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Coveleski ist der Hammer!

24. August 2018

Es gibt so einige Filme, die Kinder in den Vordergrund stellen, die dann schwere Lebenssituationen bewältigen müssen und dabei in eine Art Fantasiewelt abdriften. Das für mich nach wie vor schönste Beispiel für diese Art von Film ist Guillermo del Toros „Pans Labyrinth“. Zuletzt gab es ja dann „Sieben Minuten vor Mitternacht“ – ein Film, von dem ich mir sehr viel erhofft hatte, der mich dann aber doch auf eine gewisse Art kalt ließ. Vielleicht ist kalt das falsche Wort, aber ganz so meins war er einfach nicht. Daher war ich sehr gespannt, als ich hörte, dass „I Kill Giants“ verfilmt werden soll. „I Kill Giants“ ist ein sehr, sehr, sehr zu empfehlender Comic von Joe Kelly (und Ken Niimura, der die wunderbaren Bilder dazu liefert), der mich am Ende ein wenig zu Tränen gerührt hat. Harte Voraussetzung für die Verfilmung…

Barbara Thorson (Madison Wolfe) ist eine Außenseiterin an ihrer Schule, aber sie ist nicht der typische Außenseiter. Wenn ihr Bully Taylor (Rory Jackson) sie anmacht, spuckt sie ihr schon mal in die Hand oder wehrt sich verbal. Barbara ist hart wie Stahl, aber das muss das junge Mädchen auch sein, denn sie bewahrt ihre kleine Heimatstadt immer wieder und wieder vor den Angriffen von Giganten, die sie – wie es der Titel schon spoilert – auch tötet. Ihre neue Freundin Sophia (Sydney Wade) weiht sie in ihre geheimen Tätigkeiten ein. Doch neben ihrer Tätigkeit als Riesentöterin (was sie mit Vorliebe mit ihrem Superhammer Coveleski, benannt nach einem Baseball-Spieler, macht), hat sie Stress zuhause mit ihrer Schwester Karen (Imogen Poots) und an der Schule mit der besorgten Schulpsychiaterin Mrs. Mollé (Zoe Saldana)… und dann deutet sich die vielleicht größte Bedrohung für die kleine Stadt an.

Hasen-Ohren sind wieder in!

„I Kill Giants“ ist ein wundervoller Film geworden, das kann ich als großer Fan des Comics gleich mal so voranstellen. Das Witzige ist, dass Kelly seinen Comic wirklich nahezu 1:1 als Drehbuch übernommen hat. Man kann wirklich mitlesen und findet die gleichen Dialoge sowohl im Comic als auch im Film. Und warum auch nicht? Am Ende ist der Comic einfach schon das fertige Storyboard, da Ken Niimura wirklich einen tollen Stil hat und spannend die Geschichte von Barbara bebildert.

Dazu kommt, dass „I Kill Giant“ eine sehr persönliche und natürlich etwas ungewöhnliche Coming-of-Age-Story abliefert – und dabei mit großartigen Darstellern punkten kann. Madison Wolfe, die die meisten vielleicht als besessene Janet aus „Conjuring 2“ kennen könnten, spielt herzergreifend und mit einer mitreißenden Überzeugung. Sie trägt diesen Film mit einer Stärke, die nur einer kleinen Riesentöterin möglich ist. Wolfe erweist sich als wandelbar und vielseitig, als kleine Action-Ikone, die aber auch in den emotionalen Momenten die nötige Glaubwürdigkeit rüberbringt. Mit der Rolle der Barbara steht und fällt diese Verfilmung, aber Madison Wolfe ist perfekt besetzt.

Aber auch Sydney Wade als ihre Freundin ist super, und Zoe Saldana beweist, dass sie auch ohne grüne Farbe im Gesicht einfach eine starke Schauspielerin ist. Der ganze Film ist voll von großartigen Darstellern, die diesem Fantasy-Märchen alles gibt, was es braucht: emotionale Tiefe.

Die Story von „I Kill Giant“ ist schlußendlich eine ziemlich dramatische Angelegenheit, bei der gekonnt zwischen Fantasy und Realismus hin und her gesprungen wird. Natürlich stellen wir uns die Frage: Sind diese Riesen wirklich echt? Oft genug hinterfragen wir dank Mrs. Mollé ode Sophia Barbaras Taten und sind uns doch nie so ganz sicher, warum sie sich das vielleicht nur ausdenken könnte. Sowohl im Comic als auch im Film wird das wie ein netter kleiner Plot versteckt gehalten – nach und nach aber offenbart sich die Wahrheit hinter all dem. Als Zuschauer erfährt man das recht bald und dennoch bleibt es spannend, weil es am Ende darum geht, dass Barbara der Sache ins Auge blickt – Coming-of-Age verlangt halt immer einen Reifeprozess, und den setzt „I Kill Giants“ toll um.

Ein kleines Manko habe ich dennoch: Im Film wird mit dem Ende die ganze Sache mit den Riesen dann doch sehr stark relativiert. Im Comic dagegen hat man nie so ganz die Sicherheit, dass diese Riesen wirklich nur ein Hirngespinst waren, da es zumindest im großen Finale so aussieht, als hätten auch andere Menschen sie gesehen. Allgemein ist der Comic ein bisschen mehr mit Fantasy-Elementen versehen, die der Film – leider – ein wenig zurückhält.

Dennoch funktioniert das Konzept auch im Film ziemlich gut und man bekommt eine ergreifende Geschichte, die wirklich toll gespielt wird. Ganz ehrlich, hier habe ich am Ende ein Tränchen verdrückt, weil mich Madison Wolfe einfach wirklich sehr bewegt hat und die Geschichte von Barbara einfach so packend ist. Ein schöner Film. Punkt!

Wertung: 8 von 10 Punkten (mitreißender Fantasy-Coming-of-Age-Film, der vor allem dank der wunderbaren Besetzung so extrem gut funktioniert)

2 Kommentare leave one →
  1. 27. August 2018 09:52

    Den schiebe ich auch etwas vor mir her, möchte ich aber unbedingt sehen. Nun ist jedoch erstmal der holistische Detektiv dran :))

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2018 12:11

      Oha… da bin ich mal gespannt. Ich bin jetzt gerade in Staffel 2 und die ist herrlich sonderbar.

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