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Der Traum von Wendimoor

1. Oktober 2018

Wenn eine geliebte Serie frühzeitig abgesetzt wird, dann schmerzt das immer sehr. Ich muss sagen, ich habe immer noch nicht überwunden, dass „Firefly“ ein all zu zeitiges Ende fand (auch wenn mit dem Film und den Comics zumindest für ein bisschen Schmerzlinderung gesorgt wurde) und ich trauere auch immer noch „My Name Is Earl“ nach. Aber dann… in Momenten, die ich nicht genau beschreiben kann, bin ich auch irgendwie froh, dass diese Serien nicht weitergeführt worden sind. So überleben sie in einer Perfektionsblase, die durch weitere Staffeln vielleicht zerstört worden wäre. Der Wut über die frühe Absetzung und die Liebe zu dieser Serie machen sie zu noch etwas viel besonderem. Man schwärmt noch viel mehr darüber, als über Serien, die man zwar mochte, die aber ihren Zenit irgendwann einfach überschritten (ich gucke in eure Richtung, Big Bang Theory und Akte X). So paradox es also klingen mag, so eine frühzeitig abgesetzte Serie wird durch die frühzeitige Absetzung gleich noch viel besser – vorausgesetzt natürlich, sie hat was ordentliches zu bieten.

Warum labere ich jetzt so lange über geliebte, abgesetzte Serien? Nun, ich habe mit „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ erst vor kurzem eine wunderbar verrückte, aber unheimlich kreative Serie gefunden, die mir jetzt schon wieder unlieb aus den Händen gerissen wird. Denn mit Staffel 2 ist Schluss… und dabei war auch Staffel 2 so wunderbar absurd…

Nachdem Dirk Gently (Samuel Barnett) den Fall der Lydia Spring aufgeklärt hat, wird er von der Geheimorganisation Blackwing gefangen genommen (denn Dirks Vergangenheit hängt eng mit Blackwing zusammen). Todd (Elijah Wood) und Farah (Jade Eshete) sind auf der Flucht vor dem FBI und auf der Suche nach Dirk und Amanda (Hannah Marks). In dem kleinen Örtchen Bergsberg werden Todd und Farah von Sheriff Hobbs (Tyler Labine) aufgegriffen, doch da der keine Erfahrung in der Polizeiarbeit hat, braucht er schnell die Hilfe seiner beiden Gefangenen. Es tauchen nämlich mehr und mehr Leichen auf – und Suzie Boreton (Amanda Walsh) scheint etwas damit zu tun zu haben.

Rave a la Dirk Gently

Wie schon in Staffel 1 ist diese Inhaltsangabe nicht einmal ansatzweise vollständig, denn es gibt auch noch eine komplette Black-Wing-Story, in der ein toller Alan Tudyk eine Gastrolle spielt und dann gibt es noch die Wendimoor-Geschichte, eine Fantasy-Welt, in der es einen Bürgerkrieg gibt – und Menschen mit riesigen Scheren als Schwertern kämpfen.

Was kann man einer ersten Staffel hinterher schieben, die Verrücktheit pur war? Man mischt die gleiche Art von Verrücktheit mit der Verrücktheit einer „Alice im Wunderland“ – nur, dass in diesem Wunderland Krieg herrscht und irgendwie alles mit unserer Welt zusammenhängt. Dadurch bekommt die Story gleich einmal einen ganz anderen Twist. Im ersten Augenblick hat mich das komplett neue Setting ein wenig „gestört“, weil ich noch so in der ersten Staffel festhing, aber wer will schon die reine Wiederholung? So ist dieser neue Weg wirklich toll. Zumal es Max Landis, dem Schöpfer der Show, gelingt, die Charaktere schön weiter auszubauen.

Die kleine Gruppe wird ein bisschen aufgerissen. Todd und Farah bekommen mehr Zeit eingeräumt, aber auch Amanda, die lernen muss, ihre neuen Fähigkeiten zu kontrollieren (denn ja, sie bekommt krasse neue Fähigkeiten). Dirks Vergangenheit wird durch die ganze Blackwing-Geschichte ein bisschen mehr aufgedeckt. In Staffel 1 war das ja wirklich nur ein Teaser, jetzt bekommen wir mehr. Dabei wird dann auch jemand ausgebaut, den ich in meiner Kritik zu Staffel 1 gar nicht erwähnt habe: Hugo Friedkin (Dustin Milligan). Der komplett überforderte neue Leiter von Blackwing, dem eigentlich alle auf der Nase rumtanzen und der einfach keine Berichte lesen will und deswegen nie weiß, was wirklich los ist.

Kurzum, Staffel 2 baut die bekannten Charaktere auf spannende Art und Weise weiter aus, liefert aber auch neue interessante Charaktere und Gegenspieler – nur dieses Mal halt mit ein bisschen mehr Fantasy-Spektakel, das mich mit seinen dichten Wäldern und verrückten Wesen aus irgendeinem Grund immer wieder an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnert hat.

Die Charaktere sind toll, aber die Story ist es auch. Die ist wieder genau so verrückt und herrlich absurd wie schon in Staffel 1. Nur wird es hier mit der Fantasy und Magie-Schiene alles noch ein bisschen mehr auf die Spitze getrieben. „Dirk Gently“ Staffel 2 ist wie Staffel 1, nur ganz anders – und nur in einer Welt von holistischen Detektiven macht das auch absolut Sinn. Es ist schade, dass jetzt alles vorbei ist, aber zum Glück sind beide Staffeln in sich abgeschlossen und so immer und immer wieder sehenswert!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Dirk Gently ist und bleibt beste Unterhaltung)

3 Kommentare leave one →
  1. 3. Oktober 2018 13:24

    Ich bin auch noch nicht wesentlich weiter gekommen, aber bleibe dran. Ich mag ja die Dourif. Was für eine absurde Geschichte :))

    • donpozuelo permalink*
      4. Oktober 2018 19:47

      Ja, Bart ist super. Das ist wirklich sehr geil. Ich hoffe, es gefällt dir. Staffel 1 ist wirklich großartig!

Trackbacks

  1. Der Fall Lydia Spring | Going To The Movies

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