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Random Sunday #10: The Man in the High Castle

30. September 2018

Es gibt drei Autoren, die mich von der Jugend-Literatur in die Welt der Erwachsenen-Literatur gebracht haben: da war zum einen Stephen King, dessen „Es“ den Start für mich gegeben hatte. Dann kam relativ schnell nach King Dean Koontz, dessen Roman „Phantoms“ mich wirklich zu Tode gegruselt hat (und ich mir denke, dass ich das Buch unbedingt mal wieder lesen muss)… und dann war da noch Philip K. Dick, durch den ich Science Fiction nicht nur in Film-Form, sondern das erste Mal auch in Buch-Form zu würdigen wusste.

Seit einiger Zeit läuft ja nun schon die Serie „The Man in the High Castle“ auf amazon und ich nehme mir die ganze Zeit vor, dass ich die gucken will. Doch jeder, der mich kennt, weiß, dass so eine Serie, die auf einem Buch basiert, warten muss – bis ich das Buch gelesen habe. Ich muss allerdings gestehen, dass ich dann doch etwas überrascht war, als ich das Buch dann endlich in der Hand hatte… denn so dick ist es nicht, dass es Stoff für mittlerweile drei Staffeln gibt. Vielleicht ist die Serie dann die Art von Serie, die mal wirklich nur das Buch als Grundlage nimmt und sich dazu was ganz eigenes ausdenkt (wäre ja schön, werde ich ja bald sehen).

Worum geht’s? „The Man in the High Castle“ ist angesiedelt in einer Welt, in der die Nazis zusammen mit den Japanern den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Die Deutschen beherrschen Afrika (wo sie unaussprechliche Gräueltaten an den Einheimischen begingen, um das Land zu „reinigen“), sie haben das Mittelmeer trocken gelegt, um Agrarflächen zu erschaffen und sie haben ihre Forschung so weit vorangetrieben, dass sie auch das All besiedeln. Die einstigen Vereinigten Staaten wurden unter den Siegermächten aufgeteilt. Die Deutschen regieren über den Ostteil, die Japaner den Westteil, der zu den Pacific United States gehört. Nur ein schmaler Mittelteil ist neutral. In dieser Welt lernen wir verschiedene Charaktere kennen, die alle von ein und demselben Buch gefangengenommen werden: in seinem Buch „The Grasshopper Lies Heavy“ beschreibt der Autor Hawthorne Abendsen eine alternative Version der Welt, in der die Deutschen und die Japaner den Zweiten Weltkrieg verloren haben.

„The Man in the High Castle“ ist jetzt vielleicht nicht unbedingt ein typisches Dick-Buch, eben weil es nicht so sehr Science-Fiction ist, wie man vielleicht gerne hätte. Aber „The Man in the High Castle“ ist auch wieder ein sehr typischen Dick-Buch, weil er hier einfach zeigt, was für ein großartiger Schriftsteller er ist. Ein Schriftsteller, der sich sehr genau Gedanken macht und mit seinen Worten dann eine Welt vor unseren Augen entstehen lässt, die einen in ihren Bann zieht.

Allein wenn sich nach und nach ein Bild von den Ereignissen abzeichnet, was alles in dieser Alternativ-Welt passiert ist, ist das unglaublich packend. Man kann dieses Buch nicht weglegen, weil Dick – in meinen Augen – ziemlich gut nachvollzogen hat, was vielleicht wirklich hätte sein können, wenn es so gewesen wäre, wie er es beschreibt. Seinem „The Man in the High Castle“ liegt ein unheimlicher Realismus inne, der einen frösteln lässt, wenn man liest, was gerade die Deutschen alles als Sieger gemacht haben.

Dazu erzählt er dann eben die Geschichte verschiedener Charaktere: ein Antiquitäten-Verkäufer, der Amerikana an Japaner verkauft, ein jüdischer Fälscher, der solche Amerikana produziert, seine Ex-Frau, die sich auf die Suche nach dem Autor von „The Grasshopper Lies Heavy“ macht und ein japanischer Angestellter in hoher Position. Philip K. Dick zeichnet uns ein Bild davon, wie sowohl die Sieger als auch die Besiegten leben. Er taucht mit uns ein in die Welt dieser Menschen, die sich ihrer Welt ergeben haben… aber er zeigt auch, dass selbst in so einer hoffnungslosen Welt ein Funken Hoffnung überlebt und in den unglaublichsten Momenten plötzlich Feuer fängt. Das ist ein spannender Punkt in diesem Buch, den ich natürlich nicht zu sehr spoilern möchte, aber jeder uns vorgestellte Charakter erlebt so einen Moment – und in diesen Momenten erscheint Abendsens Fantasie doch irgendwie möglich zu sein. Aber das sind kleine Nuancen, die „The Man in the High Castle“ dann hier und da doch zu einem Science-Fiction-Roman machen. Doch am Ende ist es viel aufregender, diese Alternativ-Welt durch Dicks Augen zu erkunden… dieser kleine Roman ist wirklich die Wucht.

Ich bin jetzt echt mal gespannt, ob die Serie da nachkommt…

6 Kommentare leave one →
  1. 30. September 2018 18:39

    Das Buch fand ich auch fantastisch. Die Serie konnte damit leider nicht mithalten, fand ich zumindest. Hab nach der ersten Staffel auch nicht weitergeschaut, obwohl ich sie nicht schlecht fand. Aber eben auch nicht sonderlich packend.

    • donpozuelo permalink*
      2. Oktober 2018 12:59

      Hmm… okay. Gut zu wissen. Hat die Serie denn wenigstens auch dieses Buch im Buch – und damit quasi die Möglichkeit, dass es doch noch eine andere Realität gibt? Oder haben sie sich einfach nur das Setting genommen und was eigenes draus gemacht?

  2. 3. Oktober 2018 18:15

    Ich war ehrlich gesagt auch vom Buch recht enttäuscht. Steh ich mit dieser Meinung allein da?

    • donpozuelo permalink*
      4. Oktober 2018 19:44

      Wie gesagt, das Buch mochte ich sehr… auch wenn es ganz anders war, als ich es erwartet hatte. Ich hatte wirklich gedacht, dass dieses Buch, in dem die Amerikaner gewonnen haben, eine noch größere Rolle spielen würde und dass das Ganze noch mehr auf diese Schiene „Es gibt noch eine andere Realität“ geht.

      Aber vielleicht ist das ja was, was die Serie dann macht. Kennst du die?

      • 5. Oktober 2018 12:08

        Leider nein. Hatte nach dem Buch und den eher mäßigen Meinungen wenig List drauf…

        • donpozuelo permalink*
          7. Oktober 2018 15:47

          Ich werde mir zumindest mal die ersten paar Folgen anschauen. Mal gucken, ob es mich packt.

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