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Paläontologischer Angelausflug

10. September 2018

Die Tiefen des Ozeans sind unergründet und unergründlich! Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass wir mittlerweile mehr über die Weiten des Alls wissen als über die Tiefen unserer Meere. Das ist natürlich gefundenes Fressen für jede Art von Horror-Film (wenn man es denn richtig angeht). Letztendlich kann man ja so ziemlich alles aus der Dunkelheit der Meere aufsteigen lassen. James Cameron machte das mit uns halbwegs wohlgesonnenen Aliens in „Abyss“, Guillermo del Toro jagte uns Riesenkaijus aus einem Riss im Meeresboden hinterher und jetzt kommt Jon Tuteltaub und entlockt dem Ozean ein Urzeit-Monster in „The Meg“.

Die Forschungsstation Mana One erforscht die unglaubliche Theorie von Dr. Minway Zhang (Winston Chao). Der geht nämlich davon aus, dass der Mariannengraben wesentlich tiefer ist. Eine dicke Schicht aus Schwefelwasserstoff verdeckt ein unberührtes Unterwasser-Biotop! Und tatsächlich können die Forscher diese Theorie verifizieren. Doch ganz unten angekommen, wird das Forschungsboot von etwas Großem angegriffen. Jetzt kann nur noch ein einziger helfen: der Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham). Dem gelingt das auch – doch beim Aufstieg bringt er etwas mit: den Megalodon, einen riesigen Urzeit-Hai, der Spielbergs „Weißen Hai“ verdammt alt aussehen lässt.

Plastikabfall tötet Meereslebewesen!

Was man „The Meg“ zugute halten muss, es ist der sehr viel coolere Dino-Film – gemessen an der Konkurrenz, die dieses Jahr in dem Sektor nur durch „Jurassic World 2“ vorhanden war. Trotzdem will das schon irgendwas heißen… denn ja, im Trash-Bereich ist „The Meg“ schon irgendwo ganz unterhaltsam. Aber leider auch nicht die Art von unterhaltsam, die ich mir eigentlich erhofft hatte. Denn viel zu oft nimmt sich dieser Film einfach viel zu ernst, nur um dann Jason Statham ins Wasser mit dem Riesenhai zu schubsen und ihn mit einem „Findet Nemo“-Zitat im Mund durchs Wasser planschen zu lassen. Solche Momente hat „The Meg“ dann leider immer wieder – und ich denke mir, mit einer etwas größeren Prise Selbstironie hätte dieser Hai-Horror wirklich viel amüsanter sein können. Schließlich will hier niemand ständig trauern und traurig sein, aber zu oft versucht sich Jon Turteltaub eben auch an den tragischen Momenten, wenn mal wieder ein Forschungsmitglied drauf geht.

„The Meg“ schwankt die ganze Zeit hart zwischen der emotionalen Ernsthaftigkeit von „Der Weiße Hai“ und dem absolut absurden Humor von „Sharknado“. Beides funktioniert zusammen halt nur bedingt und daran scheitert am Ende ein von vorne bis hinten unterhaltsamer Kino-Abend mit dem Urzeit-Hai. Turteltaub möchte die Spannung gerade zu Beginn aufbauen, in dem er uns den Hai nie ganz zeigt und das ist auch noch lobenswert. Wenn am Ende aber gefühlt alle zwei Sekunden jemand vor lauter Dummheit ins Wasser fällt und man sich überhaupt fragt, warum der Riesenhai die ganze Zeit nur diese paar Hanseln jagt, anstatt sich was besseres zu suchen, setzt zu schnell das logische Denken ein. Und das ist immer der Killer für so einen Film – spätestens wenn man sich dann vor Augen führt, was für tiefe Strandbereiche da herrschen müssen, damit sich 30-Meter-Haie ungestört durch Badegäste fleischen können.

Da hilft dann auch kein Jason Statham mehr, der alle zwei Sekunden (also immer dann, wenn jemand ins Wasser fällt) heroisch zur Sauerstoffflasche greift und sich aufmacht, dem Hai aufs Maul zu geben. Besonders „heldenhaft“ wird das dann im herrlich trashigen Finale – das aber einfach zu albern wirkt, weil der Film sich vorher viel zu ernst genommen hat. Das wäre doch eh nie ein „Weißer Hai“ geworden, warum dann nicht einfach einen „seriöseren“ Sharknado machen? Naja… wo war ich? Ach ja, Statham… er ist jetzt wirklich kein Chief Brody (Spielberg war da einfach zu gut), aber er macht seine Sache okay. Wie alle anderen auch – es sticht jetzt niemand hervor und ganz ehrlich, die verzweifelt zusammengeschriebene „Liebesstory“ zwischen Statham und Li Bingbing hätte man sich auch sparen können.

Was ich mich jetzt im Nachhinein nur frage, ist folgendes: Ob ihr es glauben wollt oder nicht, aber „The Meg“ basiert tatsächlich auf einem Roman von 1997. Der fleißige Autor Steve Alten hat seinem Monsterhai-Roman noch sieben Fortsetzungen folgen lassen. Kommt jetzt noch ein „Meg 2“? Genügend Möglichkeiten gibt es da… sollte es wirklich dazu kommen, dann bitte aber mit etwas mehr Augenzwinkern und weniger Spielberg-Rip-Off!

Wertung: 6 von 10 Punkten (schwankt zwischen gut und schlecht, hätte mit mehr Ironie aber viel unterhaltsamer sein können)

6 Kommentare leave one →
  1. 10. September 2018 07:34

    Ich habe die Vorlage vor einer halben Ewigkeit sogar mal gelesen. Die Verfilmung hört sich jetzt ziemlich genauso an, wie ich das erwarten würde… 😉

    • donpozuelo permalink*
      10. September 2018 16:21

      Ist ja verrückt. 😀 Hast du auch eine der zahlreichen Fortsetzungen gelesen?

      Ja, der Film ist echt so lala. Hätte viel mehr gekonnt, wenn er sich für eine Sache – Humor oder Ernst – entschieden hätte.

      • 10. September 2018 16:25

        Nee, habe ich nicht mehr gelesen. Wäre aber eine Idee… 🤔😁

        • donpozuelo permalink*
          10. September 2018 16:31

          Vielleicht auch nicht! Ich frage mich, wie lange man das noch ausschlachten kann.

  2. 10. September 2018 11:38

    In meiner Kritik wird so ziemlich das Gleiche stehen nur mit einer schlechteren Punktebewertung

    • donpozuelo permalink*
      10. September 2018 16:30

      😀 Sehr gut! Ich bin drauf gespannt.

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