUE DETECTIVE noch gar nix gesehen? Die erste Staffel ist super.

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2018 20:46

          Doch. Die erste Staffel kenne ich. Die war wirklich super. Aber Staffel 2 noch nicht…

        • 10. Oktober 2018 21:21

          Die ist zwar nicht ganz so gut, aber meiner Meinung nach auch lange nicht so schlecht, wie sie oft gemacht wird.

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2018 22:17

          Klingt gut!

  3. 10. Oktober 2018 17:44

    Ja Vaughn kann schon wenn er will und True Detective mit ihm kann auch auch nur wärmstens empfehlen.
    Ich mag den Film auch richtig gerne. Seine Kompromisslosigkeit ist wie ein Schlag in die Magengrube, aber nie Gewalt der Gewalt wegen.

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2018 19:18

      True Detective muss ich wirklich mal nachholen. Ich hatte immer so durchwachsene Kritiken von Staffel 2 gelesen… deswegen hatte ich mich nie so dran getraut.

      Und ja… der Film ist wirklich super.

      • 10. Oktober 2018 19:29

        Im Gegensatz zur Mehrheit mochte ich ja alle drei Staffeln TD richtig gerne.

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2018 20:08

          Oh Gott… es gab schon eine dritte Staffel? Das ist komplett an mir vorbei gegangen 😀

        • 10. Oktober 2018 21:20

          🤓 ja klar

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2018 22:17

          Laut der überaus glaubwürdigen Quelle wikipedia kommt die erst 2019. Wurde die schon früher ausgestrahlt?

        • 10. Oktober 2018 22:25

          Hilfe, ich habe TD gerade mit Fargo durcheinandergeworfen. Nichtsdestotrotz ist die 2. Staffel TD gut :))

        • donpozuelo permalink*
          10. Oktober 2018 22:38

          😀 Die werde ich auf jeden Fall noch nachholen

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