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Des Musikers Mieze

21. September 2018

Es heißt ja immer, es gibt Hunde- oder Katzen-Menschen. Eine etwas einfache Einteilung, weil ich da nie so richtig weiß, wo ich mich einordnen soll. Ich bin dann wohl das „oder“ in der Mitte, weil ich weder das eine noch das andere nicht bin. Ich mag sowohl Hunde als auch Katzen – und ich glaube, so geht es vielen, deswegen frage ich mich immer, woher diese vermeintliche Weisheit kommt. Katzen sind halt geheimnisvoller, deswegen vielleicht auch etwas schwieriger. Die haben halt ihren eigenen Kopf und man muss sich für deren Zuneigung anstrengen. Hunde sind da eindeutig einfacher gestrickt. Jetzt habe ich aber eine Katze durch die Magie des Films kennenlernen dürfen, die irgendwie auch ein bisschen ein Hund war. Diese Hund-Katze, die eigentlich ein Kater ist, heißt Bob und sein Film ist „Bob, der Streuner“.

Straßenmusiker James (Luke Treadaway) ist drogenabhängig, sein Vater (Anthony Stewart Head) hat sich vor langem von ihm abgewandt und sein Leben läuft von Trip zu Trip. Doch er hat eine Betreuerin (Joanne Froggatt), die ihn nicht aufgibt. Sie besorgt ihm eine Wohnung und ein Programm, mit dem er langsam von seinen Drogen wegkommen soll. In der schäbigen Siedlung, die vor Junkies nur so wimmelt, lernt James Betty (Ruta Gedmintas) kennen, mit der er sich anfreundet. Doch seiner wahrer Freund wird der rot getigerte Kater, der eines Tages plötzlich in seiner Wohnung auftaucht und Bob dann nicht mehr von der Seite weicht. Dank Bob wird James zu einer kleinen Berühmtheit und dank seiner Zuneigung zu Betty versucht er auch, sein Leben in den Griff zu bekommen – was natürlich nicht immer einfach ist.

Miau…

„Bob, der Streuner“ ist wieder mal so einer dieser Filme, der so unglaublich ist, dass er nur auf wahren Begebenheiten beruhen kann. Ganz ehrlich, wenn mir deswegen auch so ein faszinierendes Tier in die Wohnung kommen würde, würde ich mein Fenster auch auf lassen. Aber hier in Berlin steigt mir da am Ende eher Bob, der Einbrecher ins Haus als Bob, der coole Kater. Kurzum, die Geschichte von James und Bob ist wahr – sie ist sogar so wahr, dass Bob, ganz der Star, sich einfach mal selbst spielt. Und wenn man diesen Kater im Film sieht, kann man nur staunen. Hat dieses Tier gerochen, gespürt, geahnt, dass James ihn brauchen würde? Schon verrückt, wie handzahm dieser Kater ist, dass er sich an der Leine führen lässt, brav auf James‘ Gitarre hockt, wenn der auf der Straße spielt oder ihm sogar zum Bus folgt.

Dieser Kater ist der Star des Films, nicht nur, weil es faszinierend ist zu sehen, wie er agiert und reagiert, sondern einfach auch, weil er ein verdammt hübscher Kater ist. Das spricht wiederum den Katzenmensch in mir ungemein an und ich war einfach nur begeistert, wie süß der da auf der Couch liegt, Cornflakes knuspert, im Bus fährt oder faul neben seinem neuen Menschenfreund auf der Straße wartet.

Doch „Bob, der Streuner“ ist jetzt nicht nur ein Katzen-Film. Es ist auch die Geschichte von James, die spannend erzählt wird. Dabei war ich irgendwie ganz froh darüber, dass sein ganzer Drogenkonsum, das Leben auf der Straße, etc. nicht zu krass überdramatisiert wurde. Es ist schon alles Teil der Geschichte, aber es haut einen jetzt nicht zu sehr um. Da habe ich mich eher manchmal gewundert, dass Leute einem Straßenmusiker mehr Aufmerksamkeit schenken, weil er eine Katze hat. Ich meine, ein Glück vor James, dass es wohl so war und ein Hoch auf Bob, den Menschen-Magneten. Aber wie gesagt, zu dramatisch inszeniert Regisseur Roger Spottiswoode das Ganze jetzt nicht. Hätte er sicherlich machen können, um das Leid der Menschen auf der Straße noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Doch „Bob, der Streuner“ soll eben auch ein Feel-Good-Movie sein… deswegen wird auch der Streit mit dem Papa schnell beigelegt und alles andere fügt sich auch irgendwie perfekt wieder zusammen. Das ist ein wenig oberflächlich, aber in diesem Fall nicht so schlimm… wir sollen uns ja auch ein wenig an Bob und James erfreuen.

Ich mochte diesen Film wirklich sehr. Luke Treadaway, Zwillingsbruder von „Penny Dreadfuls“ Harry, ist super in der Rolle. Und zusammen mit Bob, dem stolzen Kater, geben die beiden ein gutes Team ab. Auch Ruta Gedminta fand ich großartig… und Anthony Stewart Head hat ja eh bei mir einen Platz im Herzen (er ist einfach der beste Wächter der Welt 😉 ).

„Bob, der Streuner“ ist ein wunderschönes Märchen, das sogar gar kein Märchen ist (umso schöner, es gibt also doch noch Hoffnung und Wunder in dieser Welt). Ein schöner Feel-Good-Film, der selbst Hundeliebhaber zu Katzenfreunden werden lässt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (einfach gestricktes, aber sehr effektives Kater-Drama mit wohl verdientem Happy End)

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